Freitag , 18. September 2020
Während sich die Mütter eine Stunde Auszeit gönnen, können die Helfer dem Nachwuchs beispielsweise etwas vorlesen. Foto: A/t&w

Projekt Wellcome verspricht Eltern Entlastung

Lüneburg. Manche Mutter und mancher Vater von kleinen Kindern hätte gern mal etwas Zeit für sich. Einfach mal eine Stunde, um etwas Atem zu holen oder mal einen Termin allein wahrnehmen zu können. Seit zehn Jahren läuft in Stadt und Landkreis Lüneburg das Modell „Wellcome“ (siehe Kasten) für Eltern von Babys bis zu einem Jahr.

Darauf aufbauend startet die Evangelische Familien-Bildungsstätte nun das Pilotprojekt „Zeit für Kinder“, das sich an Familien richtet, in denen das jüngste Kind im Kita-Alter ist – also zwischen drei und sechs Jahre alt. Finanziert wird es durch das niedersächsische Landesförderprogramm „Familien der Zukunft“, Unterstützung gibt es auch vom Familienbüro.

„Zeit für Kinder“ steckt noch in der Anfangsphase, zwei Familien haben sich bereits beworben, weitere Familien und ehrenamtliche Helferinnen, aber auch Helfer werden gesucht. Frauke Hahnemann von der Bildungsstätte ist Projekt-Koordinatorin, sie stellt klar: „Hier geht es nicht um Tätigkeiten einer Haushaltshilfe, sondern lediglich um die Kinderbetreuung.“ Sie nennt Beispiele: „Die Ehrenamtlichen lesen den Kindern vor, gehen mit ihnen spazieren, machen mit ihnen einen Stadtbummel.

Oder sie kümmern sich auch um die älteren Geschwister, machen mit ihnen Hausaufgaben.“ Derweil können Mutter oder Vater kurze Einkäufe, Arzttermine oder Behördengänge erledigen. Die Besuche der Helfer dauern in der Regel eine Stunde.

Die Familien zahlen eine einmalige Startgebühr von 10 Euro sowie 5 Euro pro Stunde, Ermäßigungen sind möglich. „Die Ehrenamtlichen brauchen keine beruflichen Voraussetzungen“, sagt Frauke Hahnemann: „Sie müssen ihre Zeit sinnvoll einsetzen wollen, Freude am Umgang mit kleinen Kindern haben und sich mit den Familien verstehen.“ Erstattet werden ihnen die Fahrtkosten, über das Projekt sind sie versichert. Betreut werden die Helfer von Frauke Hahnemann: „Es gibt regelmäßige Treffen, Fortbildungs- und Austauschmöglichkeiten, mit den Familien halte ich telefonisch Kontakt.“

Die Chemie zwischen den Helfern, Kindern und der ganzen Familie muss stimmen – das ist wesentliche Voraussetzung für das Gelingen. Die Betreuung kann über mehrere Monate laufen, Frauke Hahnemann sagt aber: „Das entscheiden wir im Einzelfall. Die Ehrenamtlichen schauen in kurzen Abschnitten, ob weitere Hilfe nötig ist.“ Das unterscheidet das Projekt „Zeit für Kinder“ laut Fabs-Leiter Matthias Skorning vom Caritas-Projekt „Wunschpaten“: „Das soll Kontakte zwischen den Generationen schaffen und längerfristige Beziehungen ermöglichen.“

Interessierte Familien und Helfer können sich an Frauke Hahnemann unter (04131)44211 wenden.

Von Rainer Schubert

Das ist „Wellcome“

Das Projekt „Wellcome – Praktische Hilfen nach der Geburt“ unterstützt junge Familien direkt nach der Geburt eins Kindes bis zu einem Jahr und hilft, den Baby-Stress zu bewältigen. „Wellcome“ steht für Wellness und Ankommen und ist ein vom Evangelisch-lutherischen Kirchenkreis über die Familien-Bildungsstätte und vom Diakonieverband über MaDonna getragene Hilfe.

Die Finanzierung erfolgt seit 2007 über Zuschüsse von Land, Stadt und Kreis. Ziel ist es, junge Familien zu entlasten und sie vor Überforderung zu schützen. In den vergangenen zehn Jahren wurden 200 Familien von 200 Ehrenamtlichen betreut. Aktuell sind es zwölf Familien und zwölf Ehrenamtliche.

Kontakt unter (04131) 44211 für das Stadtgebiet und unter (04131) 35535 für den Kreis.