Freitag , 25. September 2020
Die Ruine am Handwerkerplatz. Ein 26 Jahre alter Pole hatte den Kiosk vor zweieinhalb Jahren in Brand gesetzt. Foto: t&w

Brandstifter vom Handwerkerplatz ist längst gefasst

Von Rainer Schubert
Lüneburg. Manchmal bleiben Erfolge im Verborgenen, und niemand kann erklären warum. So war es jetzt auch im Fall des abgebrannten Imbisses am Handwerkerplatz. Seit zweieinhalb Jahren wird um die Ruine gerungen, Stadt und Mieterin kommen einfach nicht auf einen Nenner. Auch die Polizei schien lange nicht voranzukommen bei der Suche nach dem Brandstifter. Doch dieser Eindruck täuschte. Die Ermittler haben den Täter inzwischen geschnappt. Und er wurde sogar schon verurteilt. Allerdings hatte weder die Polizei ihren Fang publik gemacht, noch das Gericht über den Prozess oder gar das Urteil informiert.

Die Ermittler des Fachkommissariats in Lüneburg waren überrascht über den LZ-Bericht am Dienstag, denn neben der neuesten Entwicklung im Knatsch zwischen Stadt und Mieterin war dort auch zu lesen, dass der Täter nicht gefasst wurde. Das war bei früheren Berichten auch stets Aussage der Polizei, die zwar schnell einen Verdächtigen im Blick hatte, aber sich mit Details immer bedeckt hielt. Inzwischen aber hatten Fahnder den Feuerteufel im Ausland aufgespürt und festgenommen. Deshalb wandten sich die Ermittler nach dem jünsten LZ-Bericht prompt an ihren Polizeisprecher Kai Richter, der bis dahin selbst nichts vom Erfolg seiner Kollegen wusste. Der Mann sei doch gefunden und sogar verurteilt, gab er an die LZ weiter.

Der Prozess, in dem schon am 15. Dezember ein Urteil gesprochen worden war, muss unter Ausschluss der Medienöffentlichkeit stattgefunden haben. Dabei hatte der Fall doch für einiges Aufsehen gesorgt. Nicht nur die Polizei, auch die Staatsanwaltschaft und das Gericht hatten wohl versäumt, den neuen Sachstand bekannt zu geben.

Bewährungsstrafe für 26 Jahre alten Polen

Angelika Klee, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft, war ebenfalls nicht über das Urteil informiert, musste sich nach LZ-Anfrage erst einmal in ihrer Behörde umhören. Danach erzählte sie: „Der Verdacht richtete sich schnell gegen einen 26 Jahre alten Polen, denn er wurde von einem Zeugen am Tatort beobachtet, als er vom Dach des Pavillons sprang.“ Der Verdächtige habe die Tat zunächst bestritten und als die Ermittlungen dann einen hinreichenden Tatverdacht ergeben hätten, „war er nicht mehr greifbar“. Er hatte sich flugs in seine Heimat abgesetzt. Ein Haftbefehl wurde erlassen und Anklage erhoben.

Doch es dauerte, bis die Spezialfahnder den Mann ausfindig machten und er von Polen ausgeliefert wurde. Im Prozess habe er die Tat gestanden, das Motiv blieb im Dunkeln. Zu möglichen Hintermännern habe er sich nicht geäußert. Das Amtsgericht verurteilte ihn schließlich wegen Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesprochen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Warum das Amtsgericht den Prozesstermin nicht an die Medien gab, lässt sich laut dessen Sprecher Dr. Bernd Gütschow, der nach eigenem Bekunden auch nichts vom Verfahren wusste, nicht mehr recherchieren.

Selbst Gerichtssprecher wusste nichts vom Prozess

„Das Amtsgericht bemüht sich, die Medien über Prozesse zu informieren, bei denen ein öffentliches Interesse vermutet wird“, sagt Gütschow. „In einigen Fällen schließt es sich auch mit der Staatsanwaltschaft kurz, ob ein Verfahren öffentlichkeitswirksam und es kundzutun ist.“ Er selbst würde von den Richtern informiert, die ihre Verfahren ebenfalls einschätzten: „Im Einzelfall kann es sein, dass es in Sachen Interesse der Öffentlichkeit unterschiedliche Sichtweisen gibt.“ Das könne bei dem „Kiosk-Brand“ der Fall gewesen sein.