Samstag , 26. September 2020
Wiebke Krohn vom Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen (l.) und Melanie Philip von der VITA Akademie wollen im Rahmen des Projektes Weitblick Pflege den Fokus darauf lenken, was möglich ist und nicht darüber reden, was nicht möglich ist. Die Auftaktveranstaltung der sechsteiligen Netzwerkreihe war am 10. November 2016 im Kloster Lüne in Lüneburg. Foto: emi

Neue Wege in der Pflege

Von Emilia Püschel
Lüneburg. Akuter Fachkräftemangel, Pflegenotstand in ländlichen Regionen, starre Strukturen, schlechtes Image das sind nur einige Probleme, mit denen die Pflegebranche zu kämpfen hat. Abhilfe schaffen soll ein neuartiges Projekt namens „Weitblick Pflege“: Die „VITA Akademie“, ein Dienstleistungsunternehmen aus der Weiterbildung, will mit dem Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen (AV) geltende Prinzipien auf den Prüfstand stellen und Visionen für die Pflege entwickeln. Erarbeitet werden soll auch ein handfestes Ergebnis für ganz Niedersachsen: eine Teilqualifikation, wie sie aus Industrie und Handwerk bekannt ist.

Die Idee dahinter: Ungelernte und angelernte Hilfskräfte in der Pflege sollen die Möglichkeit erhalten, sich nach und nach berufsbegleitend zur teilqualifizierten Fachkraft weiterzubilden. Für die Initiatoren ein wichtiger Schritt, um das Berufsbild des Pflegehelfers aufzuwerten, für die Pflegeeinrichtungen die Chance, sich ihre Fachkräfte selbst zu entwickeln. Das Projekt ist auf zwei Jahre angelegt.

Wiebke Krohn, Arbeitgeberberaterin für Personalentwicklung und soziale Innovation des Arbeitgeberverbandes, sagt: „Die Europäische Union gibt uns im Rahmen des Europäischen Sozialfonds Mittel für eine Richtlinie Soziale Innovation. Meine Aufgabe ist es, auf der einen Seite die VITA Akademie als Träger bei der Konzeption und Ausführung ihres sozial-innovativen Projektes zu unterstützen und auf der anderen Seite die Unternehmen aufzuschließen für diese doch sehr neuartigen Ideen.“

120.000 Euro kommen als Förderung von der EU

Das Projekt selbst reißt zwei Felder auf: erstens einen kreativen Weg, bei dem es darum geht, Gespräche über die Pflege anzustoßen und Lösungen für die Zukunft zu erarbeiten. Dazu sind fünf Netzwerkveranstaltungen geplant, die durch ein Auftaktreferat eingeleitet werden und bei denen Praxiskenner in Workshops diskutieren und Handlungsempfehlungen finden sollen. Zweitens den politischen Weg: die Entwicklung der Teilqualifikation.

Parallel zu den Netzwerktreffen finden runde Tische mit Entscheidungsträgern statt, zu denen auch Interessierte eingeladen sind. Im Mittelpunkt stehen Fragen der konkreten Umsetzung und Finanzierbarkeit. „Hier kommen zum Beispiel die Krankenkassen, Landkreise und Ministerien ins Spiel“, sagt Melanie Philip, Geschäftsführerin der VITA Akademie. „Schließlich muss das, was bei den Netzwerktreffen erarbeitet wird, mit den Behörden besprochen werden, damit die Teilqualifikation Wirklichkeit werden kann. Zum Beispiel muss es ein anerkanntes Curriculum geben, jemanden, der die Prüfung abnimmt, jemanden, der den Weg für Niedersachsen mitgeht, und so weiter.“

Um die konzeptionelle und inhaltliche Begleitung des Projektes kümmert sich eine Steuerungsgruppe, der Wiebke Krohn und Melanie Philip angehören. Die achtköpfige Expertenrunde tauscht sich regelmäßig aus, soll die Entwicklung der Teilqualifikation vorantreiben, das Vorhaben auf Kurs halten.

200.000 Euro (davon 60 Prozent EU-Fördermittel) sind für „Weitblick Pflege“ angesetzt viel Geld für ein Projekt, dessen Ausgang offen ist. Denn zwar hat mit Schirmherrin Isabell Halletz, Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbandes Pflege in Berlin, eine einflussreiche Persönlichkeit ihre Unterstützung zugesagt. Aber Krohn und Philip sind sich darüber im Klaren, dass sie die Entscheidungsträger möglicherweise nicht von ihren Ideen werden überzeugen können.

Das Signal senden, das Veränderung machbar ist

Entmutigen lassen die Frauen sich davon nicht. „Wir sind davon überzeugt, dass wir viel mit dem Projekt erreichen werden, auch wenn nicht die letzte Unterschrift unter irgendeiner Qualifikation steht“, sagen sie. „Denn wir bewegen etwas in den Köpfen und senden das Signal, dass Veränderung machbar ist. Daher gibt es für uns kein Scheitern.“

Das nächste Netzwerktreffen findet am Freitag, 24. März, statt. Weitere Informationen und eine Terminübersicht gibt es auf www.arbeitgeberverbandlueneburg.de im Internet.