Donnerstag , 24. September 2020
Zwei schwierige Jahre liegen hinter den Milchbauern, allein sieben Mitglieder der Lüneburger Milcherzeugergemeinschaft sind 2016 endgültig ausgestiegen. Foto: A/t&w

Milchpreise sind im Aufwind — aber nicht über den Berg

Karze. Das Tal der Krise ist durchschritten, doch von Euphorie sind die Lüneburger Milchbauern weit entfernt. Zwar haben sich die Preise pro Liter Milch in den vergangenen Monaten leicht erholt, doch so richtig scheint niemand an eine bessere Zukunft zu glauben. Bei der gestrigen Mitgliederversammlung der Milcherzeugergemeinschaft (MeG) Lüneburg blieb selbst Molkerei-Vertreter Hans-Helmut Stuck beim Ausblick auf den Milchmarkt skeptisch. Seine Prognose: „Wir sind noch nicht über den Berg.“

Ein Jahr zuvor war es ebenfalls Stuck, der den Landwirten prophezeite: „Ich sehe für 2016 kein Licht am Ende des Tunnels.“ Gestern genügte ein Blick auf die Mitgliederzahlen der MeG, um zu erkennen, wie recht er hatte: Der Milchpreis sank für die Lüneburger auf einen Jahresschnitt von 25,32 Cent pro Liter, die Zahl der Milchbauern in der Liefergemeinschaft fiel von 61 auf aktuell 56. Sieben Landwirte sind 2016 endgültig aus der Milchproduktion ausgestiegen – und auch wenn es niemand offiziell gesagt hat: An ein Ende des Höfesterbens scheint keiner mehr zu glauben.
Stuck als Leiter Milchverwaltung beim Mutterkonzern der Lüneburger Molkerei, der Hochwald GmbH, ist allerdings auch überzeugt: Die Bauern haben ihr Schicksal ein Stück weit selbst in der Hand. „Der Markt verträgt aktuell keine Steigerung der Milchmenge“, sagte er. „Und wenn die Bauern 2017 beim Melken wieder Gas geben, wird der Markt kippen.“ Die nächste Krise wäre programmiert.

„Wir arbeiten daran, dass wir in Zukunft für alle unsere Milchbetriebe langfristig Milchpreise über dem Durchschnitt durchsetzen können.“
Hans-Helmut Stuck, Hochwald

Vorerst allerdings rechnet der Fachmann mit einer weiteren Erholung der Preise und nannte dafür im Wesentlichen drei Gründe: „Der chinesische Markt fragt wieder mehr nach, die Schwellenländer sind dank des gestiegenen Ölpreises wieder besser in der Lage, Milchprodukte einzuführen.“ Und: „Die Milchmenge ist gesunken.“ Zusammengenommen eine für die Landwirte positive Entwicklung.

Janes Wentzien vom Hochwald-Werk in Lüneburg (r.) zeichnete die Landwirte mit der besten Milch aus (v.l.): Thomas Soetbeer (Keimzahl 6000), Klaus Meyn (Zellzahl 76.000), Susanne Blecken (Zellzahl 126.000) und Rolf Müller (Keimzahl 6000). Foto: t&w

Wie lange diese Situation anhält, konnte auch Stuck nicht vorhersagen, mahnte aber: „Stabilität zeichnet sich leider nicht ab.“ Gleichzeitig versicherte er den Milcherzeugern: „Wir arbeiten daran, dass wir in Zukunft für alle unsere Milchbetriebe langfristig überdurchschnittliche Milchpreise durchsetzen können.“ Hochwald als eine der großen deutschen Molkereien habe unter der neuen Geschäftsführung den bisherigen Wachstumskurs verlassen und arbeite an einer „Strategie 2020“. Oberstes Ziel dabei: Aus der Milch den bestmöglichsten Preis herauszuholen.

Ein Prozess, der das Unternehmen laut Stuck grundlegend verändern wird. „Wir werden jeden unserer Standorte intensiv durchleuchten und die Entscheidung dazu zeitnah bekannt geben.“ Was das für das Lüneburger Werk bedeuten wird, dazu konnte oder wollte sich der Molkerei-Vertreter nicht äußern. Dafür verriet sein Kollege Janes Wentzien in seinem Bericht über die Situation vor Ort zumindest so viel: Hochwald investiert weiter in seinen Lüneburger Standort. Konkret sollen nach 875 000 Euro und rund 1,26 Millionen in den vergangenen beiden Jahren 2017 erneut mehr als zwei Millionen Euro in das Werk fließen.

Vertreten wird die MeG Lüneburg in Zukunft durch zwei neue Vorstandsmitglieder: Wolfgang Dittmer aus Lüdershausen und Gerd Meyer aus Hohenbostel haben die Milcherzeugung aufgegeben und standen nicht mehr zur Wiederwahl. Ihre Vorstandsposten übernommen haben Klaus Meyn aus Wittorf und Karl Meyer aus Bargdorf.

Von Anna Sprockhoff