Freitag , 25. September 2020
20 Kinder wohnen in der Blumenstraße in Neu Hagen, sie spielen täglich auf der Straße. Dort ist die Verkehrssituation unübersichtlich, die Fahrbahn ist schmal, es gibt keine Bürgersteige. Foto: t&w

Neu Hagen: Besorgte Eltern fordern Spielstraße

Lüneburg . Der Stadtteil Neu Hagen hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt, immer mehr junge Familien ziehen dort hin. In der Blumenstraße ist diese Entwick lung besonders zu spüren, 20 Kinder toben dort täglich auf der Straße. Weil es keine Bürgersteige gibt, eine Seite stets beparkt ist und Tempo 30 gilt, wünschen sich die Familien, dass die schmale Anliegerstraße zur Spielstraße wird, dort also nur noch Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf. Die Stadt zeigt sich gesprächsbereit, nennt auch weitere Optionen, doch mit einer schnellen Lösung ist nicht zu rechnen.

Anwohner wollen sinsibilisieren

Marco Smith wohnt mit seiner Frau und seinen drei Kindern an der Straße. Vor etwa vier Jahren, als die Familie hergezogen ist, lebten gerade mal fünf Kinder in der Nachbarschaft, erzählt er. „In den letzten zwei, drei Jahren sind es immer mehr geworden, darauf möchten wir aufmerksam machen.“ Auch Neu Hagen sei neben dem prestigeträchtigen Hanseviertel, in das zurzeit viel Geld investiert werde, ein attraktives Wohnumfeld – „stadtnah und bezahlbar“. Neben Familien würden auch immer mehr Studenten in die Nachbarschaft ziehen, sagt Smith. „Hier passiert also was.“

„Wenn ein Ball auf die Straße rollt, läuft jedes Kind hinterher, das ist der normale Spieltrieb.“
Marco Smith, Anwohner und Vater

Aber im Gegensatz zu vielen umliegenden Straßen – die Gellersstraße, Peter-Schulz-Straße, Georg-Böhm-Straße und der Hans-Steffens-Weg sind Einbahnstraßen, die Lossiusstraße und Fliederstraße Sackgassen und die Marcus-Heinemann-Straße ist gepflastert –, ist die Blumenstraße von beiden Seiten aus befahrbar und verfügt eben über keinen Bürgersteig, auf den die spielenden Kinder ausweichen könnten. Und um sich gegenseitig zu besuchen, zum Spielplatz oder morgens zur Schule zu gelangen, müssen sie zwangsläufig die Straße überqueren. Allein darf keines der Kinder vor die Tür, um mit Kreide zu malen, Roller oder Fahrrad zu fahren. Smith: „Das ist hier einfach zu unübersichtlich.“ Über die Verkehrssituation seien zwar alle kleinen Anwohner aufgeklärt, „wenn aber ein Ball auf die Straße rollt, läuft jedes Kind hinterher, das ist der normale Spieltrieb“.

Straße birgt Sicherheitsrisiko

Zurzeit müssen sich Fußgänger, Radfahrer, geparkte und fahrende Autos eine „ebenengleiche und unmarkierte Fläche“ teilen, die ist nur 4,70 Meter breit. Abzüglich der abgestellten Autos, die stets eine komplette Seite blockieren, bleiben noch 2,70 Meter, rechnet Marco Smith vor. Dass Autos in dieser unübersichtlichen Verkehrssituation auch noch 30 km/h fahren dürften, sei ein großes Sicherheitsrisiko.

Der Lüneburger hat die Prob­lematik Markus Moßmann, dem Verkehrsdezernenten der Stadt, geschildert. Denn trotz der Anlieger-Einschränkung werde die Blumenstraße oft auch von ortsfremden Fahrern genutzt, um die Ampel an der Kreuzung Dahlenburger Landstraße/Theodor-Heuss-Straße zu umgehen. „Als die Wandrahmbrücke gesperrt war, haben wir das sogar hier oben gespürt.“

Die Stadt prüft Optionen

Von der Stadt heißt es auf LZ-Nachfrage, dass zurzeit mehrere Optionen für die Straße geprüft würden. Sollte man dem Wunsch der Anwohner folgen und eine Spielstraße einrichten, müsste dieser Schritt vom Rat beschlossen werden, sagt Pressesprecherin Suzanne Moenck. Dann müssten auch Stellplätze fest ausgewiesen werden, „und wir müssen schauen, ob die Breite der Straße dafür überhaupt ausreicht“.

Zweite Option sei eine Einbahnstraßenregelung mit einem einseitigen Bürgersteig, Option drei würde eine bauliche Verbreiterung bedeuten. „Dann kommen aber Kosten auf die Anwohner zu“, sagt Suzanne Moenck, die alle drei Varianten für denkbar hält.

Sie weist auch darauf hin, dass die Prüfung „leider nicht so schnell geht“. Die Verwaltung müsse eine Gesamtbetrachtung vornehmen, da eine Änderung der Verkehrssituation in der Blumenstraße Konsequenzen für die umliegenden Bereiche zur Folge haben könnte. Zudem müsste ermittelt werden, wie viele Fahrzeuge dort tatsächlich fahren, wie viele Parkplätze es gibt, wie die Verkehrsbewegung und eine mögliche Verdrängung aussieht. „Die Zahlen müssen wir erst noch erheben.“

Von Anna Paarmann