Diese Ziege fühlt sich pudelwohl im neuen Stall des Vereins Naturschutzpark Lüneburger Heide. Mit gut 70 Artgenossen ergänzt sie die Heidschnucken-Herde. Foto: be

Schneverdingen: Der Halbe-Million-Euro-Stall

Schneverdingen. Zur feierlichen Eröffnung kam Schäfer Ryan Quinn etwas zu spät: Kurz vor dem vereinbarten Pressetermin entschied sich ein Mutterschaf dazu, ihr Lamm zu gebären. „Dafür musste ich bis zum anderen Ende des Feldes“, erklärt der gebürtige Ire, der für den Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP) 447, nein nun 448 Schafe hütet. Das neugeborene Babyschaf hat‘s jetzt gut: Es durfte gleich in den nagelneuen Stall der VNP-Schäferei ‚Schäferhof‘ einziehen. Der wurde jetzt vor zahlreichen Gästen eingeweiht.

Sichtlich begeistert von dem neuen Schaf-und Ziegenstall ist VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann. „Für die Tiere und die Schäfer ist er großartig“, freut er sich. Geräumig und hell ist es in dem Neubau – „in einem modernen Stall sollte man tagsüber ohne künstliches Licht bequem die Zeitung lesen können“, erklärt Zimmermann. Im Dach sind dafür große Scheiben eingesetzt, der Dachgiebel ist luftdurchlässig: Denn der neue Stall ist ein „Kaltluftstall“. „Die Luft kann so hinein- und wieder abziehen, das Stallklima ist damit für die Tiere optimal.“ Zugig ist es dabei aber nicht, dank einer speziellen Konstruktion ist das Haus winddicht.

Mehr Luft und Licht für Schnucken

Auf den 1200 Quadratmetern bietet das Gebäude genug Platz für 400 Muttertiere und ihren Nachwuchs. Für sie ist der neue Stall wohl eine kleine Wellness-Oase. Ist draußen alles zugefroren? Kein Problem, die heizbaren Trinkwasserspender geben immer flüssiges Wasser. Und zur Fütterung steht am Rand eine gewaltige, vollautomatische Futtermischanlage – in wenigen Augenblicken steht kiloweise gequetschter Hafer zur Verfügung. „Früher habe ich fünf Stunden zum Füttern gebraucht, jetzt sind es nur noch drei“, berichtet Schäfer Quinn. Allerdings kommt die Anlage nur während der Lammzeit zum Einsatz – im Rest des Jahres holen sich die Schafe und Ziegen in der kargen Heidelandschaft ihr eigenes Futter.

Doch wie war es für die Schafe im alten Stall? Deutlich enger, dunkler, wärmer und stickiger, gibt Dr. Andreas Koopmann vom Naturschutzpark zu. „Der wurde in den 1960er Jahren gebaut, war nur 456 Quadratmeter groß.“Die Herde sei damals jedoch kleiner gewesen. Im Frühjahr 2016 wurde das baufällige Gebäude schließlich abgerissen und der neue Stall gebaut. In der Zwischenzeit seien die Tiere abends in einen „Nachtpferch“ geleitet worden – ein eingezäuntes Gebiet auf der Wiese. „Dort konnten die Schafe und Ziegen zum Nachtisch noch etwas grasen.“ Kurz vor Weihnachten zogen die Tiere schließlich in den 560 000 Euro teuren Neubau. Finanziert wurde der Stall aus EU-Fördergeldern, Mitteln vom Land Niedersachsen, Spenden- und Sponsorengeldern und dem VNP.

Zur Einweihung war neben der aktuellen Schneverdinger Heidekönigin und Harburgs Kreisrätin Monika Scherf auch die Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz dabei. In ihrem Grußwort sprach sie das sensible Thema Wolf an: „Es muss besser vorgesorgt werden, von Landesseite aus wollen wir uns für mehr Herdenschutzhunde pro Herde einsetzen,“ erklärte sie. Den neuen Stall nannte sie die beste Maßnahme für den nächtlichen Herdenschutz.

Schäfer Ryan Quinn hat derzeit vier Hunde, die ihn beim Schafehüten unterstützen. Kurz nach der feierlichen Eröffnung rief ihn jedoch wieder die Arbeit – Schnucke Nummer 449 hat sich gerade angekündigt.

Von Robin Williamson