Das Team der Lüneburger Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft: (v.l.) Janina Paszkowska, freie Beraterin, Koordinatorin Annette Mücke und Geschäftsführerin Andrea Kowalewski. Foto: ap

Lüneburg: Hilfe für geflüchtete Frauen ohne Arbeit

Lüneburg. Frauen, die aus ihrem Heimatland geflohen sind, stehen häufig ohne eine berufliche Perspektive da. Ausbildungsnachweise haben die Fl ucht nicht überdauert, auch sind in Deutschland häufig deutlich mehr Qualifikationen für einen Beruf erforderlich. Und viele Frauen waren in ihrer Heimat für die Erziehung der Kinder zuständig, haben dementsprechend nie einen Job erlernt. Doch in Deutschland muss jeder, der im erwerbsfähigen Alter ist, irgendwann arbeiten. Hemmnisse möchte die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft Lüneburg.Uelzen abbauen: Sie hat den Zuschlag für neue Fördermittel bekommen und möchte damit geflüchtete Frauen bei der beruflichen Integration unterstützen.

Einzel- und Gruppenberatungen für Migrantinnen

Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit sind in Lüneburg 1061 Migrantinnen gemeldet, 520 Frauen stammen aus sogenannten Asylzugangsländern. „Das war der Stand im September 2016, wir erwarten nun vermehrt auch die Nachzüge der Familie“, sagt Annette Mücke, die bei der Koordinierungsstelle für das neue Programm verantwortlich ist. Im Mai sollen die Einzel- oder Gruppenberatungen, Seminare und Workshops starten, zudem sollen bereits integrierte Migrantinnen im Rahmen eines Mentoring- oder Patenschafts-Programms neu Hinzugezogene mit ihren Erfahrungen unterstützen. Um jedoch erstmal geflüchtete Frauen für das Programm zu gewinnen, besuchen Annette Mücke und die freiberufliche Beraterin Janina Paszkowska zurzeit verschiedene internationale Treffs, karitative Einrichtungen und Flüchtlingsunterkünfte.

"Am Anfang suchen die Frauen noch Kontakt, sind für uns also greifbarer."
Annette Mücke, Programmleiterin

Sie hoffen, die Frauen dort möglichst früh zu erreichen und so die Bildung einer Parallelgesellschaft zu verhindern. „Am Anfang suchen die Frauen noch Kontakt, sind für uns also greifbarer“, sagt Annette Mücke. Sobald sie aber die Berechtigung für eine private Wohnung erhalten, werde es schwieriger. Auch seien die geflüchteten Frauen dann häufig nur untereinander vernetzt.
Im Rahmen des neuen Programms der Koordinierungsstelle sollen die Frauen unter anderem Informationen zum beruflichen System in der Bundesrepublik erhalten, etwas über Voraussetzungen, Kinderbetreuung, Anforderungen an Bewerbungsunterlagen, Rechte und Bezahlung erfahren. Begleitet werden sie von Beraterinnen, die zum größten Teil auch einen Migrationshintergrund haben, und bei Bedarf auch von Sprachmittlerinnen. Auch ist eine Kontaktvermittlung zu Betrieben möglich.

Beraterin: "Ich hatte die gleichen Probleme"

Zu den Beraterinnen zählt beispielsweise Janina Paszkowska. Sie ist 1999 aus Weißrussland nach Deutschland gekommen. Zu dem Zeitpunkt hatte sie bereits Geographie und Deutsch studiert, also einen pädagogischen Abschluss in der Tasche. „Ich hatte trotzdem die gleichen Probleme, wollte eigentlich nur Fuß fassen, glücklich werden“, erzählt sie. Ohne Kontakte und ein finanzielles Polster eine große Herausforderung. „Ich hatte Probleme mit der Anerkennung meines Abschlusses, bin zu Dutzenden Beratungsstellen gegangen.“ Heute ist die Pädagogin fest integriert, sie weiß aber aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, in einfühlsamer Weise aufgefangen zu werden. Auch sei ein starker Wille wichtig. „Erzwungene Motivation ist nicht langlebig.“

Auf dem Gebiet hat die Koordinierungsstelle Frau & Wirtschaft bereits 20 Jahre Erfahrung. Sie unterstützt generell Frauen beim beruflichen Wiedereinstieg. Geschäftsführerin Andrea Kowalewski: „Unsere Kunden sind zwischen 35 und 55 Jahre alt, die Frauen, die wegen ihrer Kinder zehn Jahre oder länger aus dem Job raus sind, tun sich schwer“. So sei der Job einer Bankkauffrau vor zehn Jahren noch ein ganz anderer gewesen als heute. „Der Arbeitsmarkt tickt schnell, da ist eine dauerhafte Anpassung gefordert.“ Noch schwerer sei es demzufolge für jene, die aus einer völlig anderen Kultur stammen.

▶ Wer Interesse hat, an dem Mentorenprogramm mitzuwirken, oder geflüchtete Frauen kennt, die Unterstützung benötigen, kann sich an Annette Mücke wenden. Kontakt: (04131) 303968 oder koordinierungsstelle.lueneburg@feffa.de.

Von Anna Paarmann