Freitag , 25. September 2020
Der neu gewählte Vorsitzende Christian Voigt (l.) und sein ebenfalls neu gewählter Stellvertreter Gerhard Zander stehen den rund 1100 Mitgliedern der Jägerschaft im Kreis Lüneburg vor. Foto: kre

Kreisjägerschaft wählt neuen Vorsitz – Wolf bleibt ein Reizthema

Bardowick. Nein, er scheide nicht im Bösen, sagte Torsten Broder. Er werde auch nicht auf Angriffsmodus schalten, versicherte der scheidende Vorsitzende der Lüneburger Kreisjägerschaft. Aber wenn man es nicht mehr schaffe, miteinander, sondern nur noch übereinander zu reden, sei es an der Zeit, das Mandat niederzulegen. Diesen Schritt hat der 64-Jährige jetzt vollzogen – mit einem für ihn versöhnlichen Abschluss. Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) zeichnete Broder für die geleistete Arbeit der zurückliegenden Jahren mit der Silbermünze des Landkreises aus.

Allerdings hatte es schon lange in der Führungsspitze der Lüneburger Kreisjägerschaft gebrodelt, personelle Querelen waren im Vorstand schon lange nicht mehr zu übersehen (LZ berichtete). Jetzt ist Broders Rücktritt das Signal für einen Neuanfang. Und den soll der Lüneburger Christian Voigt maßgeblich gestalten: Der 64-Jährige wurde jetzt während der Hauptversammlung der Jägerschaft einstimmig zum Nachfolger Broders gewählt. Uneingeschränktes Vertrauen sprach die Versammlung auch dem neuen stellvertretenden Vorsitzenden Gerhard Zander aus, der ebenfalls ohne Gegenstimme in dieses Amt gewählt wurde.

„Das Wolfsbüro gehört direkt in unsere Region und nicht in die Hauptstadt, wo Wölfe lediglich im Zoo zu finden sind.“
Manfred Nahrstedt, Landrat

Dass auf die Lüneburger Jägerschaft viel Arbeit wartet, das wissen nicht nur die beiden neu gewählten Vorsitzenden. Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt sprach in seinem Grußwort ein ganz besonderes Reizthema an – die Rückkehr des Wolfes: „Es geht hier nicht um Panikmache“, betonte der Kreischef, aber es sei an der Zeit, dass etwas unternommen werde. „Sichtungen von Wölfen, die vor den Menschen nicht mehr weglaufen, nehmen ebenso zu wie die Anzahl der Wolfsrisse von Nutztieren“, gab Nahrstedt zu bedenken. Beides mache deutlich, dass Handlungsbedarf bestehe. Er habe sich deshalb im Januar schriftlich an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sowie an den grünen Umweltminister Stefan Wenzel gewandt, mit der nachdrücklichen Bitte, das Wolfsbüro, oder Teile davon, in der Region „bei uns vor Ort“ anzusiedeln. „Das Wolfsbüro mit den hauptamtlichen Wolfsberatern gehört direkt in unsere Region, nicht in die Landeshauptstadt, wo Wölfe lediglich im Zoo zu finden sind“, befand Nahrstedt.

„Ein schnelles Handeln“ in Sachen Wolf forderte auch der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols, der vor allem Niedersachsens Umweltminster Wenzel zögerliches Handeln vorwirft: „Statt offen und ehrlich darüber zu diskutieren, ob der Wolf wirklich noch einen Platz hier bei uns hat, wurden anfangs Wolfsrisse noch als unwahrscheinlich abgetan, stattdessen aus Hannover lediglich Schutzmaßnahmen zum Umgang mit dem Wolf präsentiert.“

Schröder-Ehlers: Über Regulierung der Wolfspopulation müsse nachgedacht werden

Dass Niedersachsen „Wolfsland“ und die Lüneburge Heide wieder „Wolfsregion“ geworden sind, davon ist auch die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers überzeugt. In spätestens zwei bis drei Jahren sei die Wolfspopulation so stabil, dass man über eine Regulierung nachdenken müsse, ist die Sozialdemokratin überzeugt.

Einig waren sich die drei Gastredner auch, dass die Waidmänner nicht nur Jäger, sondern auch Heger sind. „Jäger und Landkreis verfolgen das gleiche Ziel“, erinnerte Nahrstedt, „den Schutz und den Erhalt unserer einzigartigen Natur- und Kulturlandschaft sowie ihrer viefältigen Tierwelt.“

Deutlich werde diese gute Zusammenarbeit zwischen Jägern und Kreis bei der Bejagung der Nutrias, die vielerorts entlang der Elbe zu einer ernsthaften Plage geworden seien. Nutrias graben sich in die Deiche und Uferböschungen an der Elbe und ihren Nebenflüssen. Im schlimmsten Fall könnten die unterhöhlten Deiche bei Hochwasser brechen. Doch nicht nur Nutrias stören das Gleichgewicht der heimischen Natur. Gleiches gelte auch für Marderhund und Waschbär, deren Vorkommen ebenfalls zugenommen habe.

Von Klaus Reschke