Freitag , 18. September 2020
Der wegen versuchter schwerer Brandstiftung angeklagte 46-Jährige (l.) mit seinem Verteidiger Christian Wigger. Foto: be

Angeklagter bestreitet Brandstiftung

Lüneburg. Schon nach seiner Festnahme Stunden nach dem Geschehen hatte der 46-Jährige bei der Polizei bestritten, dass er am 24. Oktober 201 6 gegen 19.40 Uhr ein Wohngebäude der Herberge plus Beim Benedikt abfackeln wollte, dazu in einer Gemeinschaftsküche einen Abfalleimer ansteckte. Auch zum Prozessauftakt gestern vor der 2. großen Strafkammer am Landgericht leugnete der einschlägig vorbestrafte Mann die Tat, gestand allerdings, noch am Brandabend den Müll in einem anderen Abfalleimer auf dem Hof angesteckt zu haben – diese Szene ist auf Video festgehalten.

Staatsanwalt Konstantin Paus wirft dem Bewohner der Herberge eine versuchte schwere Brandstiftung vor, dabei habe der Mann billigend in Kauf genommen, dass das komplette Haus abbrennt. Wie der den Abfalleimer in der Küche anzündete, sei allerdings unklar. Der Angeklagte erzählte dem Gericht die Geschichte so: Über den Tag habe er rund drei Liter Bier getrunken, am späten Nachmittag in einem Discounter zehn Flaschen Bier und eine Flasche Wodka gekauft. Gegen 17.30 Uhr sei er auf den Hof der Herberge zurückgekehrt: „Ich habe eine Flasche Bier getrunken und mit drei bis vier Leuten haben wir den Wodka weggeballert.“

Später sei er in die Gemeinschaftsküche gegangen, wo er alleine gewesen sei: „Ich machte den Wasserkocher für einen Kaffee an. Dabei habe ich geraucht. Ich muss wohl die Zigarette am Blech vom Aschenbecher ausgedrückt und die Kippe dann in den Abfalleimer geschmissen haben. Anders kann ich mir das nicht erklären.“ Seine Darstellung weiter: Er sei auf sein Zimmer gegangen, um eine Kaffeetasse mit Zucker und löslichem Kaffee zu holen: „Da ging plötzlich überall der Feueralarm los.“ Er sei in Richtung Küche gegangen: „Da löschte ein Mitarbeiter schon mit einem Feuerlöscher und zog den Mülleimer nach draußen. Ich hatte ihn gefragt, was da los sei, und ihm gesagt: ,Ich hab‘ damit nichts zu tun‘.“

Der 46-Jährige gestand, noch am selben Abend den Müll in einem Abfalleimer auf dem Hof angesteckt zu haben: „Ich kann mich daran nicht erinnern, das ist aber auf dem Video zu sehen.“ Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Thomas Wolter, warum er sich daran nicht erinnern könne, sagte der Angeklagte: „Das ist nichts Besonderes für mich. Ich hatte an dem Tag auch viel getrunken.“ Und zum Motiv für diese Tat äußerte er: „Keine Ahnung. Vielleicht Frust über meine Lebenslage.“ Der Mann hat keine eigene Wohnung und ist arbeitslos. Für den Richter allerdings ist es „schwer zu glauben“, dass der Mann ausgerechnet an dieses Feuer keine Erinnerung habe, wo er doch zur Geschichte rund um den Brand in der Küche etliche Details nannte.

Der Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Die Strafkammer sieht bei ihm einen dringenden Tatverdacht. Der 46-Jährige hatte bereits Beschwerde beim Oberlandesgericht Celle eingelegt, das hat die Einschätzung der Lüneburger Richter inzwischen bestätigt. Der Prozess wird am 22. März fortgesetzt.

Von Rainer Schubert

Hilfe für Wohnungslose

Die Herberge plus unterstützt nach eigener Darstellung hauptsächlich wohnungslose Männer und Frauen, deren Lebensverhältnisse durch Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Probleme sowie Krankheit und Behinderung gekennzeichnet sind. Begleitet werden diese besonderen Lebenslagen häufig durch Schwierigkeiten im Umgang mit Suchtmitteln, bei Konflikten oder bei der Gestaltung von Beziehungen sowie von psychischen Auffälligkeiten und Erkrankungen.

Die Aufnahme in die Einrichtung erfolgt direkt von der Straße oder durch die Vermittlung anderer Einrichtungen und Dienste. Für die stationäre Hilfe verfügt die Einrichtung über 50 Hilfeplätze. Die Unterbringung erfolgt ausschließlich in Einzelzimmern, die jeweils über eine Grundausstattung verfügen und Möglichkeiten für die individuelle Gestaltung lassen. Alle Wohnbereiche sind mit Gemeinschaftsküchen ausgestattet.