Grausiger Fund in Barnstedt: Familie Schröder hat zwei ihrer Heidschnucken tot aufgefunden. Foto: t&w

Barnstedt: Schock über tote Heidschnucken

Barnstedt. Die rund 40-jährige Familientradition, Heidschnucken auf dem Hof zu halten, fand jetzt ein plötzliches und blutiges Ende: zwei von drei Heidschnucken des Hobby-Schafhalters Axel Schröder in Barnstedt wurden in der Nacht zu Sonntag, rund 120 Meter vom Wohnhaus der Familie entfernt, von einem unbekannten Tier getötet. Einen Verdacht hat Schröder und alarmierte den ehrenamtlichen Wolfsberater Michael Flügge-Munstermann aus Barskamp.

Hat ein Wolf die Heidschnucken gerissen?

Bestätigen will Flügge-Munstermann nicht, ob es ein Wolf war, dafür muss, wie bei anderen Nutztierrissen üblich, zunächst die DNA-Untersuchung abgewartet werden. Doch die Biss-Spuren nähren den Verdacht, dass ein Wolf die Schafe am Ortsrand gerissen hat.

Landwirt Schröder sagt: „Mein Vater hat damals, nachdem wir auf dem Hof keine Schweine und Kühe mehr hatten, damit angefangen, ein paar Heidschnucken zu halten. Für die Kinder. Und das haben wir mit Freude beibehalten.“ Auch seine insgesamt drei Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren hätten mittlerweile eine Beziehung zu den drei rund fünfjährigen Heidschnucken aufgebaut, die im Familiensprachgebrauch „Lämmis“ hießen.

Als Axel Schröder am Sonntagmorgen aus dem Fenster schaute, „hatte ich schon ein merkwürdiges Gefühl, als ich sah, dass die Schafe nicht wie üblich am Trog standen und darauf warteten, ihr Kraftfutter zu bekommen“. Schröder weiter: „Ich konnte nur ein Schaf sehen und hatte eine böse Ahnung.“

„Dass er auf einmal ins Dorf kommen könnte, damit habe ich nicht gerechnet.“
Axel Schröder, Hobby-Schafhalter

Einer der Kadaver lag auf der Weide mit den Beinen nach oben. Der Anblick war für die Familie ein Schock. Wolfsberater Flügge-Munstermann sagte nach der Besichtigung auf LZ-Nachfrage: „Bei den zwei toten Heidschnucken weist eine den für einen Wolf typischen Kehlbiss auf, und die Schulter war weggefressen. Beim zweiten Schaf waren mehrere Biss-Stellen zu sehen. Das ist einfach so getötet worden, ohne es zu verwerten, wahrscheinlich als Reserve für später.“ Ob es tatsächlich ein Wolf war, werde eine DNA-Analyse in einigen Wochen ergeben.

Mit einer Entschädigung für die getöteten Schafe rechnet Schröder indes nicht. Der Zaun seiner rund zwei Hektar großen Weide ist nicht wolfssicher. Zwar seien Wölfe in der Nähe schon häufiger gesichtet worden, aber „dass er auf einmal ins Dorf kommen könnte, damit habe ich nicht gerechnet“. Die überlebende Schnucke hat jetzt Asyl im Stall einer Nachbarin gefunden.

Von Dennis Thomas

Naturschutzbund bietet ehrenamtliche Hilfe an

Der Nabu Niedersachsen startet, unter Einbeziehung des Ehrenamtes, ein Herdenschutzprojekt in Niedersachsen. Mittels dieses Projektes sollen in den kommenden drei Jahren Partner für die Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen zur Sicherung extensiver Weidetierhaltung vor dem Wolf gefunden werden.

Nabu-Projektleiter Peter Schütte sagt zum Projekt „Herdenschutz in Niedersachsen“: „Im Vordergrund steht die Ausbildung Ehrenamtlicher in der Fläche Niedersachsens, um in verschiedenen Einsatzgebieten praktische und schnelle Hilfe für Weidetierhalter leisten zu können und zur Erkenntnisgewinnung in der Interaktion Wolf/Nutztier/Mensch in dichtbesiedelten Regionen beizutragen.“

Das Projekt wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gefördert. Weitere Infos unter www.herdenschutz-niedersachsen.de.