Ein Teil der durchs Wasser aufgeweichten Deckenplatten stürzte ins Dessous-Geschäft. Filialleiterin Ina Zerik geht davon aus, dass ein Großteil der Waren nicht mehr zu verkaufen ist und der Laden für die Sanierung bis zu drei Monate geschlossen bleibt.

Dessous-Geschäft geflutet

Von Rainer Schubert
Lüneburg. Schock für Mitarbeiterin Emel Arikan. Als sie Montagmorgen die Tür zum Hunkemöller-Laden aufschließt, sieht sie sofort im Eingangs bereich Schutt liegen. Ihr Blick geht in den Laden, überall sind große Wasserlachen, liegen heruntergestürzte Deckenplatten. Ein Großteil der Ware ist so in Mitleidenschaft gezogen, dass er nicht mehr verkauft werden kann. Emel Arikan alarmiert sofort ihre Filialleiterin Ina Zerik.  Die ruft den Vermieter hinzu, der wiederum seine Versicherung einschaltet. Bei ihr ist auch der Mann versichert, der gerade aus der über dem Geschäft liegenden Wohnung ausgezogen ist.

 Wohnungstür musste aufgebrochen werden

Der Mieter aus dem ersten Stock zog am Freitag aus. Die Wohnungstür musste aufgebrochen werden. Die Ursache für die Wasserflut war schnell gefunden. Ina Zerik: „Der Mieter hatte die Waschmaschine abmontiert, den Wasserhahn nicht abgedreht. So lief das Wasser seit Freitag.“ Am Sonnabend habe man im Geschäft noch nichts bemerkt: „Das Wasser muss sich zunächst in der Wohnung gestaut haben. Am Sonntag ist dann alles auf einmal durch die Decke runtergekommen.“ Inzwischen haben sich Gutachter der Versicherung die Schäden angeschaut, Ina Zerik: „Sie sind immens. Es ist schließlich ein Altbau, teilweise gibt es noch Lehmbauteile.“ Geschäft, Wohnung und der Bereich unter dem Laden müssen nun komplett saniert werden.

In die Schadenssumme noch nicht einkalkuliert sind der Verkaufsausfall während der Sanierungszeit und die Kosten für die nicht mehr zu verkaufende Ware. Am Dienstag waren Ina Zerik und Emel Arikan damit beschäftigt, die nicht mehr verwertbare Ware auszusortieren. Die Filialleiterin: „Wir wollen retten, was noch heil geblieben ist, für den Rest muss die Versicherung aufkommen.“

 Sanierung im Gebäude dauert bis zu drei Monate

Zunächst werden die vom Wasserschaden betroffenen Flächen mit Gebläsen getrocknet, dafür sind rund drei Wochen vorgesehen, danach starten die Sanierungsarbeiten. „Wir gehen von zwei bis drei Monaten aus, die unser Geschäft geschlossen bleibt.“ Das birgt auch ein weiteres Problem: Was passiert mit den acht Mitarbeiterinnen des im April 2014 eröffneten Geschäfts? Ina Zerik: „Wir wissen im Moment noch nicht, wie es für sie weitergeht. Es wird aber versucht, sie auf andere Hunkemöller-Filialen beispielsweise in Soltau und Hamburg zu verteilen. Und wir haben ja auch eine Mini-Filiale bei Karstadt, in der jemand unterkommen könnte.“

Hintergrund

Welche Versicherung zahlt welche Schäden?

Eine falsch angeschlossene Waschmaschine, ein geplatztes Heizungsrohr – ein Wasserschaden kann schnell entstehen. Die deutschen Versicherer registrieren täglich rund 3000 Wasserschäden, macht rund eine Million Schäden jährlich. Grundsätzlich gilt: Einen Wasserschaden am beweglichen Mobiliar ersetzt die Hausratversicherung des Bewohners, einen Wasserschaden an Wohnung oder Gebäude die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers. Hat ein Nachbar den Schaden verursacht, übernimmt dessen Haftpflichtversicherung die Kosten.

In der Regel ersetzt die Hausratversicherung Schäden, die an beweglichen Dingen in der Wohnung entstehen, wenn die Schäden in direktem Zusammenhang mit folgenden Installationen stehen: Angeschlossene Schläuche von Waschmaschine, Geschirrspülmaschine und so weiter, Rohre für Trink- und Abwasser, Leitungssystem in Haus und Wohnung, Warmwasser- und Dampfheizungsanlage, Klima-, Solar- und Wärmepumpenheizungen, Berieselungs- und Sprinkleranlagen.

Folgende Schäden sind meist nicht im Versicherungsschutz enthalten: Schäden durch Reinigungswasser, aufsteigendes Grundwasser, Rückstau in der Kanalisation, wenn Wasser aus einem Aquarium oder einem Wasserbett ausläuft.