Nichts für Fahranfänger: Rampen und Parkflächen sind im Parkhaus bei Karstadt sehr knapp bemessen. Beim Ein- und Aussteigen ist oft Geschicklichkeit gefragt. Foto: t&w

Es wird eng in Lüneburger Parkhäusern

Lüneburg. Für Silke Wöhling beginnt der Krankenbesuch mit Stress. „Das ist eine Katastrophe“, schimpft die Uelzenerin, als sie im Parkhaus am Klinikum aus ihrem VW Polo steigt. Dreimal ist sie vor- und zurückgefahren, um ihren Kleinwagen in die enge Parklücke zu manövrieren. „Die Einparkhilfe hat die ganze Zeit laut gepiept wegen dieser Säule hier“, sagt sie und zeigt auf einen von vielen eisernen Pfeilern, die die Parkplätze von einander abgrenzen. Ein großer Teil davon ist nur 2,20 Meter breit, selbst Silke Wöhling bleiben mit ihrem eher schmalen Polo an jeder Seite gerade mal 15 Zentimeter.

Zwei Drittel der Parkplätze unter dem Standard

Wie ein Test der LZ ergab (siehe Kasten), sind Parkplätze mit dieser Breite in Lüneburg keine Seltenheit, zwei Drittel der ausgemessenen Stellflächen hatten lediglich eine Breite von 2,20 Metern ­– und liegen damit unter dem heutigen Standard von 2,30 Metern. Der ADAC empfiehlt Parkhausbetreibern sogar, Abstände von 2,50 Meter einzuhalten, immerhin werden die Autos immer breiter. „Bei den Neuwagen sind zwei Drittel mittlerweile breiter als zwei Meter. Das wird bei Baustellen relevant, wo diese Autos häufig gar nicht fahren dürften. Und natürlich führen große Fahrzeuge auch zu einer sehr angespannten Parksituation“, erklärt Hans Duschl vom ADAC Hansa. Warum die Autos immer voluminöser werden? Ein „sicheres und komfortableres Fahrgefühl“ sei mit Sicherheit ein Grund, aber auch die Technik wie zum Beispiel ein verbesserter Aufprallschutz mache die Wagen breiter. So hat selbst der VW Golf seit den 70er-Jahren insgesamt 15 Zentimeter „zugelegt“.

Gleichgeblieben sind dagegen viele Parkplätze. Besonders deutlich wird das in Lüneburg am Karstadt-Parkhaus, dessen fast schon historische Enge vermuten lässt, dass der Architekt sich nicht hat träumen lässen, wie sich hier im Jahr 2017 Geländewagen, SUV genannt, die Rampen hochschlängeln. „Bitte nur vorwärts einparken“, steht zur Sicherheit an einer Vielzahl der Stellplätze, die ebenfalls mit 2,20 Meter knapp bemessen sind und aufgrund der abgrenzenden Wände keinerlei Spielraum lassen. Ergebnis: Viele große Autos blockieren hier zwei Parkplätze, Stellflächen direkt an der Wand bleiben häufig frei.

Mit größeren Fahrzeugen lieber aufs obere Deck

Ein Problem, das auch Betreibern von Parkplätzen bewusst ist. „Die Autos haben sich verändert, aber die Gebäude können sich nicht immer mitverändern“, sagt Desirée Neumann, die als Betriebsleiterin bei Lüneparken für insgesamt vier Parkhäuser zuständig ist. „Am Rathaus und am Bahnhof haben wir zum Glück schneckenförmige Gebäude, da ist auch Platz für größere Autos. Aber am Klinikum haben wir nun mal die Säulen als Abgrenzung für die Parkplätze, daran kann man nichts ändern. Da können wir den größeren Autos nur raten, aufs obere Deck zu fahren“, empfiehlt Neumann.

Auch Silke Wöhling hat darüber als regelmäßige Besucherin des Krankenhauses schon nachgedacht: „Meine Arbeitskollegin hat mir allerdings davon abgeraten, weil auch die Rampen sehr eng sind.“ Parken in der Hansestadt bleibt also ein Gesprächsthema. Selbst für diejenigen, die einen ganz normalen Kleinwagen fahren.

Von Manuela Gaedicke

So breit sind die Parkhäuser und -plätze

  • Lünepark: 2,35 m
  • Wasserturm: 2,20 m - 2,50 m
  • Klinikum: 2,20 m - 2,30 m
  • Karstadt: 2,20 m - 2,30 m
  • Behördenzentrum: 2,20 m
  • Salü: 2,20 m - 2,90 m

    Quelle: eigene Stichprobe

So breit sind die Autos

  • Fiat Panda: 1,89 m
  • Audi A3: 1,97 m
  • Opel Astra: 2,02 m
  • Toyota Auris: 2,06 m
  • Ford Mondeo: 2,10 m
  • VW Touareg: 2,22 m

    Quelle: ADAC, alle Angaben inkl. Spiegel