Donnerstag , 1. Oktober 2020
Für sie geht es weiter zum Landeswettbewerb: Julian Burk (v.l.), Lukas Lüttchens, Lukas Bunten, Fynn Kunadt, Kevin Balybin, Paul Dargel, Heidelinde Fachmann, Elias Gleditzsch, Maya Leu, Carl Weiß und Constantin von Estorff. Sie wurden jetzt in der Leuphana Universität geehrt. Foto: t&w

Jugend forscht: Sieg für das chaotische Doppelpendel

Lüneburg. Nicht nur das Absperrband macht auf ihr Projekt aufmerksam, auch der komplizierte Versuchsaufbau: Constantin von Estorff (18) und Carl Weiß (17) erzählen enthusiastisch von ihrem selbstgebauten Doppelpendel. Es erzeuge eine sogenannte chaotische Bewegung, die nur schwer vorauszusagen sei, erklären die Schüler des Johanneums. „Wir haben das simuliert und computergesteuerte Messdaten produziert, um Erkenntnisse zu gewinnen.“ Das wird belohnt: Constantin und Carl ernten viel Lob von der Jury und einen 1. Platz beim Regionalwettbewerb Jugend forscht im Fachgebiet Physik. Es ist eines von fünf Lüneburger Projekten, das sich für den Landesentscheid qualifiziert.

101 junge Forscher hatten sich mit insgesamt 59 Projekten für den Wettbewerb angemeldet, präsentierten sich im Hörsaalgang der Universität. Bei der Siegerehrung am Mittwoch wurden alle teilnehmenden Lüneburger Schulen mit mindestens einem 1. Platz belohnt. Lob gab es für alle Teilnehmer von Wettbewerbsleiterin Dr. Andrea Schroe-dter und Dirk Ebbecke, Beauftragter des Patenunternehmens Werum IT Solutions GmbH. Pia Steinrücke, Bildungsdezernentin der Stadt Lüneburg, sagte. „Ihr habt trotz erster Zweifel so lange geforscht, bis ihr Erkenntnisse gewonnen habt, die Ihr uns hier heute vorstellen könnt.“ Für Schmunzeln sorgte bei ihr vor allem ein Projekt. „Mich hat die beleuchtete Schultasche sehr angesprochen, so etwas würde ich gern für meine Handtasche übernehmen.“ Sie äußerte die Hoffnung, dass der Wettbewerb für viele die „Initialzündung“ sei, Wissenschaft und Forschung eines Tages zum Beruf zu machen.

Am Anfang steht die Idee

 

Hilfe beim Ranzenpacken

Elias Gleditzsch (14), Paul Dargel (13) und Fynn Kunadt (14) von der Herderschule haben ein morgendliches Problem zum Projekt erklärt: Habe ich alle Schulbücher eingepackt? Helfen soll dabei ein RFID-System, das Objekte mit Radiowellen lokalisieren kann. „Wenn man mit dem Ranzen durch die Tür geht, soll es einem sagen, welche Bücher ich laut Stundenplan dabei haben müsste“, erklärt Paul und ergänzt: „Man erfährt dann, ob man zu viele oder zu wenige eingepackt hat.“ Mit Platz 1 als Lohn hatten die Jungs nicht gerechnet, „schließlich folgt der größte Teil unserer Arbeit noch“.

Fluoreszierende Farbstoffeaus Pflanzen gewinnen

Kevin Balybin, Julian Burk und Lukas Bunten überzeugten die Jury mit einer „sehr gelungenen Teamarbeit“ und „fachlich fundierten Aspekten“. Für das Trio des Gymnasiums Oedeme gab es neben Platz 1 lauten Beifall im Hörsaal. Ihr Projekt wollen sie weiterverfolgen, „egal wie wir im Landeswettbewerb abschneiden“, sagte Kevin. Denn die Gewinnung fluoreszierender Farbstoffe aus Pflanzen hat die 14-Jährigen gepackt, später wollen sie daraus gern einen UV-Schutz für die Haut herstellen.

Der verbesserte Mehrzweckklebstoff

Lukas Lüttchens vom Gymnasium Oedeme war schon zum 4. Mal dabei, das zweite Jahr in Folge holte er sich einen ersten Platz. Sein biologisch abbaubarer Mehrzweckklebstoff hatte ihn schon 2016 in den Landesentscheid befördert, da wurde er mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. „Ich habe mich in diesem Jahr auf die praktische Anwendung konzentriert, die Verbesserungsvorschläge der Jury eingearbeitet“, sagte der 14-Jährige selbstbewusst. Das hatten auch die Juroren erkannt, sie lobten das „deutlich erweiterte Anwendungsspektrum“ und das große Potenzial der Arbeit.

Wie Walnussholz vor Mücken schützt

Mit Walnuss-Mückenschutzmittel beschäftigen sich seit fast zwei Jahren Maya Leu (18) und Heidelinde Fachmann (17). Ihr Projekt bauten die Schülerinnen des Gymnasiums Bleckede auf einem Gerücht auf. „Wir haben immer wieder mal gehört, dass Walnussbäume gegen Mücken schützen sollen“, erzählt Maya, die das Phänomen auch immer wieder in ihrem eigenen Garten beobachten konnte. „Dort wächst ein solcher Baum, darunter grasen unsere Pferde und werden kaum von Mücken und Bremsen belästigt.“ Das Duo baute eine Box, hielt darin Mücken und beobachtete, wie viele sich auf der mit Walnuss-Schutzmittel befeuchteten Wand niederließen. Für die nächste Runde wollen beide noch die Darstellung ihrer Diagramme überarbeiten.

Für die Sieger des Bereichs „Schüler experimentieren“ (unter 15 Jahre) geht‘s am 16. März beim Landeswettbewerb in Oldenburg weiter. Maya, Heidelinde, Constantin und Carl fahren am 20. März nach Clausthal-Zellerfeld zum Landesentscheid der älteren Teilnehmer. Wenn sie dort Erfolg haben, sind sie vom 25. bis 28. Mai beim Bundesfinale in Erlangen dabei.

Von Anna Paarmann