Anfang März hat Sarah Reinecke ihre Mutter durch einen Herzinfarkt verloren, muss sich nun neben dem eigenen Sohn auch um ihre Schwester (13) kümmern. Hilfe erhält sie auch vom Guten Nachbarn. Foto: t&w

Herzinfarkt: Wenn die Mama plötzlich stirbt

Lüneburg. Es ist Mittwoch, der 8. März, als im Leben von Sarah Reinecke das Schicksal zuschlägt. Die 22-Jährige ist wie jeden Morgen um 7 Uh r aufgestanden und ins Bad gegangen, sie hat Frühstück gemacht, ihren fünf Jahre alten Sohn geweckt, angezogen und um kurz nach halb mit ihm das Haus verlassen.

Dann hat sie ihn in den Kindergarten gebracht und ist zur Arbeit ins Sanitätshaus gefahren. Alles lief wie immer, bis um kurz nach halb zwei ihr Handy klingelt – am anderen Ende ihre 13 Jahre alte Schwester Rebecca.

Herzinfarkt verändert alles

Sie klingt nervös, erzählt, dass sie vor der verschlossenen Wohnungstür stehen, die Mutter nicht aufmachen und drinnen der Hund bellen würde. Sarah Reinecke bricht sofort auf, sie ahnt, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte. Zwei Stunden später überbringt ein Sanitäter ihr die Nachricht: „Wir haben Ihre Mutter tot in der Wohnung aufgefunden.“

Seit diesem Tag ist die 22-Jährige Halbwaise – und nicht mehr nur verantwortlich für ihren fünf Jahre alten Sohn, sondern auch für ihre kleine Schwester und den Familienhund. Der Vater lebt schon seit Jahren von der Familie getrennt, „er hat mir das Sorgerecht für Rebecca inzwischen überschrieben“, sagt sie.

HerzinfarktIrgendwie versucht Sarah Reinecke nun, mit der neuen Verantwortung klarzukommen, doch vor allem finanziell ist die angehende Einzelhandelskauffrau mit der Situation überfordert. Ein Erbe gibt es nicht, ebenso wenig Erspartes, nur ihr Auszubildenden-Gehalt, Kindergeld und ein wenig Unterstützung vom Amt.

Der Gute Nachbar, die Hilfsaktion von Wohlfahrtsverbänden und Landeszeitung, ist bereits mit einer Soforthilfe von 150 Euro eingesprungen. „Das war eine riesige Hilfe“, sagt die 22-Jährige, „doch reichen wird es nicht.“

Sarah ist auf Hilfe angewiesen

Allein 1500 Euro wird Sarah Reinecke für die Obduktion ihrer Mutter zahlen müssen. „Sie war erst 55, und niemand konnte uns sagen, woran sie so plötzlich gestorben ist“, sagt die Lüneburgerin, „da musste ich doch handeln, auch für meine kleine Schwester.“ Die 13-Jährige hatte morgens noch Späße mit der Mutter gemacht, ihr fröhlich ein „Tschüß“ zugerufen.

Inzwischen hat der Pathologe aus Hamburg herausgefunden, dass die 55-Jährige an einem Herzinfarkt gestorben ist. „Jetzt haben wir Gewissheit und können Mama beerdigen lassen“, sagt Sarah Reinecke. Doch auch dafür wird die Alleinerziehende einen Teil der Kosten übernehmen müssen.

Wo sie konnte, hat die 22-Jährige inzwischen um Hilfe gebeten. Seit dem Tod ihrer Mutter war sie fast täglich bei Behörden, hat Anträge ausgefüllt, Papiere unterschrieben, stundenlange Gespräche geführt und das Jugendamt nach Hause eingeladen, „die müssen doch gucken, dass es Rebecca auch gut geht“. Im Zimmer ihres Sohnes hat sie der Schwester einen Schlafplatz eingerichtet, eine Notlösung. Sie hofft, so bald wie möglich eine Vier-Zimmer-Wohnung zu finden, „damit wir alle unseren Rückzugsort haben“.

Was bringt die Zukunft?

Wie es nun wird, ihr Leben ohne Mutter? Noch hatte Sarah Reinecke keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Noch steht der Schock der Trauer im Weg. Und noch weiß sie nicht, wer in Zukunft die Betreuung ihres Sohnes übernehmen soll.

Seit sie mit 17 Mutter geworden ist, hat ihre Mutter sich gekümmert. „Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich trotz Kind meine Schule fertig und eine Ausbildung machen konnte.“ Immer sei ihre „Mama“ für die Familie da gewesen. „Jetzt muss ich stark sein“, sagt sie. „Und ich hoffe, dass ich dabei irgendwie Hilfe bekomme.“

Von Anna Sprockhoff