Freitag , 25. September 2020
In dieser Halle bei Winsen will Amazon im September sein neues Logistikzentrum einweihen. Eine daran angeschlossene zweite Halle befindet sich noch im Bau. Foto: nh

Winsen: Amazon öffnet Logistikzentrum im September

Winsen/Luhe. Wer auf der Radbrucher Straße in Richtung Autobahn 39 fährt, kann die riesige Halle schon sehen: Hier will der Online-Versandhändler Amazon im September sein neues Logistikzentrum in Betrieb nehmen. Seit Ende November 2016 wird daran noch eine zweite Halle angebaut, nach Angaben von Winsens Pressesprecher Theodor Peters sei sie auch bald fertig.
Insgesamt soll die Lagerfläche laut Amazon rund 64 000 Quadratmeter groß werden. Der Großkonzern verspricht: „Bereits im ersten Jahr werden 1000 unbefristete Jobs entstehen.“ Und das sei noch nicht alles: In Amazon-Logistikzentren vergleichbarer Größe seien „nach einigen Jahren gewöhnlich rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt.“ Und während des Weihnachtsgeschäfts würden bis zu 3000 Menschen in den Logistikzentren arbeiten.

Amazon Winsen soll 2000 unbefristete Arbeitsplätze bringen

Im August 2016 gab der Verwaltungsausschuss der Stadt Winsen grünes Licht zum Bau eines solchen Lagers (LZ berichtete). Amazon will die Halle anmieten, die der Logistik-Immobilien-Entwickler IDI Gazeley an der Borgwardstraße im Gewerbegebiet Luhdorf gebaut hat. Im gesamten Norden ist der Online-Riese nicht mit einem Logistikzentrum vertreten.

„Mit Amazon kommt ein Global Player nach Winsen, der hier erheblich investiert, eine stattliche Zahl von Arbeitsplätzen schafft und darüber hinaus für die Stadt zusätzliche Kaufkraft, positive Wirtschaftsimpulse und einen Imagegewinn bringt“, freute sich Winsens Bürgermeister André Wiese (CDU). Gegner der Pläne sind die Grünen – aufgrund des Lieferverkehrs befürchten sie eine große Belastung der Umwelt. Der durch Amazon ausgelöste Lieferverkehr liegt bei rund 350 Fahrten pro Tag.

Ob Amazon die versprochenen Arbeitsplätze schaffen kann, bleibt noch offen. Schon im Sommer vergangenen Jahres war Jürgen Enkelmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Lüneburg (WLG) vorsichtig. „Die Frage ist, wann die entstehen.“

Arbeitsbedingungen bei Amazon bleiben umstritten

In Deutschland gibt es derzeit neun solcher Logistikzentren, davon haben zwei eine ähnliche Größe wie das geplante Lager in Winsen. Beide Zentren haben weit weniger als 2000 Mitarbeiter: 1800 arbeiten im Logistikzentrum Leipzig, nur 800 in Brieselang. Stephan Eichenseher, Pressesprecher bei Amazon, erklärte dazu: „Die Mitarbeiterzahlen können teilweise sehr schwanken.“

Denn neben den Arbeitern mit unbefristeten Verträgen gebe es eine unterschiedlich große Gruppe mit befristeten Verträgen. Wie viele befristete Verträge es gebe, sei saisonabhängig. Darüber hinaus seien manche Logistikzentren wie das in Brieselang „anders strukturiert“, weswegen dort weniger Menschen arbeiten oder sie langsamer wachsen. Das gehöre aber zum Konzept.

Nach wie vor umstritten sind auch die Arbeitsbedingungen bei dem Online-Versandhaus: Diese seien laut Matthias Hoffmann, Geschäftsführer des Bezirks Lüneburger Heide in der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, „sehr hart“, jeder Arbeitsschritt werde überwacht. „Das ist eine neue Qualität der Mitarbeiterüberwachung, die wir so noch nicht erlebt haben.“ Auch zahle Amazon seinen Mitarbeitern zu geringe Löhne – nach Meinung der Gewerkschaft sollten sie nach dem Tarif der Versandhandelsbranche bezahlt werden, davon sein man aber weit entfernt. Amazon hingegen gibt an, Löhne „am oberen Ende der branchenüblichen Bezahlung“ zu bieten – und zwar mindestens 10,30 Euro brutto.

Von Robin Williamson