Dienstag , 29. September 2020
Die Samtgemeinde Gellersen hatte dieses Haus im Böhmsholzer Weg in Reppenstedt Ende 2015 vorsorglich als Flüchtlingsunterkunft gekauft. Foto: be

Als Flüchtlingsunterkunft gekauft, aber nie gebraucht

Reppenstedt. Die Zahl der vorgehaltenen Flüchtlingsunterkünfte fährt die Samtgemeinde Gellersen jetzt langsam zurück. Im Zuge dessen hat sie nun auch ein leerstehendes Wohn- und Bürohaus in Reppenstedt verkauft mit der Aussicht, dass dort wieder ein Gewerbebetrieb einzieht. Der Verkaufserlös wirkt sich auch bei den Einnahmen der Samtgemeinde positiv aus, sodass die Nettoneuverschuldung bei der aktuellen Haushaltsplanung 2017 wesentlich kleiner ausfällt als zunächst vorgesehen. Insgesamt steht die Samtgemeinde Gellersen im Gegensatz zu anderen finanziell sogar so gut da, dass sie über eine moderate Senkung der Samtgemeinde-Umlage ihre Mitgliedsgemeinden entlasten will (siehe Infokasten) auch wenn der Betrag eher einer Geste gleichkommt.

In der Hochphase hatte die Samtgemeinde Gellersen rund 240 Flüchtlinge in ihrer Obhut. Das war vor rund einem Jahr. Seinerzeit hatte die Samtgemeinde auch die Immobilie im Böhmsholzer Weg 4 am Rand des Reppenstedter Gewerbegebiets erstanden. Dort war früher ein Ingenieurbüro mit Wohnungen untergebracht, insgesamt rund 470 Quadratmeter Nutzfläche. Damals hieß es, der Eigentümer hätte versucht, das Objekt für 650000 Euro loszuwerden. Über den tatsächlichen Kaufpreis schwieg sich die Kommune aus. „Wir sind unter den Vorstellungen des Verkäufers geblieben“, ließ seinerzeit Samtgemeindebürgermeister Josef Röttgers verlauten. Jetzt sagt er: „Wir geben das Haus nun zum gleichen Preis wieder ab.“

Ein seinerzeit geplanter Umbau des Gebäudes zur Herrichtung als Flüchtlingsunterkunft hat nie stattgefunden und wurde als Unterkunft auch nicht genutzt. Röttgers: „Der Umbau wäre mit einem großen Aufwand verbunden gewesen, sodass wir andere Objekte vorgezogen haben, um möglichst schnell auf die Entwicklung zu reagieren.“ Mittlerweile ist der Eigenbedarf der Kommune nach Wohnraum deutlich gesunken. Seit gestern, nach einem Familiennachzug von vier Personen, beherbergt Gellersen derzeit 156 Flüchtlinge, davon 67 Anerkannte.

Noch verfügt die Samtgemeinde über zehn eigene Immobilien und zwölf angemietete Objekte zur Flüchtlingsunterbringung. Rötters: „Wir sind dabei, abzumieten und nach und nach die Menschen in unsere eigenen Objekte zu nehmen, um den angespannten Wohnungmarkt in der Samtgemeinde zu entlasten.“ Im Januar seien bereits drei Mietverträge ausgelaufen, im April folgten zwei weitere. Röttgers freue sich, dass auch das Objekt am Böhmsholzer Weg 4 wieder eine Gewerbenutzung erfahren wird, voraussichtlich für Dienstleistungen im Gesundheitsbereich.
Gleichwohl zur Vorsorge erworben, erwies sich die Immobilie im Böhmsholzer Weg im Rückblick für die Samtgemeinde als totes Kapital.

Der Lichtblick: Der Kaufkredit war laut Röttgers für die Samtgemeinde zinslos und nach dem Verkauf soll im neuen Samtgemeinde-Haushalt 2017 die Bauunterhaltung um 10000 Euro sinken. Auch die Nettoneuverschuldung 2017 der Samtgemeinde sinkt dank einmaliger erwarteter Einnahmen von mehr als einer halben Million Euro. Damit würde das neue zusätzliche Minus nur noch rund 145000 Euro betragen.

Von Dennis Thomas