Maus Jerry wird von Katze Tom, der mit Discoleucht-Augen ausgestattet ist, gejagt. Dazu tanzen die Partymäuse zu Karneval-Hits in Stöckte. Foto: phs

Luhestadt in Narrenhand: Stöckte feiert + + + Mit Video

Von Dennis Thomas
Winsen/Luhe. Als Winsens Bürgermeister André Wiese den Rathausschlüssel an die Faslamsbrüder Stöckte übergab, war die Stadtkasse längst weg. Die zogen die Piraten des "Fluchs der Luhebrücken" bereits beim großen Festumzug hinter sich her. Geld war allerdings keines drin, nur goldfarbene Deko. Rund 30 aufwendig gestaltete Motivwagen rollten vom Stöckter Deich bis ins Herz der Luhestadt.

Nach Polizeiangaben säumten rund 25.000 Zuschauer die Straßen, um die Ergebnisse teils monatelanger Bautätigkeit an den Wagen zu bestaunen. Dabei kam das deftigste Motiv zum Schluss von der Baugruppe Ruschmeyer: Eine affenähnliche Gestalt im England-Shirt begattete den blauen, sich übergebenden Europa-Stier. Aber nicht nur der "Brexit" inspirierte die Wagenbauer.

Die Bandbreite der Motivwagen reichte von Donald Trump über "Tom und Jerry" und Karl May bishin zu "Star Wars" sowie lokalpolitischen Themen. So nahm die Baugruppe "Die Jungs vom Nassen Ende" die Ansiedlung des Online-Händlers Amazon im Winsener Gewerbegebiet aufs Korn, präsentierten aus Pappmaché eine Flugzentrale mit übergroßen Paketdrohnen.

Donald Trump durfte als Motiv nicht fehlen

Auch Donald Trump, der die "Welt in Narrenhand" hielt, durfte als Motiv nicht fehlen, er fuhr ganz in der Nähe von Käptn Blaubär durch Winsens Straßenzüge. Vor dem Abbild des US-Präsidenten ratterte ein übergroßer einarmiger Bandit als Wahl­maschine -- "made in Russia". Neben Trickfilm-Motiven wie aus der Filmreihe "Madagaskar" oder Disneys Aladdin frömmelte es auch ein wenig, mit der Baugruppe "St. Mariechen" zum Thema "500 Jahre sind wir evangelisch". Am Tor der mitfahrenden, selbstgebauten Kirche standen aber andere Thesen zu lesen wie "Freibier für alle".

Gute Stimmung und Partymusik lieferten die Motivwagen allesamt. Beim Versorgen der Zuschauer mit Süßigkeiten legte aber vor allem der vergleichsweise kleine Gastwagen der Schausteller vom Hamburger Dom vor: Die Mitfahrenden standen im Laufe des Umzugs immer höher auf der Restpappe, nachdem sie Bonbons kartonweise ins Publikum befördert hatten.

Insgesamt verlief die Veranstaltung ausgelassen

Auch manche der Zuschauer am Straßenrand, vor allem Kinder, hatten sich verkleidet. Bei "Caro F." aus Soderstorf und ihren Freunden reichte es allerdings nur zu einer Minimalkostümierung. Sie trug ein Schild um den Hals mit der Aufschrift: "Bitte keine Fotos! Wir sind krankgeschrieben." Der faslams­erfahrene Winsener hingegen bereitet sich anders vor. Zuschauer Ralf Giese sagte: "Faslam muss sein. Einige meiner Kollegen haben sich für Montag vorsorglich Urlaub genommen."

Insgesamt verlief die Veranstaltung ausgelassen, aber friedlich. Am frühen Abend sagte Wilfried Haensch, Leiter des Polizeikommissariats Winsen: "Außer ein paar alkoholbedingten Ausfällen war nichts weiter." Um für die Sicherheit der Feiernden zu sorgen, hatte die Polizei zirka 30 uniformierte Ordnungshüter im Einsatz und eine nicht näher genannte Zahl in zivil. Zudem unterstützten rund 50 Feuerwehrleute der Ortswehren Hoopte und Scharmbeck die Veranstaltung.