Einfamilienhäuser prägen den Ebensberg. Auf großen Grundstücken wäre Platz für eine hintere Bebauung. Foto: be

Ebensberg: Zuhause in der zweiten Reihe

Lüneburg. Die Grundstücke sind groß, da bietet sich angesichts der Wohnungsknappheit ein Bauen in zweiter Reihe an. Am Ebensberg könnten neue Einfamilien- und Doppelhäuser entstehen. Für die sogenannte Nachverdichtung muss der Bebauungsplan neu gefasst werden. Erste Ideen hatte die Verwaltung bereits im Juni 2016 in einer Bürgerversammlung vorgestellt, jetzt kam Stadtbaurätin Heike Gundermann erneut mit ihren Mitarbeitern ins Viertel. Rund 60 Anwohner informierten sich im Stadtteilhaus ELMplus über Entwürfe.

Die Chefin der Bauverwaltung berichtete, dass im Verfahren bislang ein Dutzend Anregungen und Wünsche von Anwohnern im Bauamt eingegangen seien, ebenso hätten sich die Träger öffentlicher Belange geäußert, etwa Versorgungsunternehmen und Naturschutzverbände. Im Moment wolle man in Richtung der hinter den Häusern liegenden Gärten bestehende Baugrenzen aufheben.

Insgesamt sind laut Bauamt 134 Grundstücke betroffen, 95 davon haben eine Fläche von mehr als 1000 Quadratmetern. Etwa 20 Gebäude wurden schon nach altem Recht auf rückwärtigen Arealen errichtet. Auf 42 Grundstücken dürfte schon jetzt gebaut werden. Die neuen Vorgaben würden Möglichkeit geben, 20 neue Häuser zu bauen.

Die Grundflächenzahl solle angehoben werden, sagte die Baurätin. Von 0,2 auf 0,25 beziehungsweise in einem Bereich an der Oertelsburger Straße von 0,25 auf 0,3. Das bedeutet beispielsweise, dass von einem 1000 Quadratmeter großen Grundstück 250 Quadratmeter überbaut werden können. Zu berücksichtigen sind dabei auch Stellflächen für Autos. Die Zuwegung muss über die Grundstücke erfolgen. Zudem müssen Mindestabstände zu bestehenden Gebäuden eingehalten werden.

Zulässig sein soll dort ein Vollgeschoss. Praktisch betrachtet bedeutet es letztlich, dass über das Erdgeschoss eine Etage gesetzt werden kann. Sattel- und Walmdächer sollen erlaubt sein, da die Traufhöhe bei maximal fünf und die Firsthöhe bei zehn Metern liegen soll. Das ist knapp ein Meter mehr als bei den meisten der jetzigen Häuser. Die Vorgaben schließen unter anderem reine Flachdachhäuser aus.

Überwiegend ernteten die Vorschläge der Stadt Zustimmung. Doch es gab auch Bedenken: Investoren könnten kommen, die bisherige Einfamilien­hausstruktur ignorieren und Mehrfamilienhäuser bauen. Das sei durch die Vorgaben kaum möglich, konterte der städtische Planer Matthias Eberhard. Andere wünschen sich mehr Abstand zwischen Gebäuden, um den lichten Charakter des Viertels zu erhalten. Eine weitere Sorge galt dem Verkehr: Mehr Anwohner würden mehr Autos bedeuten, die schon heute stark befahrene Straße Am Ebensberg müsste noch mehr Fahrzeuge verkraften. Ortsvorsteher Heiko Dörbaum hält die Zahl für verkraftbar, es gehe um wenige Dutzend Fahrten mehr pro Tag.

Heike Gundermann stellte klar: „Der Wunsch zu bauen, kam aus dem Stadtteil. Ihnen wird keine Nachverdichtung übergestülpt. Was Sie daraus machen, liegt bei Ihnen.“
Die Verwaltung werde die neuen Anregungen in ihr Konzept einarbeiten. Die Pläne sollen noch einmal ausgelegt werden. Auch werde die Verwaltung samt Unterlagen noch einmal in den Stadtteil kommen, um mit den Bürgern über deren Anliegen zu sprechen. Am Ende soll der neue Bebauungplan stehen. Er könnte noch im Laufe des Jahres vom Rat verabschiedet werden. ca

Lüneburg braucht Platz

Politik und Verwaltung wollen neuen Wohnraum schaffen. Die Stadt hat ein Bauprogramm aufgelegt mit dem Ziel, 2100 Wohnungen bis 2021 zu schaffen. Mehrere Bereiche sind im Blick, auch am Ebensberg. Dort könnten in Richtung Raderbach gut 200 Wohneinheiten entstehen. Vom Tisch ist die Diskussion einer Zufahrt über die Gumbinner Straße zur Theodor-Körner-Kaserne. Dort waren im sogenannten Olympischen Dorf rund 500 Menschen in einer Notunterkunft untergebracht.

Das Lager ist aufgelöst. Gleichwohl würde die Stadt gern Flächen der Bundeswehr übernehmen, auch für Wohnbebauung. Eine Erschließung soll dann über das Industriegebiet Hafen erfolgen. Das Verteidigungsministerium macht der Stadt aktuell aber wenig Hoffnungen, dass sie ihre Ideen umsetzen kann.