Der Landesrechnungshof nennt die Leuphana als Negativ-Beispiel für das Modell Stiftungsuniversität. Foto: A/t&w

Stiftungshochschulen – doch ein Irrweg?

Lüneburg. Fünf Stiftungshochschulen gibt es in Niedersachsen, die Leuphana ist eine davon. Das Stiftungsmodell als solches wird zurzeit stark in Frage gestellt, der Landesrechnungshof hat jüngst vorgeschlagen, in einer Evaluation zu prüfen, ob daran festgehalten werden sollte. Nach Zustimmung des Landtages hat die Landesregierung die Wissenschaftliche Kommission gebeten, eine solche Beurteilung zu übernehmen. Spätestens zum 30. Juni 2018 soll sie vorliegen.

Hochschulen haben kaum Mittel eingeworben

Zur Geschichte: 2002 ermöglichte eine Hochschulgesetznovelle den staatlichen Hochschulen, auf Wunsch in die Rechtsform einer rechtsfähigen Stiftung des öffentlichen Rechts überführt zu werden. Damit waren aber auch Erwartungen verbunden, beispielsweise, dass sie das Vermögen, was sie vom Land erhalten, durch Einwerbungen von Zustiftungen mehren.

Acht Seiten hat der Landesrechnungshof dem Thema „Stiftungshochschulen – ein Irrweg“ in seinem Jahresbericht gewidmet. Die Erwartungen hätten sich nicht erfüllt, lautet sein Fazit. Kritisiert werden vor allem die geringen Zustiftungen von Dritten. Im Betrachtungszeitraum von 2003 bis 2013 sei es lediglich den Universitäten Göttingen, Hildesheim und der Tierärztlichen Hochschule Hannover gelungen, Mittel einzuwerben – allerdings nur insgesamt 1,24 Millionen Euro. „Der ganz überwiegende Teil des Stiftungsvermögens basiert vielmehr auf der Umschichtung von Landesmitteln“, heißt es. „Angesichts des erheblichen Sanierungsbedarfs der Liegenschaften vieler Hochschulen, dem Investitionsstau in anderen Bereichen der Landesverwaltung sowie der ab 2020 einzuhaltenden Schuldenbremse erscheint die Generierung von Stiftungsvermögen durch Umschichtung überschüssiger Landesmittel ... fragwürdig.“

Der Wechsel in die Trägerschaft einer Stiftung sei bei einigen Hochschulen auch mit einem Mentalitätswechsel einhergegangen. „Probleme bereiteten die neu gewonnenen Freiheiten bisweilen insbesondere bei der Einhaltung der Rechtsordnung“, schreibt der Landesrechnungshof. Verschiedene Stiftungshochschulen seien bei der Besoldung ihrer hauptamtlichen Präsidiumsmitglieder erheblich von den Vorgaben des Ministeriums abgewichen. Auch der Stiftungsrat – er hat in dieser Rechtsform die Aufsicht – wird kritisiert. Das Gremium habe sich aufgrund fehlenden Fachwissens bisweilen als „überfordert“ erwiesen.

Nach fast 14-jähriger Erfahrung mit Stiftungshochschulen falle ein Fazit daher ernüchternd aus. Der Landesrechnungshof nennt als Negativ-Beispiel neben Göttingen auch die Leuphana.

Das sagt das Ministerium

Im Gegensatz zum Landesrechnungshof ist das Ministerium für Wissenschaft und Kultur der Auffassung, dass sich das Modell der Stiftungshochschulen „im Grundsatz bewährt“ habe. Zur Entwicklung des Stiftungskapitals heißt es, dass die Entwicklung seit Errichtung der Hochschulstiftungen inbesondere im internationalen Vergleich und mit Blick auf eine sich in Deutschland erst allmählich entwickelnde Stiftungskultur nicht repräsentativ sei.

Auch habe der Fokus der Tätigkeit nach der Stiftungsgründung nicht primär auf der Akquise zusätzlicher privater Mittel gelegen. Das Ministerium lobt zudem die erfolgreiche Forschung und Lehre der Stiftungshochschulen.