Sonntag , 27. September 2020
Angetreten zum Rückkehrapell af dem Lüneburger Marktplatz. Soldaten des Aufklärungsbataillons 3 traten am Donnerstag vor dem Rathaus an. Foto: t&w

Aus Auslandseinsätzen zurück: Lüneburg begrüßt Aufklärer

Lüneburg. Die Straßen rund um den Marktplatz in Lüneburg sind gesperrt, Soldaten marschieren auf, das Heeresmusikkorps aus Hannover spielt – mit einem „Rückkehrerappell“ meldete sich gestern das Aufklärungslehrbataillon 3 „Lüneburg“ offiziell von Auslandseinsätzen in der Salz- und Garnisonsstadt zurück. Rund 600 Bürger standen laut Polizei an den Absperrungen.

Deutlich weniger als gedacht, die Veranstalter hatten mit 1500 Besuchern gerechnet. Angehörige der Soldaten, Freunde und Bekannte bereiteten den Aufklärern einen würdigen Empfang. Doch es gab auch Protest. Gut 100 Demonstranten skandierten Parolen und pfiffen.

Protestanten seilen sich an Hauswand ab

Spektakulär: Zwei Bundeswehrgegner hatten sich an der Karstadt-Fassade abgeseilt und ein Transparent entrollt, unterstützt wurden sie von zwei Begleitern. Polizeieinsatzleiter Roland Brauer hatte damit gerechnet und neben zwei Hundertschaften auch ein Spezialkommando vor Ort: Höhenretter holten die Kletterer zurück. Das Quartett war über Nebengebäude auf das Dach gelangt.

204 Soldaten des Bataillons dienten im Auftrag des Bundestages und im Rahmen von Missionen der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der NATO von Anfang 2016 bis Februar 2017 im Auslandseinsatz.

„Und alle Soldaten“, freute sich Bataillonskommandeur Michael Hoppstädter, „sind unverletzt und gesund aus diesen Einsätzen zurückgekehrt.“ An die Adresse der Demonstranten gewandt aber sagte der Oberstleutant: „Anstatt dass Sie sinnlos in Ihre Trillerpfeifen blasen und unsere Veranstaltung stören, hätte ich mich über ein gemeinsames Gespräch mit ihnen gefreut.“

Begrüßungsappell am Lüneburger Rathaus

 

Von Klaus Reschke und Carlo Eggeling

Statement des Oberbürgermeisters zum Protest:

„Wenn Linke während der Andacht an die Toten pfeifen und johlen, habe ich dafür kein Verständnis. Auch wenn einem die Wertvorstellungen der anderen nicht passen, darf es nicht zu derart menschenverachtenden Aktionen kommen. Das ist taktlos und unanständig. Ich frage mich, wo das Mitgefühl dieser Leute bleibt? Schließlich geht es hier um Menschen.

Nicht nur ihnen, sondern auch den Trauernden in Familie und Freundeskreis gebührt der notwendige Respekt, auch wenn sie eine andere Meinung haben. Offensichtlich aber ist die Linke fast 30 Jahre nach dem Mauerfall in Deutschland noch nicht in der Demokratie angekommen.

Ich fordere insbesondere Herrn Pauly auf, hier auf seine Leute einzuwirken. Das erwarte ich insbesondere von ihm als Bundestagskandidat und als Vorsitzender einer Fraktion im Rat der Hansestadt Lüneburg.“

Einsätze weltweit

Insgesamt 204 Soldaten des Aufklärungslehrbataillons 3 waren im vergangenen Jahr im Auslandseinsatz, beteiligt an sechs Missionen auf drei Kontinenten: Soldaten des Verbandes leisteten Dienst in der Ausbildungsmission der Bundeswehr für die Pershmerga im Nordirak, der Mission Resolute Support in Afghanistan, der European Training Mission in Mali, der NATO-Mission KFOR im Kosovo sowie der UN-Mission in Somalia.

Lüneburgs Aufklärer sind spezialisiert auf die bodengebundene Spähaufklärung, auf die Gefechtsfeldradaraufklärung, auf Aufklärung mit Drohnen und auf den Einsatz mit Feldnachrichtenkräften.

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