Freitag , 25. September 2020
Der Michaelisfriedhof ist der erste der sieben städtischen Friedhöfe, der attraktiver gestaltet werden soll. Die Stadt, hier vertreten durch Uta Hesebeck, möchte dort im Herbst erste Baumgräber vergeben. Foto: phs

Bestattung: Wettbewerb der letzten Ruhestätten

Lüneburg. Um geliebten Menschen die letzte Ehre zu erweisen, wählen viele Angehörige heute nicht mehr den klassischen Sarg, sondern eine Urne. Auf den sieben Lüneburger Friedhöfen fanden im vergangenen Jahr insgesamt 438 Bestattungen statt, 176 Mal in Form einer Erdbeisetzung, 262 Menschen wurden in einer Urne begraben. Immer mehr gefragt sind außerdem Ruhestätten am Fuße eines Baums. Diesem Trend möchte die Stadt Lüneburg Rechnung tragen, sie hat auf dem Michaelisfriedhof dafür bereits eine freie Fläche gefunden. Aber auch auf anderen Friedhöfen sind Veränderungen geplant.

Unterschiede gibt es beim Grabschmuck

Ein klassisches Grab muss gepflegt werden, das wollen viele sich oder ihren Angehörigen ersparen. Durch gestiegene Mobilität würde Grabpflege unter Umständen auch zum logistischen Problem. Eine Alternative sind Bestattungswälder, wie es sie in Barendorf und Südergellersen gibt. Die letzte Ruhe inmitten der Natur, dazu keine Grabpflege – das hat für viele Charme.
Weil die Stadt mit einem Bestattungswald nicht aufwarten kann, möchte sie zumindest der Nachfrage in Form von Baumgräbern nachkommen. Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau, sagt angesichts der Konkurrenz: „Wir müssen etwas tun, das ist in der Verwaltung angekommen.“ Eine Arbeitsgruppe hat sich gebildet, neben Hesebeck und der Friedhofsverwaltung seien ein Steinmetz, ein Vertreter der Kirche, ein Bestatter, ein Gärtner und der Hospizverein mit im Boot. Jüngst habe man zum ersten Mal zusammengesessen, sich Friedhof für Friedhof vorgenommen.

Die städtischen Friedhöfe böten für Angehörige Vorteile: Wer auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist, kann die Gräber leichter erreichen als in einem Bestattungswald. Zudem könne man in der Nähe parken und sich auch mal auf einer Bank ausruhen. Ein weiterer Unterschied: Angehörigen ist es erlaubt, Blumenschmuck abzulegen.

Besttattung am Fuße eines Baums

Uta Hesebeck sagt: „Der Michaelisfriedhof ist historisch gewachsen, da war klar, dass wir ihn nicht in einen Bambus-Park umwandeln.“ Grelle Farben oder Blumen passen nicht, waren sich alle einig. „Wir haben uns mit den Baumgräbern für etwas Schlichtes, Zurückhaltendes entschieden.“ Auf dem Friedhof fand bereits im Jahr 1651 die erste Beisetzung statt. Auf dem nordöstlichen Teil, gelegen an der Schomakerstraße, befindet sich die Fläche, auf der die Stadt gern schon im Herbst erste Baumgräber vergeben möchte. Dort könnten im Mai heimische Bäume gepflanzt werden. „Wir wollen sie nicht zu dicht nebeneinander in den Boden setzen“, sagt Hesebeck, die sich Buchen, Eichen, Birken oder auch Vogelbeeren gut vorstellen könnte.

Um die Stämme herum sollen die Urnen in den Boden gesetzt werden. Das Verfahren sei wie bei einem Rasenurnengrab, eine Platte soll kennzeichnen, wer dort ruht. 20 000 Euro soll die Einrichtung der Grabfelder kosten. Probleme bereiten könnte, dass Teile des Friedhofs im Senkungsgebiet liegen. Dort können schon heute keine Bestattungen mehr stattfinden. Womöglich müsse der Boden aufgebohrt, ausgekoffert und dann mit einer Hülse versehen werden, schildert die Fachbereichsleiterin das Prozedere. Die Hülse sei notwendig, um zu verhindern, dass sich die Erde wieder zusammenzieht.

Zentralfriedhof ist als Nächstes dran

Die Arbeitsgruppe hat auch die anderen sechs Friedhöfe im Blick. Nach dem Michaelisfriedhof soll der Zentralfriedhof an der Soltauer Straße „mehr Farben und Formen“ bekommen. „Der Wunsch war groß, den Friedhof lockerer zu gestalten – weg von der steifen Hecke, dem Grab und Rhododendren.“ Zudem sollen alternative Bestattungsformen angeboten, Stauden, Lavendel, Rosen gepflanzt werden. Uta Hesebeck spricht von einer Park-Atmosphäre.
Weitere Investitionen: Mit 20 000 Euro soll ein Teil des Weges auf dem Waldfriedhof saniert werden, die Arbeiten könnten nach den Sommerferien starten. Auch sollen dort viele Kiefern entfernt und Rhododendren zurückgeschnitten werden, damit mehr Licht auf den Friedhof gelangen kann.

Von Anna Paarmann

Bestattungsformen in der Stadt Lüneburg

  • Wahlgrab (für 25 Jahre): 1325 Euro
  • Familiengrab (40 Jahre): 2640 Euro
  • Reihengrab (25 Jahre): 910 Euro, zehn Jahre für Kinder bis zum Alter von fünf Jahren: 180 Euro
  • Rasenreihengrab, inklusive Pflege: 2600 Euro
  • Rasenpartnergrab, inklusive Pflege (25 Jahre): 5925 Euro
  • Urnenwahlgrab/Baumgrab (20 Jahre): 1060 Euro
  • Urnenreihengrab mit Namensnennung: 2070 Euro
  • Anonymes Urnengrab: 970 Euro