Angefangen mit dem Schreiben hat Jasmin Curtz schon in der Grundschule. Schon früh erntete sie dafür auch Anerkennung. Die LZ veröffentlicht hier eine Leseprobe ihres aktuellen Romanes. Foto: t&w

Die fantastische Welt der Jasmin + + + Mit Leseprobe

Von Alexander Hempelmann
Lüneburg. Ihr erstes großes Werk hat sie gerade beendet. 842 Seiten stark, ein Fantasy-Roman mit dem Titel „Drachenkopf“. Ein Jahr Arbeit steckt drin. Doch an Ausruhen mag Jasmin Curtz nicht denken, sie hat noch viele Ideen im Kopf, wie es mit der Protagonistin weitergehen könnte. So viele, dass es nicht bloß eine, sondern zwei Fortsetzungen geben wird, kündigt sie an. Die 16-Jährige sprüht vor Tatendrang, wenn sie mal nicht an ihrer Geschichte schreibt oder eigene Gedichte verfasst, komponiert sie mehrspurige Musikstücke für Orchester.

An manchen Stellen geht es recht brutal zu

Die Hauptfigur ihres Romans heißt wie sie Jasmin. „Reiner Zufall“, sagt sie und lacht. Die erfundene Jasmin – da enden die Gemeinsamkeiten – ist ein Waisenmädchen, das sich einer Magiergilde anschließt und auf die Schattenwölfe trifft. Denen will sie das Handwerk legen, denn als Antagonisten zum Waisenmädchen treiben sie ein übles Spiel, ziehen raubend und lynchend durch die Lande. Dabei geht ganz schön zur Sache. „Manchmal sind die Szenen recht brutal“, sagt Mama Bettina, die neben einer guten Freundin und der Schwester stets zu den ersten Leserinnen gehört, wenn wieder ein Kapitel fertig ist. „Meistens sind sie begeistert, gelegentlich aber auch schockiert, wenn es mal etwas heftig wird“, bestätigt die junge Autorin. Der Stoff sei eben nichts für Kinder, eher etwas für junge Erwachsene. Auch wenn die Geschichte so klingt wie eine Mischung aus Harry Potter und Game of Thrones winkt die Schülerin des Johanneums ab. Nein, Jasmins Abenteuer seien schon etwas anderes.

Während andere Jugendliche ihres Alters froh sind, wenn sie nach acht Stunden Unterricht endlich mal nicht mehr schreiben müssen, gehen Jasmin oft schon auf dem Heimweg mit dem Fahrrad Ideen für weitere Abenteuer ihrer Namensvetterin durch den Kopf, die sie dann, kaum zu Hause angekommen, auf ihrem Laptop in Worte fasst. „Neulich habe ich meine Freundin ganz schlimm gespoilert“, sagt sie und meint, dass sie Teile der Handlung schon weit im Voraus verraten habe. Auch in den Ferien ist sie keine, die nur im Freibad herumhängt oder mit Freundinnen chillt. „Im vergangenen Sommer habe ich da fast durchgehend geschrieben“, erzählt sie. „Ich kann sehr schwer entspannen. Pausen gibt‘s bei mir eigentlich nicht, außer vielleicht in den Klausurphasen, da bin ich durch den Stress nicht ganz so kreativ.“

Angefangen mit dem Schreiben hat sie schon in der Grundschule. Schon früh erntete sie dafür auch Anerkennung. Die LZ hatte vor sieben Jahren unter der Überschrift „Den Kopf voller toller Geschichten“ über Jasmin berichtet, damals hatte sie schon eine 100 Seiten lange Geschichte geschrieben und prompt einen Preis bei einem Schüler-Schreibwettbewerb ergattert. „Ich will Autorin werden“, hatte sie dem LZ-Redakteur damals in den Block diktiert. An der Leidenschaft für das Schreiben hat sich seither nichts geändert, aber die angehende Abiturientin sagt heute auch: „Ich möchte Medizintechnik studieren. Das inte-ressiert mich sehr, und von der Kunst kann man ja vermutlich nicht leben.“ Erfolg sei als Autorin schließlich nicht planbar, „deswegen wird es wohl ein Hobby bleiben“.

Schreiben möchte sie aber unbedingt weiterhin, hofft auch darauf, dass sie einen Verlag findet, der ihre Geschichte vom Waisenmädchen Jasmin herausbringen möchte. „Aber in erster Linie geht es mir nicht darum, dass ich davon leben könnte. Ich will nur, dass es gesehen wird.“

Schon im Grundschulalter als Autorin ausgezeichnet

Diese Anerkennung wünscht ihr auch Mutter Bettina – für das Schreiben und auch für das Komponieren, die zweite große Leidenschaft ihrer Tochter. „Da ist sie auch sehr begabt“, sagt sie stolz. „Sie komponiert schon mal Orchesterstücke für 24 Instrumente, hat damit auch beim Wettbewerb ‚Jugend komponiert‘ teilgenommen. Leider hat sie eine Absage erhalten. Ich hatte den Eindruck, dass die vermutet haben, dass sowas nicht von einer 16-Jährigen stammen kann. Zumal wenn man sich mal anschaut, welche Werke dann gewinnen.“

Dabei habe sie erst mit 15 begonnen, mal ein bisschen auf dem Keyboard herumzuklimpern. „Nicht mal besonders gut“, sagt Jasmin. „Vorher habe ich mich nicht sonderlich für Musik interessiert, Noten konnte ich bis dahin gar nicht, eine Viertel- oder Achtelnote erkennen – ja, aber das echte Verständnis habe ich mir erst nach und nach angeeignet.“ Inzwischen spielt sie auch auf der Tin Whistle, eine von den britischen Inseln stammende Flöte, hat für die Schule schon ein Musical komponiert, bei Youtube habe sie einen eigenen Kanal. Die Gymnasiastin ist schon jetzt überzeugt: „Das Komponieren mache ich wahrscheinlich bis ans Ende meines Lebens.“

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