"Lena ist für mich wie eine Enkelin", sagt Gerda Wolff, 97. 2014 besuchte die frisch gebackene Seniorenbegleiterin Lena Greßmann (25) sie zum ersten Mal. Foto: t&w

Lüneburger Seniorenbegleiterprogramm: Wie Frau Wolff und Lena Freundschaft schlossen

Lüneburg. Vor drei Jahren begegneten sie sich zum ersten Mal: Gerda Wolff, 94, und Lena Greßmann, 22. Die beiden Frauen mochten sich auf Anhieb, Gerda Wolff gefiel die herzliche Ausstrahlung der jungen Frau, Lena Greßmann die Offenheit der alten Dame. Sie entschieden sich für ein Wiedersehen, bald trafen sie sich mehrmals pro Monat, gingen Eis essen oder Kaffee trinken, Lena Greßmann erzählte von ihrem Studium, Gerda Wolff aus mehr als neun Jahrzehnten Leben. Die Rentnerin und die Studentin wurden Freundinnen über Jahre – eine Erfolgsgeschichte des Lüneburger Seniorenbegleiter-Programms.

Seit 2009 bieten der Senioren- und Pflegestützpunkt (SPN) und die Volkshochschule Lüneburg gemeinsam mit Partnern kostenlose Qualifizierungskurse für Seniorenbegleiter an, mitmachen kann jeder, der Lust hat, mit älteren Menschen Zeit zu verbringen. Mehr als 130 Frauen und Männer haben sich bereits qualifizieren lassen, nun startet am Freitag, 7. April, der nächste Lehrgang. „Wir hoffen wieder auf viele nette Menschen“, sagt Nicola Wernecke vom SPN, „gesucht sind alle Altersgruppen vom Schüler bis zum Rentner.“

Viel über das "Altsein" gelernt

Auch Lena Greßmann hat sich 2013 für die Qualifizierung zur Seniorenbegleiterin entschieden, an vier Wochenenden viel über das Altsein, Grundlagen im Sozial- und Betreuungsrecht, über Altersmedizin und Demenz gelernt. „Das hat mir sehr geholfen“, erinnert sie sich, „vieles konnte ich danach besser verstehen.“ Was sie mit 22 dazu bewogen hat, überhaupt Seniorenbegleiterin zu werden? „Ich fand die Idee einfach so schön“, sagt die angehende Kulturwissenschaftlerin, „und ich hatte Lust, mich zu engagieren.“

Den Kontakt zu Gerda Wolff vermittelte schließlich Nicola Wernecke vom SPN, „Frau Wolff hatte gesagt, sie würde sich über Gesellschaft freuen“, erzählt sie, „und als ich Lena kennenlernte, dachte ich sofort: das passt.“ Die Seniorenberaterin behielt Recht. „Ich fühlte mich sofort wohl mit Frau Wolff“, sagt Lena Greßmann. Und die 97-Jährige ergänzt: „Lena ist für mich inzwischen beinahe wie eine Enkelin.“

"Es gibt nichts Spannenderes, als wenn Frau Wolff aus ihrem Leben erzählt"

Die beiden Frauen treffen sich mehrmals im Monat, telefonieren, machen bei gutem Wetter regelmäßig Ausflüge. „Lena fährt mich dann im Rollstuhl durch die Stadt, wir erzählen und ich kann mir die herrlichen Häusergiebel anschauen“, sagt Gerda Wolff, „das ist wunderbar.“ Lena Greßmann nutzt die gemeinsamen Stunden als Auszeit vom Uni-Alltag, sie genießt die Gespräche mit ihrer 72 Jahre älteren Freundin, „es gibt nichts Spannenderes, als wenn Frau Wolff aus ihrem Leben erzählt“. Die 97-Jährige hat den Krieg miterlebt, ist in Hamburg ausgebombt worden, ließ sich 1945 scheiden, floh 1962 vor der großen Sturmflut und schlug sich als Alleinerziehende durch. Ein Lebenslauf, der die 25 Jahre alte Studentin tief beeindruckt. „Und für den ich Frau Wolff sehr bewundere.“

Hinzu kommen viele Gemeinsamkeiten der Beiden: Lena Greßmann ist wie Gerda Wolff in Hamburg geboren und aufgewachsen, beide Frauen haben eine zeitlang in Kopenhagen gelebt, beide lieben frische Blumen, essen gerne Eis. „Nur kein Nusseis“, sagt Lena Greßmann, „gegen Nüsse ist Frau Wolff allergisch.“ Auch nach mehr als drei Jahren siezt sie die alte Dame noch, keine Sache mangelnder Nähe, eher eine Geste des Respekts. Gerda Wolff hingegen duzt sie – zumindest meistens.

Frau Wolff und Lena – für Nicola Wernecke sind sie das schönste Beispiel dafür, was aus einem Einsatz als Seniorenbegleiter alles werden kann. „Natürlich ist das nicht selbstverständlich“, sagt sie, „aber manchmal passt es einfach und aus einer Begegnung entstehen wunderbare Kontakte.“

Von Anna Sprockhoff

Der Weg zum Seniorenbegleiter

Der kostenlose Qualifizierungskurs zum Seniorenbegleiter beginnt am Freitag, 7. April, in der VHS Lüneburg (Haagestraße 4) und umfasst insgesamt 50 Stunden Theorie an vier Wochenenden (jeweils freitags, 16.30 bis 20.30 Uhr und sonnabends, 9.30 bis 16.30 Uhr).

Alle Teilnehmer absolvieren zusätzlich ein betreutes 20-stündiges Praktikum in einer Altenhilfe-Einrichtung. Zum Abschluss gibt es ein Zertifikat.

Die kostenlose Teilnahme an dem Angebot ist an eine spätere ehrenamtliche Tätigkeit als Seniorenbegleiter im SPN gebunden. Ermöglicht werden die Kurse vom Niedersächsischen Sozial-Ministerium, koordiniert von der Freiwilligenakademie Niedersachsen, weitere Partner sind der Bildungsträger IWK und die VHS REGION Lüneburg.

Infos und Anmeldung bei Nicola Wernecke vom Senioren- und Pflegestützpunkt (SPN), (041 31)309-33 70 oder nicola.wernecke@stadt.lueneburg.de