In der Straße Kunkelberg am Schulzentrum Oedeme sind täglich Schüler mit ihren Fahrrädern unterwegs,. Dort gilt nun Tempo 30, die Vorfahrtsregelungen werden aber beibehalten. (Foto: be)

Die vergessenen Schilder: Tempo 30 mit Verspätung

Lüneburg. Abstand halten, nicht wegrennen, nicht füttern. Wolfsberaterin Jana Sprenger hatte wichtige Verhaltenstipps für die Oedemer im Gepäck, d ie zur Ortsratssitzung ins Schulzen­trum gekommen waren. Ortsbürgermeisterin Christel John hatte die Expertin eingeladen, nachdem vor wenigen Monaten ein Wolf in der Ortsmitte gesichtet worden war. Weitere Themen der Sitzung waren eine neue Tempo-30-Zone und ein Blindgängerverdachtspunkt im Bereich des Hasenburger Bachs.

Die Stadt informierte über die kürzlich eingerichtete Tempo-30-Zone am Kunkelberg als Folge einer Änderung der Straßenverkehrsordnung im Jahr 2001. Bislang habe man es leider versäumt, entsprechende Schilder aufzustellen, erklärte Verkehrsdezernent Markus Moßmann. „Nach erfolgter Feststellung der Nichtumsetzung“, wie es in wunderschönem Amtsdeutsch in der Vorlage heißt, sei dies aber inzwischen nachgeholt worden.

Grüne wollen Tempo 30

Zugleich sei man der Bitte der Ortsbürgermeisterin nachgekommen, die Straße weiterhin als Vorfahrtsstraße zu führen. Dadurch könnten radfahrende Schüler ungehindert die Straße nutzen, ohne auf Vorfahrtsberechtigungen achten zu müssen. Susanne Neuhaus (Grüne) empfahl, die Straße selbst mit Tempo-30-Hinweisen zu beschriften. „Und wir werden uns weiter dafür stark machen, den gesamten Ort zur Tempo-30-Zone zu machen“, kündigte sie an.
Blindgänger könnte Evakuierung erfordern

Joachim Bodendieck, Leiter des Ordnungsamts, informierte über einen Blindgängerverdachtspunkt nahe des Hasenburger Bachs zwischen Soltauer Straße und Soltauer Bahn. Wie bei den vorangegangenen Verdachtspunkten Anfang des Jahres soll auch hier eine Sondierung Aufschluss über einen möglicherweise noch in der Erde liegenden Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg geben. Auch Teile Oedemes wären gegebenenfalls von einer Evakuierung betroffen.

Jana Sprenger, die vom Wolfsbüro aus Hannover angereist war und ausführlich über Leben, Verbreitung, Aufzucht und Verhalten der Tiere informierte, gab dann Tipps, was im Fall einer Begegnung zu tun wäre. „Wichtig ist, dass der Wolf keine positive Erfahrungen mit den Menschen macht“, sagte sie. Der Wolf stelle in der Regel keine Gefahr für den Menschen dar, gleichwohl sollten Regeln bei Begegnungen berücksichtigt werden. „Man sollte nicht hastig weggelaufen, sondern sich langsam durch Rückwärtsgehen entfernen“, sagte Sprenger. Wer sich unwohl fühle, kann auch durch Rufen und Klatschen auf sich aufmerksam machen.

Gerissenes Reh am Spielplatz gefunden

Dass der Wolf bis Oedeme vorgedrungen ist, führte die Expertin auf „grüne Bereiche“ zurück, über die er bis ins Zentrum gelangt sein könnte. Ohnehin bringe das Tier Häuser und Autos nicht mit dem Menschen in Verbindung, dem er normalerweise aus dem Weg gehe. Überhaupt seien es Einzeltiere auf der Suche nach einem eigenen Revier, die vereinzelt gesichtet würden, ansonsten lebten die Wölfe meist in Rudeln. Eine Bejagung sei aus fachlicher Sicht nicht erforderlich, eine solche Anordnung könne nur von politischer Seite erfolgen. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen von einem Wolf angegriffen würden, „so gering, dass sie sich nicht beziffern lässt“, sagte Sprenger unter Bezug auf eine Fachstudie von 2002. „Aber klar ist auch: Der Wolf ist kein Kuscheltier.“

Sprenger ging auch auf das gerissene Reh ein, das Bewohner vor wenigen Tagen unweit des Spielplatzes an der Finkenhütte entdeckt hatten. Da das Tier recht nah an der Siedlung gefunden wurde, empfahl sie, den Kadaver weiter entfernt im Wald abzulegen. „Ich habe keine Angst vor dem Wolf, aber unsere Kinder sollten informiert sein“, sagt John, die ankündigte, das Thema weiter im Blick behalten zu wollen.

Von Ulf Stüwe