Sonntag , 20. September 2020
Ein solches Drehkreuz wie es das in Kiel schon gibt, könnte im Radspeicher eingebaut werden. Foto: sp

Mehr Sicherheit im Radspeicher

Lüneburg. Rund 1,24 Millionen Euro sind im Etatentwurf 2017 zur Verbesserung des Radverkehrs eingeplant. Einen dicken Posten nimmt die Nachrüstung des Radspeichers mit einem elektronischen Zugangssystem ein. Die Stadt will 290000 Euro in die Hand nehmen, um das Gebäude vor Diebstählen sicherer zu machen. Im Verkehrsausschuss intervenierte nun Michèl Pauly von der Linken: „Die Investition in das Fahrradparkhaus ist enorm. Mit dem Geld kann man auch etwas anderes machen.“ Eine Meinung, die die anderen Ausschussmitglieder nicht teilten. Bei einer Enthaltung von Pauly sprachen sie sich dafür aus, die Verwaltung solle diese und andere Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs umsetzen vorbehaltlich des Haushaltsbeschlusses des Rates.

Videoüberwachung schreckt Diebe nicht ab

Wie berichtet, war es im vergangenen Jahr immer wieder zu Fahrraddiebstählen im kostenpflichtigen Radspeicher am Bahnhof gekommen. Bei einem Ortstermin im vergangenen August hatte Verkehrsdezernent Markus Moßmann erklärt, dass die Stadt ein elektronisches Zugangssystem einbauen lassen wolle, dass Dieben zumindest das Handwerk sehr schwer mache. Gleichwohl machte Moßmann erneut im Ausschuss deutlich: Eine absolute Sicherheit gebe es nicht.

Der Radspeicher direkt am Gleis 1 des Bahnhofs bietet 1333 Plätze auf zwei Geschossen. Jeder Radparkplatz ist mit einer Metallöse versehen, an die das Rad angeschlossen werden kann. Außerdem wird der Radspeicher videoüberwacht, was Diebe jedoch nicht abschreckt. Die neuen Zugänge sollen im unteren und oberen Geschoss eingebaut werden. „Durch ein Drehkreuz oder eine Schleuse komme ich dann nur hinein, wenn ich bezahlt habe“, erläuterte Moßmann. Die Stadt habe sich bemüht, Fördermittel für das Projekt einzuwerben, leider ohne Erfolg. Dennoch plädiere die Stadt für das Zugangssystem, um einen deutlichen Qualitätsunterschied zum kostenlosen Fahrradparkhaus mit 800 Stellplätzen am Westbahnhof zu bieten, das im Mai 2013 eröffnet wurde und ebenfalls videoüberwacht ist.

Das kostenlose Fahrradparkhaus sei „hoffnungslos überfüllt“, mancher nutze es als Dauerparkplatz. „Wir hoffen, dass Nutzer in den Radspeicher wechselt aufgrund des dann höheren Sicherheitsstandards“, sagte der Verkehrsdezernent. In den 290000 Euro seien nicht nur die Kosten für die Zugangssysteme enthalten, sondern auch die Metallarbeiten für eine Umhausung der offenen Seiten des Gebäudes, durch die Diebe voriges Jahr Räder nach außen gebracht hatten.

Rat entscheidet letztlich bei Etatverabschiedung

Burkhard von Roeder, der den ADFC als beratendes Mitglied im Ausschuss vertrat, wollte wissen, ob künftig höhere Kosten auf die Nutzer zukommen und ob sich die Stadt über andere elektronische Zugangssysteme informiert habe. Moßmann erklärte, dass man sich mit der Lüneparken, Betreiber von vier Lüneburger Parkhäusern, über das Zugangssystem ausgetauscht habe, „da diese diesbezüglich erfahren sind“. Von einer Gebührenerhöhung geht er nicht aus. Er wies aber noch einmal daraufhin: „Wenn ich ein Entgelt zahle, möchte ich auch mein Fahrrad sicher abgestellt haben.“

Pauly blieb dabei: Es sei schön, so etwas zu haben, „aber für mich hat das hintere Priorität“. Claudia Schmidt (Grüne) hielt dagegen: „Wir sollten eine Möglichkeit schaffen, dass Räder sicher abgestellt sind. Ob nun mit diesem oder einem anderen System.“ Die Grünen hatten im vergangenen September eine Anfrage im Verkehrsausschuss gestellt, was getan werden könnte, um Raddiebstählen in Fahrradparkhäusern besser zu begegnen. Moßman machte nun im Ausschuss deutlich, dass es letztendlich die Entscheidung der Politik im Rahmen der Etatverabschiedung sei, ob das Projekt umgesetzt werden soll oder nicht. Heiko Meyer (SPD) bewertete es als positiv, dass mehr Sicherheit durch das Zugangssystem geschaffen wird. Da 290000 Euro aber ziemlich viel Geld seien, bat er um eine detaillierte Aufschlüsselung der Kosten.

Für den Radspeicher wurden im vergangenen Jahr 235 Jahreskarten, 91 Halbjahreskarten, 733 Monatskarten, 626 Wochenkarten und 8031 Tageskarten verkauft.

Von Antje Schäfer

Investitionen in Straßenumbau

Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau, stellte im Verkehrsausschuss Tiefbauprojekte für 2017 vor. So soll der Zugang zum Alten Archiv, das unter anderem als Briefwahlbüro genutzt wird, barrierefrei gestaltet werden. Kosten: 25 000 Euro. In keinem guten Zustand ist die Bardowicker Straße inklusive Gehweg im Abschnitt bis zur Lüner Straße.

In diesem Jahr sollen die Planungen für den Umbau im folgenden Jahr erfolgen. Kosten für eine Visualisierung: rund 10 000 Euro. Am Wienebütteler Weg soll ein Neubaugebiet entstehen. Für die Planungskosten der Erschließung sind im Etatentwurf 100 000 Euro vorgesehen. Für den endgültigen Ausbau der Kreuzung Bleckeder Landstraße/Horst-Nickel-Straße inklusive Ampel sind 160 000 Euro veranschlagt.

Abgesackt aufgrund der Senkungen ist die Bastionstraße. Sie soll nun bis zum Graalwall saniert werden. Geschieht das nicht, müsse sie gesperrt werden, sagte Hesebeck. Kosten: 100 000 Euro.