Autos und Lkw so weit das Auge reicht: Wer an der Lüner Rennbahn einen Parkplatz sucht, muss früh aufstehen. Der Seitenstreifen ist sowohl im erlaubten Bereich als auch im Halteverbot schon früh voll belegt. Foto: phs

Wettstreit um Parkplätze

Von Anna Paarmann
Lüneburg. Wer früher aufsteht als alle anderen, hat an der Lüner Rennbahn morgens eine Chance. Der Rest muss gucken, wo er bleibt. Denn Parkplätze sind in dem Gewerbegebiet mit mehreren großen Firmen Mangelware. Mehrere Unternehmen bestätigen das Problem, aber die Stadt sieht keine Handhabe, die Situation zu verbessern.

Ruhezeiten der Lkw-Fahrer,verstärken das Problem

Die Deutsche Post hat dort einen ihrer Zustellstützpunkte, aber aufgrund der 30 Postwagen keine Parkplätze für die Fahrzeuge der Angestellten. Andreas Meihsies arbeitet seit vielen Jahren als Briefträger in Adendorf, kommt stets mit dem Auto zur Arbeit. Morgens sei die Situation besonders schlimm, erzählt er, da stünden auch noch Lkw-Fahrer auf dem Seitenstreifen. "Sie parken dort, um ihre Ruhezeit zu verbringen, oft stehen sie bis 8 Uhr morgens hier oder länger." Zu spät für Meihsies und seine Kollegen, sie benötigen bereits zum Dienstantritt gegen 7.10 Uhr einen Parkplatz.

Wer in der Nähe wohnt, nutzt das Fahrrad. Wer weiter entfernt wohnt, dem bleibe oft nur das Auto. Doch der Platz ist begrenzt nur auf dem Seitenstreifen. Im Bereich des Wendehammers und auch an anderen Abschnitten besteht absolutes Halteverbot. Dennoch stehen dort täglich Fahrzeuge, mangels Alternative nehmen die Fahrer einen Strafzettel in Kauf. In einer "guten Woche" habe man nur einen Strafzettel, erzählt Meihsies.

Mit Sorge verfolgt er auch die Planungen für die Sport- und Eventhalle an der Lüner Rennbahn. "Was ist, wenn die fertig ist?", fragt der ehemalige Ratsherr, der sich sicher ist, dass dann viele Besucher der Hallenevents ihre Autos über Nacht stehen lassen. Schon im Oktober habe er der Stadt das Problem geschildert -- ohne Rückmeldung. Er ist überzeugt, dass der ruhende Verkehr in der Straße neu geordnet werden müsse -- unter Einbeziehung der Firmen. Auch könnten vielleicht freie Flächen umfunktioniert werden, schlägt er vor. Mindestens 20 bis 30 Parkplätze müsse man zusätzlich schaffen -- eher mehr.

Yangfeng könnte ebenfalls mehr Parkplätze gebrauchen

Viele Firmen stimmen in die Kritik mit ein. Yangfeng, ehemals Johnson Controls, beschäftigt an diesem Standort 1100 Mitarbeiter, kann aber längst nicht jedem einen Parkplatz bieten. Pressesprecherin Astrid Schafmeister bestätigt: "Wir haben zu wenig Parkplätze." Man habe neben den Parkbereichen vor und hinter dem Werk Flächen auf dem alten Edeka-Gelände gemietet. "Aber wir könnten dennoch zusätzliche Parkplätze für unsere Mitarbeiter gebrauchen."

Der Fleischhandel Erich Rothe hat zwar ausreichend Parkplätze auf der Rückseite seines Betriebs, aber ein allgemeiner Notstand ist Mitarbeiterin Karen Brammer dennoch aufgefallen. "An der Straße ist immer viel los, da parken viele Autos." Häufig beobachte sie auch Lkw, die über längere Zeit auf dem Seitenstreifen parken.

Dem Unternehmen TofuTown bereitet der Parkplatzmangel vor allem deshalb Probleme, weil ihm regelmäßig Zufahrten und Notausgänge zugeparkt werden. "Das ist nicht sonderlich hilfreich, wenn wirklich mal Gefahr im Verzug ist", moniert Christiane Kok, Assistentin der Betriebsleitung, die erst kürzlich einen Abschleppdienst rufen musste.

Gedränge auf den Seitenstreifen nimmt zu

Obgleich Media Markt zurzeit für Kunden und Mitarbeiter noch mit dem betriebseigenen Kontingent auskommt, könnten zusätzliche Plätze auch für den Elektrofachmarkt bald interessant werden. Verkaufsleiter Thorsten Hill sagt, dass die Mitarbeiter zurzeit gegenüber am Lager parken. "Das geben wir aber irgendwann ab." Eventuell würden Mitarbeiter dann auch auf den Seitenstreifen ausweichen wollen. "Und da stehen schon jetzt jede Menge Autos."

Auch der Stadt Lüneburg sei die Situation bekannt, sagt Pressesprecher Daniel Gritz auf LZ-Nachfrage. Sie sehe jedoch keine Möglichkeit, die Situation zu ändern, da sich die Grundstücke nicht im Eigentum der Stadt befinden. Die absoluten Halteverbote könnten nicht aufgelöst werden, schon "um die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs nicht zu gefährden. Auch muss im Wendehammer, der die einzige Möglichkeit in dem Gewerbegebiet zum Wenden von Lkw darstellt, das absolute Halteverbot bleiben." Parkende Lkw könnten doch möglicherweise auf dem Betriebsgelände der zu beliefernden Firmen stehen, schlägt er vor. Eigentlich sollten Unternehmen wie die Post, die viele Dienstfahrzeuge auf dem Firmengelände haben, trotzdem ausreichend Mitarbeiterparkplätze vorhalten, sagt Gritz und verweist auf die Niedersächsische Bauordnung, die Richtzahlen für den Einstellplatzbedarf festlegt.

Dass das Ordnungsamt regelmäßig vor Ort ist und die Situation kontrolliert, bestätigt der Stadtsprecher. 2016 habe es insgesamt 284 Verwarnungen für Parken im absoluten oder eingeschränkten Halteverbot oder Parken auf dem Gehweg gegeben. Insofern zahlt sich die Not einiger Autofahrer immerhin für die Stadtkasse aus.