Grippewelle schwappt auf Lüneburg zu

Lüneburg. Das Wartezimmer ist voller als sonst. Hustende Patienten, die über eine verstopfte Nase und Fieber klagen, hat Christian Gade zuletzt viele erlebt. "Wir haben seit Bestehen der Praxis in einem Januar noch nie so viele grippale Infekte behandelt", erzählt der Allgemeinmediziner. Seit zwei Wochen habe nun auch die Anzahl der echten Grippefälle zugenommen. "Wobei die Dunkelziffer da recht hoch ist. Man macht natürlich nicht bei jedem Patienten einen Abstrich, um das zu testen. In der Behandlung würde das nichts ändern."

Impfstoff wird erst nach zwei Wochen wirksam

Eine echte Grippe mache sich meistens schlagartig bemerkbar. "Es geht dabei eher um Fieber, Kopfschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl", sagt Gade. Das habe zum Teil auch Leute getroffen, die sich gegen die Grippe haben impfen lassen ­ dann allerdings in abgeschwächter Form. "Wir haben dieses Jahr die Erfahrung gemacht, dass der Impfstoff nicht hundertprozentig passt, weil das Virus offenbar mutiert ist." Eine Impfung würde er deshalb jetzt nur noch Risiko-Patienten und chronisch Kranken empfehlen, da der Impfstoff auch zwei Wochen brauche, um seine Wirkung zu entfalten.

Anders sieht es das Lüneburger Gesundheitsamt. Eine Impfung ergebe auch jetzt noch Sinn, "denn die Grippe-Saison geht meist bis in den April", sagt Leiterin Dr. Marion Wunderlich. Zwar scheint die aktuelle Lage in Lüneburg wie eine LZ-Umfrage bei Ärzten ergab noch nicht überall so akut wie bei Christian Gade, allerdings seien in Frankreich bereits viele Grippe-Patienten auf eine Krankenhaus-Behandlung angewiesen. "Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass in dieser Grippe-Saison mehr Patienten als sonst einen schweren Krankheitsverlauf haben", befürchtet Wunderlich. Eine Grippe verlaufe in der Regel wie eine starke Erkältung. "Das Virus kann jedoch den Herzmuskel angreifen. Zudem schwächt die Erkrankung das Immunsystem. Dadurch kann es zu Komplikationen kommen."

Neben der Impfung gebe es noch andere Präventionsmaßnahmen. "Besonders im Winter sollte jeder sein Immunsystem stärken", rät die Medizinerin. "Gesunde Ernährung, Bewegung an der frischen Luft und ausreichend Schlaf tragen dazu bei." Ist die Grippe erst einmal da, setzen viele Ärzte eher auf natürliche Maßnahmen statt Medikamente. "Gesund essen, viel trinken, heiße Suppe. Ganz einfach", rät Allgemeinmedizinerin Heike Lohmeier aus Lüneburg. Auch sie behandelt derzeit viele Patienten mit typischen Grippe-Symptomen und rät ihnen, sich auszuruhen, bis sie sich besser fühlen. "Bei einigen ist es nach ein paar Tagen weg, andere brauchen mehrere Wochen. Das kann unterschiedlich sein."

Nutzen vieler Erkältungsmittel gering

Auch Christian Gade beobachtet bei den Verläufen der Krankheit Unterschiede. Medizin aus der Apotheke einzunehmen, bringe allerdings nur bedingt etwas. "Der Nutzen vieler Erkältungsmittel ist gering. Vor allem die Schleimlöser sind umstritten, da würde ich eher etwas auf Basis ätherischer Öle empfehlen. Ansonsten etwas zum Fiebersenken, damit der Kreislauf nicht so leidet." Der Mediziner rät seinen Patienten vor allem eins: Auf jeden Fall so lange im Bett bleiben, bis das Fieber weg ist.

Von Manuela Gaedicke

Ausbreitung

Die Grippewelle rollt langsam in Richtung Norden. Laut einer Grafik des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist die Zahl der Erkrankungen im Landkreis Lüneburg wie in weiten Teilen Niedersachsens bislang leicht erhöht. Die Fälle häufen sich im Moment eher im Süden und im Osten Deutschlands.

Bislang gehen 126 Todesfälle auf das Konto der Erkrankung. Fast alle Betroffenen waren mindestens 60 Jahre alt. Häufiger als diese Altersgruppe erkrankten derzeit nur Schulkinder an Grippe, sagt eine Sprecherin des RKI. Wie schon in der Saison 2014/15 kursiert aktuell vorrangig der Virustyp A (H3N2). Er macht insbesondere Älteren zu schaffen, die bei einer Infektion das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. lz/dpa