Donnerstag , 22. Oktober 2020
Planer Udo Barth würde auf dem Grundstück des ehemaligen Gasthauses Fehlhaber gerne das „Heidedorf 2“ errichten. Foto: dth

St. Dionys: Was wird aus dem Trümmerfeld?

St. Dionys. Barums Bürgermeister Torsten Rödenbeck ruft die Einwohner des Dorfes St. Dionys auf der Internetseite der Gemeinde auf, bei der Samtgemeinde Bardowick „zahlreich vorstellig zu werden“ und das „berechtigte Interesse auf Beseitigung eines nachkriegsähnlichen Zustandes des Bauschuttplatzes mitten im schönen St. Dionys, vorzutragen“. Nachdem er von mehreren Anwohnern angesprochen worden war, hat Rödenbeck nach eigener Aussage beim zuständigen Ordnungsamt der Samtgemeinde darauf gedrängt, tätig zu werden: Der Eigentümer des Grundstücks solle aufgefordert werden, den Bauschutt des vor wenigen Wochen abgerissenen Gasthauses Fehlhaber abzuräumen. Unterdessen äußerte sich Projektplaner Udo Barth im Namen des Eigentümers Eberhard Manzke gegenüber der LZ zur Zukunft des Areals.

Zu dem Aufruf des Barumer Gemeindebürgermeisters, beim Bardowicker Ordnungsamt vorstellig zu werden, sagt Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann: „Ich nehme das zur Kenntnis.“ Und: „Das Gebäude ist abgerissen, der Bauschutt liegt dort und ist ordnungsgemäß abgezäunt. Punkt.“ Zudem sei nicht das Bardowicker Ordnungsamt zuständig, sondern die Bauaufsichtsbehörde beim Landkreis.

Dazu schreibt auf LZ-Nachfrage Landkreis-Sprecher Hannes Wönig: „Der Landkreis hat den Eigentümer aufgefordert, Auskunft darüber zu geben, was mit dem Schutt geschehen soll. Nach dessen Auskunft sollen Teile des Abbruchmaterials eventuell für Maßnahmen auf dem Grundstück wiederverwendet werden. Darüber und über die weitere Entwicklung des Geländes ist der Eigentümer mit der Gemeinde nach unseren Informationen im Gespräch.“ Und zur Sicherheit heißt es: „Anfang der Woche war ein Mitarbeiter des Bauamtes vor Ort. Seine Kon­­­–trolle hat ergeben, dass das Gelände ordnungsgemäß mit einem Bauzaun gesichert ist.“

Gegenüber der LZ bezieht Projektentwickler Udo Barth Stellung. Nach seinen Worten könnten auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Grundstück des ehemaligen Gasthauses Fehlhaber „neue Wohnhäuser mit Reetdach und Fachwerk“ entstehen sowie eventuell eines mit Ziegelwerk. Barth spricht mittlerweile vom „Heidedorf 2“. Das erste „Heidedorf“ war ein in den 1970er-Jahren umgesetztes Bauprojekt, das einst Drehort für eine Fernsehserie war und heute noch mit seinen malerischen Wohnhäusern den Ort prägt. Auf dem Grundstück des ehemaligen Gasthauses Fehlhaber könnte nun passend dazu die im Sommer 2015 abgebrannte historische Scheune des Nachbargrundstücks wieder aufbaut werden. Zudem schwebt Barth der Wiederaufbau eines Gutshauses vor, das wo anders abgetragen wurde. Und auf der benachbarten Weide sollen weitere, normale Baugrundstücke entstehen. Barth: „Doch zuerst müssen wir mühsam die schönen, handgeformten Ziegelsteine, die noch im Bauschutt erhalten sind, sichern, damit wir sie später wiederverwenden können.“

Barth: „Wir warten auf den Gemeinderat. Dem haben wir schon vor Wochen unsere Pläne vorgelegt. Und außerdem können wir nicht anfangen, solange die vom Rat beschlossene Veränderungssperre gilt.“ Dazu sagt Rödenbeck: „Ein Gespräch hat der Eigentümer bis heute nicht mit uns gesucht. Aber wir haben uns genauso wie die Gegenseite fachanwaltlich beraten lassen, eine schriftliche Empfehlung liegt vor, herüber wird der Rat in der nächsten Sitzung zu befinden haben.“ Der Termin steht noch nicht fest. Derzeit stünden die Aufstellung des Haushalts 2017 sowie das geplante Dorfgemeinschaftszentrum in Barum im Vordergrund, betont der ehrenamtliche Bürgermeister.

Von Dennis Thomas