Der Bahnhaltepunkt Wendisch Evern steht vor dem Aus: Aus Sicht der Samtgemeinde Ostheide können die Wendisch Everner eher auf eine Haltestelle verzichten als die Einwohner in Vastorf und Bavendorf. Foto: t&w

Wendisch Evern: Bahn-Haltestelle geht vom Netz

Wendisch Evern. Der Bahnhaltepunkt in Wendisch Evern soll geopfert werden zugunsten einer schnelleren Zugverbindung auf der Strecke Lüneburg– Dannenberg. Eine entsprechende Stellungnahme wird jetzt die Samtgemeinde Ostheide gegenüber dem Landkreis Lüneburg abgeben. Diese Entscheidung traf der Samtgemeindeausschuss in nichtöffentlicher Sitzung am späten Montagnachmittag. „Wir haben es uns mit dieser Empfehlung wirklich nicht leicht gemacht“, sagte gestern auf LZ-Anfrage Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer (SPD).

Für Wendisch Everns Bürgermeister Clemens Leder (CDU) freilich kommt dieses Bedauern zu spät: „Diese Entscheidung wurde gegen den Willen der Gemeinde Wendisch Evern getroffen“, sagt Leder und erhält Rückendeckung von Volker Behr: „Ich halte das für einen Fehler“, sagt auch Wendisch Everns Gemeindedirektor: „Mit dieser Entscheidung soll der Bahnhaltepunkt in Bavendorf gerettet werden, aber über kurz oder lang steht zu befürchten, dass auch dieser aus wirtschaftlichen Gründen zur Disposition stehen wird.“

Taktung der Züge soll verdichtet werden

Hintergrund des Streites um den Erhalt der Bahnhaltepunkte ist der Wunsch der Niedersächsischen Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), die Taktzeiten der Züge von derzeit drei auf künftig zwei Stunden zu verdichten, um die Strecke attraktiver zu machen. Das freilich funktioniert nur, wenn die Züge künftig mit Tempo 80 statt wie bisher 60 auf der Strecke verkehren können. Erreichen will die LNVG dies durch die Schließung von drei Haltepunkten an der Strecke. Denn dadurch müssen die Züge weniger bremsen. Welche Haltepunkte entbehrlich sind, sollen die Kommunen selbst entscheiden (LZ berichtete). Wenn es nach den Plänen des Bahnbetreibers erixx, einer OHE-Tochter geht, wird auch der Bahnhof Leitstade in der Samtgemeinde Elbtalaue bald Geschichte sein. Sehr zum Ärger der dort wohnenden Bürger.

Einige Kilometer weiter – in der Samtgemeinde Dahlenburg – steht womöglich der Bahnhaltepunkt Neetzendorf zur Disposition. Endgültig entscheiden wird darüber der Samtgemeinderat Dahlenburg in seiner Sitzung am Donnerstag, 30. März, ab 19 Uhr in Pommoissel.

Bavendorf sticht Wendisch Evern aus

In der Samtgemeinde Ostheide dagegen ist die Entscheidung gefallen – zugunsten Bavendorfs, gegen Wendisch Evern. Gesprochen worden war auch über den Haltepunkt in Vastorf – „aber der steht überhaupt nicht zur Diskussion. Auch für uns in Wendisch Evern nicht,“ sagt Leder.

Im Vergleich zu Bavendorf allerdings hatten sich die Wendisch Everner bessere Chancen ausgerechnet. Erstens, weil im Umkreis des Bahnhofs mehr Menschen wohnen als in Bavendorf, und zweitens, weil der Haltepunkt Wendisch Evern mehr frequentiert wird. Dass die Entscheidung trotzdem zu Ungunsten Wendisch Everns ausgefallen ist, kann Clemens Leder daher nicht nachvollziehen.

Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer aber sagt: Im Vergleich zu Bavendorf habe Wendisch Evern eine deutlich bessere Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr: „Wendisch Evern wird von zwei Buslinien mit täglich 30 Bussen angefahren, Bavendorf dagegen hat nur eine Schnellbuslinie. Und das auch nur zur Schulzeit“, gibt der Rathauschef zu bedenken. All das seien Gründe gewesen, warum man sich schweren Herzens für Bavendorf und gegen Wendisch Evern ausgesprochen habe.

Von Klaus Reschke