Mittwoch , 30. September 2020
Auch neue Sanitäranlagen wie in der Kita St. Marien schützen vor Legionellen nicht. Norbert Krause hat den Duschen und Waschbecken jetzt ein wöchentliches Spülprogramm verordnet. Foto: t&w

Lüneburg: Legionellen in der Kita

Lüneburg. Eigentlich war es eine normale Routine-Untersuchung. Wie gewohnt ließ die katholische Kita St. Marien ihre Trinkwasseranlagen auf Legionellen untersuchen, so will es das Gesetz. Doch zur Überraschung der Leitung fiel der Befund positiv aus. Dabei war die Kita an der Johannisstraße in Lüneburg erst vor vier Jahren errichtet worden. Es war auch nicht das Alter des Gebäudes, vielmehr hatte eine zu geringe Betriebstemperatur der Warmwasserversorgung für die gefährliche Bakterienvermehrung gesorgt.

Zulässiger Maximalwert wurde knapp überschritten

Der Fall ereignete sich Ende vergangenen Jahres, er steht aber exemplarisch für die richtige Vorgehensweise bei solch einem Ereignis. „Der gemessene Wert lag nur knapp über dem zulässigen Wert“, sagt Carsten Menges, Dechant der Katholischen Pfarrgemeinde St. Marien, Betreiberin der Kita. Orientierung für den sogenannten technischen Maßnahmenwert gibt die Anzahl der im Wasser enthaltenen Legionellen. Bis zu 100 davon dürfen in 100 Milliliter Wasser laut Trinkwasserverordnung vorgefunden werden. Liegt der Wert darüber, kann davon ausgegangen werden, dass technische Mängel vorliegen, die laut Umweltbundesamt „einen massiven, möglicherweise gefährlichen Befall wahrscheinlicher machen“.

„Wichtig sind vor allem frühzeitige Information und Aufklärung.“
Katrin Holzmann, Pressesprecherin des Landkreises

Zwar war bei dem erst vier Jahre alten Neubau technisch alles in Ordnung, „problematisch war laut Bericht unseres Prüfers aber die zu niedrig eingestellte Warmwassertemperatur bei den Duschen“, erläutert Norbert Krause vom Vorstand der Pfarrgemeinde. Doch das allein hätte vermutlich nicht zu dem erhöhten Aufkommen geführt, wären die für Kinder und Betreuer vorgesehenen Duschen regelmäßig genutzt worden. „Die kamen aber eigentlich nie zum Einsatz. Deshalb gab es einfach zu wenig Durchfluss, und es kam zu der Legionellenbildung.“

Laut Robert-Koch-Institut finden Legionellen ideale Wachstumsbedingungen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. „Erst bei Wassertemperaturen oberhalb von 55 Grad wird das Legionellen-Wachstum wirksam gehemmt. Oberhalb von 60 Grad kommt es zum Absterben der Keime.“ Allerdings können Legionellen auch in kaltem Wasser vorkommen, sich bei Temperaturen unter 20 Grad aber nicht nennenswert vermehren.

Lob für die Leitung der Einrichtung

Ob sich gesundheitsgefährdende Bakterien im Wasser befinden, muss ein Labor ermitteln. Stellt es einen positiven Befund fest, wird das Gesundheitsamt eingeschaltet. „Das ist in diesem Fall auch geschehen“, sagt Katrin Holzmann, Pressesprecherin des Landkreises, bei dem das Gesundheitsamt angesiedelt ist. Es entscheidet dann, welche Maßnahmen zu treffen sind. „Wichtig sind vor allem frühzeitige Information und Aufklärung“, sagt Holzmann.

So sind auch Kita-Leitung und Eltern umgehend informiert worden, der Betrieb der technischen Anlage wurde so eingestellt, dass eine weitere Legionellenbildung vermieden werden kann. „Wir haben die Betriebstemperatur erhöht, die Schläuche abgebaut und desinfiziert und die Perlatoren an den Wasserhähnen gewechselt“, sagt Norbert Krause. Außerdem wurde ein wöchentlicher Spülplan erstellt, um länger stehendes Wasser in Duschen und Waschbecken künftig zu vermeiden. „Nach drei Monaten wird erneut geprüft, wenn alles okay ist, wieder im jährlichen Rhythmus“, sagt Krause, der anderen Einrichtungen vorbeugend einen solchen Spülplan ebenfalls empfiehlt.
Dass weder Kita-Kinder noch -Betreuer trotz des Legionellen-Befalls zu Schaden gekommen sind, freut Pressesprecherin Katrin Holzmann. Sie sagt aber auch: „Vom Verfahren und Ablauf her hat die Kita-Leitung alles richtig gemacht.“

Von Ulf Stüwe

Wenige Fälle im Landkreis

In Stadt und Kreis Lüneburg hat es laut Gesundheitsamt in diesem Jahr noch keine Erkrankungen mit Legionellen gegeben. Leiterin Dr. Marion Wunderlich sagt: „Das zeigt auch, dass die Rückmeldungen ans Amt und die entsprechenden Maßnahmen gut laufen.“

Es komme aber nicht selten vor, dass der technische Maßnahmenwert für Legionellen in Warmwasseranlagen überschritten wird. „Wichtig ist, dass der Betreiber direkt reagiert, wenn man was findet. Die Anlage wird im Regelfall saniert und für diese Zeit meist gesperrt.“