Winterpause auf dem Arbeitsmarkt vor dem Ende

Von Rainer Schubert
Lüneburg. Die Arbeitslosenquote in Stadt und Landkreis Lüneburg kletterte von Ende Januar bis Ende Februar um 0,1 auf 6,1 Prozent, erreichte damit wieder den Wert des Vorjahresmonats. Doch Bernd Passier, Chef der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, sieht den Wendepunkt kommen: „Die Winterpause auf dem Arbeitsmarkt neigt sich dem Ende entgegen.“ Die Arbeitskräftenachfrage habe deutlich angezogen: „Konjunktur­unabhängige Branchen wie das Sozial- und Gesundheitswesen meldeten deutlich mehr Stellen. Zudem bereiten sich witterungsabhängige Wirtschaftsbereiche, zum Beispiel das Baugewerbe, auf den bevorstehenden Saisonstart vor. Auch hier gingen mehr Stellenangebote ein.“

Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 70 auf 5779 Betroffene. Das waren lediglich drei mehr als vor einem Jahr. Dabei meldeten sich 1525 Frauen und Männer neu oder erneut arbeitslos, 95 mehr als vor einem Jahr. Deutlich stieg die Zahl der jungen Arbeitslosen unter 25 Jahren an, von 540 auf 588. Dabei handelte es sich vor allem um junge Leute, die ihre Aus- oder Weiterbildung beendet haben, nicht übernommen wurden oder so schnell keinen neuen Arbeitgeber fanden.

Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 3032 Arbeitslosmeldungen

Gleichzeitig beendeten gegenüber dem Vorjahr praktisch unverändert 1459 Frauen und Männer ihre Arbeitslosigkeit, fünf weniger gegenüber Februar 2016. Seit Jahresbeginn gab es insgesamt 3032 Arbeitslosmeldungen, das ist ein Minus von 50 zum Vorjahreszeitraum. Dem gegenüber stehen 2606 Abmeldungen von Arbeitslosen (+26).

Dass Arbeitslosigkeit keine statische Größe ist, zeigte sich laut Bernd Passier an den Februar-Zahlen: „Sie waren von einer hohen Dynamik gekennzeichnet: Der Bestand an Arbeitsstellen ist im Februar um 61 Stellen auf 1525 gestiegen, im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 127 Arbeitsstellen mehr. Arbeitgeber meldeten im Februar 518 neue Arbeitsstellen, 19 mehr als vor einem Jahr.“ Seit Januar gingen 822 Arbeitsstellen ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 67. Es wird ein gutes Jahr für den Lüneburger Arbeitsmarkt, prognostiziert der Agentur-Chef und macht es an dem Fakt fest, dass Amazon ein Vertriebswerk in Winsen errichtet und dort rund 2000 Stellen schafft – das wirke sich auch auf Lüneburg aus.

Im Februar stieg die Zahl der arbeitslosen Flüchtlinge in Stadt und Landkreis weiter, sie erhöhte sich von 507 im Januar auf 558. Zum Vergleich: Im Kreis Harburg waren 329 Flüchtlinge arbeitslos gemeldet (+31), im Kreis Uelzen 95 (+16), im Kreis Lüchow-Dannenberg 63 (-1).

ARBEITSMARKTBERICHT

 

Hintergrund

Die bereinigte Statistik
Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Zur Unterbeschäftigung zählen die Arbeitslosen und solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie beispielsweise in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Dazu zählen berufliche Weiterbildungen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen oder auch diejenigen, die Gründungszuschüsse erhalten. Von dieser Unterbeschäftigung waren im Februar in Stadt und Kreis Lüneburg 7973 Frauen und Männer betroffen, gegenüber Januar ein Plus von 38 Personen, gegenüber Januar 2016 sogar ein Plus von 506 Betroffenen. Nicht in dieser Zahl enthalten sind die Geflüchteten, die sich aktuell in Sprach-, Qualifizierungs- oder Integrationskursen befinden. Allein die Volkshochschule geht davon aus, dass sie in diesem Jahr rund 1600 Flüchtlingen in solchen Kursen hilft.