Donnerstag , 1. Oktober 2020
Auch nach 90 Jahren ein Herz und eine Seele: Irmgard Meyer (l.) und ihre Zwillingsschwester Elfriede Schulz. Foto: t&w

Zwillingspärchen feiert neunte Null

Barendorf. „Wer hätte gedacht, dass wir zehn Jahre später wieder hier zusammensitzen?“, fragen sich Irmgard Meyer und Elfriede Schulz, lächeln sich dabei liebevoll an. Die beiden Schwestern feiern morgen ihren 90. Geburtstag und blicken zurück auf eine lange gemeinsame Zeit – Seite an Seite als eineiige Zwillinge. Genau zehn Jahre ist es her, als die LZ zum ersten Mal bei den Schwestern zu Besuch war. Anlass war damals ihr 80. Geburtstag.

Auch dieses Mal sitzen Irmgard und Elfriede auf dem selben grünen Sofa in Irmgards Wohnzimmer in Barendorf. Beide haben die Hände auf dem Schoß, die linke Hand auf die rechte gelegt. Auch ihr Outfit ist gleich: rosa Bluse, dunkler Blazer, dazu eine passende dunkle Hose und ähnliche Ohrringe. Wenn sie so nebeneinander sitzen, fällt es auch heute noch gelegentlich schwer, die beiden auseinanderzuhalten.

Aus dem Nähkästchen geplaudert…

„Doppeltes Lottchen wurden wir früher öfter genannt“, erinnern sich die beiden an die ein oder andere Verwechslung in ihrem Leben. Beispielsweise an den Pastor, der sie nie auseinander halten konnte und jede deshalb bloß mit „Zwilling“ ansprach. „Das hat uns vielleicht geärgert“, erzählt Elfriede lachend. Einmal habe sogar ihr eigener Sohn sie nicht erkannt und stattdessen seine Tante Irmgard begrüßt. „Heute sehen wir uns aber nicht mehr so ähnlich wie früher“, finden die beiden.

Nicht geändert hat sich das gute Verhältnis der Schwestern, die in Natendorf geboren, getauft, konfirmiert und auch getraut wurden. Noch immer sind sie unzertennlich, so wie sie es schon in Kindertagen waren. Klar habe man sich da auch mal gezofft, wie das bei Geschwistern eben so üblich ist, „aber vertragen haben wir uns immer wieder ganz schnell“, sagt Irmgard, die 15 Minuten älter ist als ihre Schwester.

„Ich würde die Zeit gern zurückdrehen, um meinen Urgroßenkel aufwachsen zu sehen.“
Elfriede Schulz

Die Verbindung zwischen den beiden sei schon immer stärker gewesen als zwischen den anderen Geschwistern, beschreibt Elfriede das besondere Verhältnis. Sie und Irmgard sind die jüngsten von insgesamt neun Geschwistern. „Nur eine Schwester lebt noch, die wird dieses Jahr sogar schon 100.“  Zwar treffen sich die beiden heute nicht mehr ganz so häufig wie früher – Irmgard wohnt in Barendorf, Elfriede in Ebstorf – aber telefoniert wird mindestens einmal die Woche – „man muss ja schließlich in Kontakt bleiben“.

Ähnlich sind sich die Zwillinge nicht nur optisch: „Wir haben bis heute in vielen Dingen den gleichen Geschmack und die gleichen Ansichten“, erzählen die beiden, sprechen dabei manchmal wie aus einem Munde. „Schon irgendwie verrückt.“

Kochen, Backen, Gartenarbeit, Kreuzworträtsel, Doppelkopf spielen oder Singen – alles Dinge, die beide immer gerne gemacht haben und auch teilweise bis heute noch tun. Denn Irmgard und Elfriede leben immer noch in ihren eigenen Haushalten, erledigen diesen größtenteils selbst. „Wir sind zufrieden“, sagt Elfriede, „trotzdem würde ich gerne die Zeit zurückdrehen, um meine Urgroßenkel aufwachsen zu sehen.“

Den höchsten Stellenwert im Leben hat die Familie, da sind die Schwestern sich einig. Beide haben vier Kinder bekommen, Elfriede hat acht Enkel und vier Urenkel, Irmgard einen Enkel. „Es ist wichtig, dass man sich innerhalb der Familie gut versteht und auch Verständnis für Kinder und Jugendliche hat“, findet Elfriede. Für sie und Irmgard ist die Familie „das größte Geschenk“. Zum Geburtstag schenken sich die beiden nichts. Außer die große Feier, die morgen in Oldendorf II stattfindet.

Von Patricia Luft