Mittwoch , 30. September 2020
Entspannt lächelt Andrea Schröder-Ehlers, die seit 2008 Mitglied des niedersächsischen Landtags ist, nach ihrer Kandidatenkür in die Kamera. Foto: t&w

Schröder-Ehlers SPD-Kandidatin für Landtagswahlkampf

Lüneburg. Er saß ihr im Nacken. Spökenkieker mögen schon in der Sitzordnung bei der Wahlkreiskonferenz der SPD zur Kür des Landtagskandidaten ein Omen gesehen haben. In der ersten Reihe die amtierende Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers. Direkt dahinter Konkurrent Friedrich von Mansberg. Genau so knapp fiel das Ergebnis aus: 21 votierten für Schröder-Ehlers als Direktkandidatin im Wahlkreis Lüneburg. 18 für von Mansberg. Es gab eine Enthaltung. Entschieden haben Delegierte aus den Ortsvereinen Lüneburg, Bardowick, Gellersen und Amelinghausen im Kunstsaal im Lünepark. Schröder-Ehlers hat also zwei Aufträge, Vertrauen zurückgewinnen und Wahl gewinnen.

Versammlungsleiterin Hiltrud Lotze lobte die faire Auseinandersetzung in den vergangenen Wochen. „Jetzt geht es los. Wir wollen in eine Richtung marschieren, dabei setze ich auf Eure Unterstützung“, schwor sie ein.
In ihrer Bewerbungsrede machte Andrea Schröder-Ehlers deutlich, dass die SPD mit dem neuen Vorsitzenden und Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Aufwind sei. Diesen Aufschwung wolle man für die Landtagswahl mitnehmen. Schulz spreche ihr aus dem Herzen, wenn er soziale Gerechtigkeit wieder zum Schwerpunktthema mache. Wie man Dr. Bernd Althusmann, Spitzenkandidat der CDU im Landtagswahlkampf, besiegen könne, „haben wir in der Region bewiesen“.

Soziale Gerechtigkeit ist der Schwerpunkt

Die SPD-Politikerin erinnerte selbstbewusst daran, dass sie ihre Ergebnisse immer gesteigert habe. In Hannover habe Rot-Grün viel erreicht, unter anderem seien 12000 Kitaplätze geschaffen worden, G9 wieder eingeführt und die Studiengebühren abgeschafft, ein soziales Wohnungsbauprogramm aufgelegt worden und die Innere Sicherheit durch mehr Polizisten gestärkt worden.

Mit Blick nach vorne gehe es nun darum, die Lebensbedingungen weiter zu verbessern. Dazu gehöre die Abschaffung der Kita-Gebühren, der Ausbau des sozialen Wohnungsbauprogramms, die Verbesserung der ärztlichen Versorgung und Pflege, die Sanierung von Straßen und Brücken, Verbesserung des ÖPNV, Ausbau der Breitbandversorgung. „Außerdem brauchen wir einen neuen kommunalen Finanzausgleich. Hier darf nicht Mangel verwaltet werden.“

Große Sorgen bereite ihr der Rechtspopulismus. „Mit dem Neustart von Martin Schulz und dem Schwerpunkt soziale Gerechtigkeit werden wir die AfD unter fünf Prozent drücken.“ Schröder-Ehlers versprach den Genossen: „Mit meinen Erfahrungen und meinem Netzwerk will ich den roten Wahlkreis wieder erobern.“

Ihr Kontrahent Friedrich von Mansberg hielt entgegen: „Wir hier aus der Region Lüneburg sind nicht gut gehört, nicht gut vertreten worden in Hannover. Wir bleiben nur dann ein roter Wahlkreis, wenn wir mit unseren Themen durchdringen.“ Er wolle eine laute, engagierte Stimme für die Region in Hannover sein. In den vergangenen Monaten habe er viele „Zukunftsgespräche“ innerhalb der Partei und mit Bürgern geführt, dabei erfahren, was den Menschen auf den Nägeln brennt. Für diese Themen wolle er sich stark machen. Ausgangspunkt für alles dabei sei mehr soziale Gerechtigkeit.

Herausforderer wollte laute Stimme für Region sein

Als Abgeordneter werde er sich unter anderem energisch dafür einsetzen, „dass hier die Unterrichtsversorgung besser wird“. Ähnliches gelte für die Schulsozialarbeit. Als stellvertretender Intendant des Lüneburger Theaters habe er in den vergangenen Jahren intensiv für eine auskömmliche Finanzierung gekämpft. Doch die reiche bei weitem noch nicht, wenn eine faire Bezahlung der Mitarbeiter gewährleistet sein solle, „ein Stück soziale Gerechtigkeit“.

Um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen, müssten die Kommunen dauerhaft finanziell besser ausgestattet werden, betonte auch von Mansberg. Er stehe für eine schrittweise Gebührenfreiheit der Kitas, doch die Kommunen dürften nicht auf den Kosten sitzen bleiben. Wichtig sei es auch, dass die Integration von Geflüchteten gelinge, ohne dass Bürger das Gefühl bekommen würden, es ginge zu ihren Lasten. Ein klares Bekenntnis zur A39, ein klares Nein zu mehr Güterverkehr auf der jetzigen Trasse im Rahmen der Alpha-E-Variante. Empört zeigte er sich erneut über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wie jüngst von einem Vertreter der AfD im Rat geäußert. „Die sind auch hier vor Ort kein bisschen harmlos, wir werden uns mit allen demokratischen Mitteln zur Wehr setzen müssen.“

Doch am Ende quittierte Mansbergs Appell an die Genossen, mit ihm gemeinsam für das Lüneburger Land und die SPD zu kämpfen, eine knappe Mehrheit mit Nein.

Von Antje Schäfer