Arnhild Zorr-Werner und Bernd Werner freuen sich über die plötzliche Vermehrung des Vermögens ihrer Stiftung Medien- und Onlinesucht. Foto: t&w

Aktien helfen gegen Mediensucht

Lüneburg. Dass mit neuen Medien viel Geld verdient werden kann, beweist das US-amerikanische Unternehmen Apple ein ums andere Jahr. Doch was des e inen Freud, ist bisweilen des anderen Leid: Nicht selten geraten insbesondere Jugendliche in eine gefährliche Abhängigkeit von Smartphones, Tablets und Co. Nun sorgt ausgerechnet Apple dafür, dass dieser gefährdeten Gruppe Hilfe zuteil wird, wenn auch indirekt. Nutznießer ist unter anderem die Stiftung Medien- und Onlinesucht in Lüneburg.

Apple-Aktien verkauft

„Unser Stiftungskapital ist erfreulicherweise kräftig gestiegen, und zwar um 700 000 Euro auf 823 000 Euro“, sagt Bernd Werner, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Lüneburger Stiftung. Grund für den beeindruckenden Anstieg sind Verkäufe von Apple-Aktien, allerdings nicht aus dem Besitz der Stiftung, sondern eines Ehepaars. Das hatte vor Jahren Aktien des Unternehmens erworben und, nachdem diese ungeahnte Höhen erklommen hatten, mit kräftigem Gewinn verkauft. 700 000 Euro als Teil des Erlöses sollte der in Hannover ansässigen Einrichtung „return“ in Form einer Treuhandstiftung zufließen, die ähnlich der Lüneburger Stiftung Computer-abhängige Jugendliche berät. Aus den Erlösen des Stiftungsvermögens sollte die Arbeit der Einrichtung finanziert werden.

Auslöser für das Engagement des Ehepaars ist der Umstand, dass dessen 20-jähriger Sohn selbst erheblich mit Medien-Prob­lemen zu kämpfen habe, wie Bernd Werner erklärt. Über „return“ habe man Hilfe gefunden. „Deshalb möchte das Ehepaar auch anonym bleiben.“ Weil die Einrichtung aus rechtlichen Gründen aber selbst nicht Träger einer Treuhandstiftung sein darf, sind die Lüneburger ins Spiel gekommen.

Investition in Immobilien

„Wir verwalten das Stiftungsvermögen, die Erlöse daraus fließen etwa im Verhältnis eins zu sechs uns beziehungsweise ‚return‘ zu“, sagt Werner. Finanziert werden sollen in Lüneburg damit vor allem die laufenden Kosten der Stiftung, da laut Werner Spenden in der Regel an Projekte vergeben würden. Hinzu komme, dass Fördermittel aus nationalen und EU-Töpfen stets zu 20 Prozent an den Einsatz von Eigenmitteln gebunden seien. „Deshalb brauchen wir auch Einnahmen, die nicht projektgebunden sind.“ Werner ist deshalb froh, künftig über regelmäßige Einnahmen verfügen zu können, „denn das gibt uns Planungssicherheit“.

Damit beide Einrichtungen möglichst zeitnah auf sprudelnde Erlöse zugreifen können, soll das Stiftungsvermögen schon bald gewinnbringend angelegt werden, gedacht werde zum Beispiel an den Erwerb von Immobilien. „Die Mieten stünden nach Abzug aller Kosten dann für Hannover und uns zur Verfügung.“

Von Ulf Stüwe