Mittwoch , 23. September 2020
Peter Szekeres organisiert in Lüneburg ein Saatgutfestival. Er ist selbst leidenschaftlicher Gärtner. Foto: t&w

Lüneburg: Erstes Festival für Saatgut kommt

Lüneburg. Peter Szekeres schmeckt den Unterschied zwischen dem Angebot in Einkaufsläden und dem eigenen Anbau vor allem bei Tomaten. Im Handel würden die Geschmacksspitzen fehlen, im Garten habe man „mal knackesüße Tomaten, mal ganz saure“, sagt der Diplombiologe, der die Freude am Gärtnern in Lüneburg jetzt durch ein Saatgutfestival aufleben lassen möchte. Am Sonnabend, 18. Februar, von 12 bis 16 Uhr präsentieren sich im e.novum, Munstermannskamp 1, 25 Initiativen, Vereine, Betriebe und Genossenschaften. Auch kann fleißig Saatgut getauscht werden.

Von mehr als 200 Züchtern ist gerade mal einer geblieben

Szekeres, der auch als Museumsgestalter tätig ist, dabei unter anderem Ausstellungen plant, ist privat vor allem passionierter Gärtner. Er ist sich sicher, dass die Themen Landwirtschaft und Naturschutz zurzeit „in aller Munde sind“. Jede Privatperson könne dazu einen Beitrag leisten, beispielsweise selbst Gemüse und Obst anbauen. „Es gibt so viele leckere Sorten“, sagt der Hobbygärtner, der seine Familie neben Tomaten auch mit Kräutern und Salat aus dem eigenen Garten versorgen kann. Der Geschmack sei ein ganz anderer, was vor allem daran liege, dass der Handel seine Produkte vorrangig nach Transportfähigkeit und Haltbarkeit aussuche.

Ein farbenfroher Anblick: Auf dem Lüneburger Saatgutfestival werden rund 120 verschiedene Bohnensorten vertreten sein. Organisator Peter Szekeres will damit aufzeigen, dass es mehr gibt, als nur die industrielle Buschbohne.

Er sieht in der Ernährungsbranche eine Schere, die sich immer weiter öffnet. Auf der einen Seite seien die großen Firmen, die Geld über Masse machen, Produkte daher sehr günstig anbieten können. Auf der anderen Seite seien edle, schöne und vor allem sehr teure Angebote. „Das Mittelfeld bricht weg, und das ist schade.“ Genau deshalb wolle er mithilfe eines Saatgutfestivals lokale Betriebe unterstützen und Landwirtschaft fördern, die nach alternativen Wegen sucht.

Der Organisator hofft, dass das Festival „ein bisschen wie auf dem Land abläuft“. Denn da sei es üblich, Sachen zu verschenken, dem Nachbarn mal eben etwas über den Zaun zu reichen. „Man soll sich alles nehmen und auch tauschen dürfen.“ Alles, was im Garten angebaut werden kann, darf an diesem Tag mitgebracht werden. Szekeres nennt mit Kartoffeln, Zwiebeln, Stauden, Äpfeln, Beeren und Knollen nur einige Beispiele. Er hofft aber auch, alte Sorten, die längst in Vergessenheit geraten sind, wiederzuentdecken. „In den 70er-Jahren gab es hier die Deutsch-Evern-Erdbeere, eine sehr beliebte Sorte, die man heute eigentlich nicht mehr kaufen kann.“ Auch habe es früher auf dem Acker die Lüneburger Pferdebohne gegeben. „In Bardowick lebten damals noch 200 bis 300 Saatgutzüchter, heute gibt es nur noch einen“, sagt Peter Szekeres, der diese Entwicklung bedauert. „Saatgut ist heute eine reine Monopolsache von fünf großen Firmen, dabei geht natürlich die Vielfalt verloren.“

Vorträge, Info-Stände und Workshops

Das Besondere an alten Sorten sei auch die Anpassungsfähigkeit, verdeutlicht der Biologe, „außerdem reifen sie unterschiedlich, die Pflanzen werden unterschiedlich groß, sind anders gegen Krankheiten resistent“. Wenn man eine neue Sorte anbaue, würde jede Pflanze gleich aussehen. Kaufe man beispielsweise eine Tüte Saatgut im Baumarkt, kämen die Samen oft aus Südeuropa oder Ägypten. Um diese in Norddeutschland auszusäen, müssen sie das gänzlich andere Klima auch aushalten können. „Da sind die alten Sorten einfach viel anpassungsfähiger, sie wachsen auch im Lüneburger Sand.“

Neben den vielen Ständen an denen sich unter anderem der Lüneburger Streuobstwiesenverein, das Netzwerk Blühende Landschaft, das Freilichtmuseum Kiekeberg, der Kleingärtner-Bezirksverband oder der Gärtnerhof Bienenbüttel präsentieren, werden den Besuchern auch verschiedene Vorträge geboten. Darin geht es beispielsweise um Tipps zum Tomaten-Anbau, Gärtnern auf Lüneburger Sand, Trockenmauerbau oder Saatgut zum Selbermachen. Zudem wird es Workshops zur Apfelreiserveredlung, eine gleichnamige Tauschbörse, einen öffentlichen Saatguttisch zum Tauschen, eine Schau von Winteräpfeln, -kürbissen und Kartoffeln und über 120 Bohnensorten geben. Auch kann man sich beraten lassen, wie man am besten einen Garten anlegt oder mit Pflanzenkrankheiten umgeht. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Von Anna Paarmann