Donnerstag , 1. Oktober 2020
Maike Sabotta (r.) macht bei der Hamburger Hochbahn eine Ausbildung zur Mechatronikerin und hilft am Stand des Unternehmens. Dort zeigt ihr Schülerin Gesa Möhlmann (17) ihr feinmotorisches Können. Foto: t&w

Lüneburg: Job-Börse zeigt Vielfalt der Berufswelt

Lüneburg. Noch weiß Amin Zoubeidi nicht, was er später werden möchte. Der 15-Jährige könnte sich aber die Film- und Audiobearbeitung als Berufsfeld vorstellen, auch die Polizei interessiert ihn. „Mal schauen, welchen Weg ich einschlage“, sagt der Neuntklässler, der sich jetzt auf der Berufs-Informations-Börse in der Wilhelm-Raabe-Schule umgesehen hat. 60 Aussteller waren dort vertreten, zudem wurden 40 Vorträge gehalten, um Schülern eine Orientierungshilfe bei der späteren Berufswahl zu geben. Organisiert wurde die Börse, die nun zum 11. Mal stattfand, von acht Müttern und Vätern.

Das Angebot war vielfältig und regionaler als in den Vorjahren: Mit dabei waren unter anderem Agentur für Arbeit, AOK, Avacon AG, Finanzamt, Gesundheitsholding Lüneburg, Land Niedersachsen, Leuphana Universität und Landgericht. Auch die Sieb & Meyer AG, Polizei, Sparkasse und SternPartner hatten einen Stand aufgebaut. Claas Gade, der die 9. Klasse des Johanneums besucht, war mit der Auswahl zufrieden. Der 14-Jährige lief viele Stände an, „um sich Näheres zu den Berufen“ erzählen zu lassen. „Ich könnte mir vorstellen, später im technischen Bereich zu arbeiten“, sagte der Neuntklässler, den ein Studium mehr reizt als eine Ausbildung.

„Es ist heutzutage schwer, qualifizierte Bewerber zu finden.“
Christine Stüwe, Ausbilderin

Viele technische Berufe bietet die Hamburger Hochbahn, die für den öffentlichen Personennahverkehr zuständig ist. Das Unternehmen war zum ersten Mal dabei, Berufsausbilderin Christine Stüwe: „Es ist heutzutage schwer, qualifizierte Bewerber zu finden. Der Herzschlag fehlt, wir suchen Leute, die richtig Lust haben“. Dabei sei das Angebot der Hochbahn, die mehr als 5000 Mitarbeiter beschäftigt, vielfältig. „Wir bieten Berufsausbildungen im gewerblichen, technischen und kaufmännischen Bereich, außerdem duale Studiengänge.“

Dass die Info-Börse in Lüneburg vorwiegend für Schüler ab Klassenstufe 9 gedacht ist, begrüßt Christine Stüwe. „Es ist wichtig, früh Interesse zu wecken, mit einem ersten Praktikum zu schauen, ob es wirklich passt.“ Häufig mache sie die Erfahrung, dass die treibende Kraft eher die Eltern seien.

Maike Sabotta aus Lüneburg absolviert zurzeit eine Ausbildung als Mechatronikerin bei der Hochbahn. Sie informierte die Schülerin Gesa Möhlmann, die sich gut vorstellen könnte, eines Tages in einem technischen Beruf zu arbeiten. „Das ist doch die Zukunft“, sagt die 17-Jährige. Auch Biologie und Chemie interessieren die Zwölft­klässlerin des Gymnasiums Oedeme.

Etwas ruhiger war es im Erdgeschoss bei dem Kunstsachverständigen Klaus-Dieter Müller. Ein indischer Porzellan-Elefant und ein altes Gemälde in einem goldfarbenen Rahmen weckten aber das Interesse von Melissa Bilkay (17). „Ich bin zwar künstlerisch nicht begabt, aber ich schaue gern amerikanische Serien, in denen Kunstwerke auf ihre Echtheit überprüft werden“, sagte die Raabe-Schülerin. Damit konnte Müller dienen: „Ich bin jemand, der besondere Sachkenntnisse im Bereich Kunst hat. Meine Aufgabe ist es, ein Muster zu erkennen, herauszufinden, ob etwas echt oder gefälscht ist.“ Auch müsse er begründen können, warum er dieser Meinung sei. Sein Tipp für Interessierte: Zunächst als Lagerist oder Restaurator in einem Auktionshaus arbeiten, „um den Umgang mit dem Gegenstand zu erlernen“.

Mit dem Verlauf der Börse war Mitorganisator Bernhard Fischer-Wasels zufrieden, er zählte etwa 1000 Besucher. Das diesjährige Event hatte ein neues Organisations-Team geplant, auch war erstmals die Integrierte Gesamtschule Lüneburg dabei. „Wir wollen den Fokus nicht mehr nur auf Gymnasien legen“, begründete Fischer-Wasels und ergänzte, dass man nicht mehr nur in Richtung Studium informieren, sondern auch Ausbildungen vorstellen wolle. Bislang fand die Info-Börse abwechselnd in der Wilhelm-Raabe-Schule, dem Johanneum und Gymnasium Oedeme statt. Im nächsten Jahr sollen sich die Schüler in der IGS in Kaltenmoor informieren können.