Sonntag , 25. Oktober 2020
Spätestens ab Herbst 2017 soll laut Experte Heinz-Arthur Kleiske auch der Lüneburger Fernsehturm das neue DVB-T 2-Signal senden. Zum Empfang eignen sich auch alte Antennen. Das alleine wird aber nicht ausreichen. Foto: t&w

Umstellung auf DVB-T 2: nur keine TV-Panik

Lüneburg. Zunächst einmal die gute Nachricht: Nutzer von Kabel- und Satelliten-Anschlüssen können sich entspannt zurücklehnen trotz der Umstellung der Fernsehübertragungstechnik DVB-T. Für Verunsicherung in vielen Haushalten sorgte etwa der Werbepost von „Vodafone Kabel Deutschland“. Die Betreffzeile lautete: „DVB-T-Abschaltung erfordert Umstellung auf moderne TV-Versorgung“. Dafür hagelte es bereits Kritik von Verbraucherschützern. Grundsätzlich rollt die Werbewelle seit Wochen über das Land. Doch die Anzahl der von der Umstellung tatsächlich betroffenen Haushalte ist hingegen eher gering. „Nur keine Panik“, rät deshalb auch Heinz-Arthur Kleiske, letzter Obermeister der ehemaligen Innung für Informationstechnik Lüneburg.

Fernseh-Frequenzen weichen fürs mobile Internet

Es war der 8. November 2004, als das analoge Antennenfernsehen in Deutschland zu Grabe getragen wurde und der digitale Nachfolger das Licht der Welt erblickte. Auch im Landkreis Lüneburg war plötzlich DVB-T (Digital Video Broadcasting Terrestrial), das digitale Fernsehen über Antenne, in aller Munde. Die Werbewirtschaft prägte den Begriff „Überall-Fernsehen“. Jetzt steht die nächste Umstellung bevor, aus DVB-T wird nun DVB-T 2 inklusive HD, also hochauflösendem Fernsehbild. Aber nur von kostenpflichtigen Privatsendern. Doch damals wie heute gilt: Wer ans Kabel oder eine Sat-Anlage angeschlossen ist, muss sich nicht um die Veränderung kümmern. Anlass der Umstellung ist die Versteigerung der alten DVB-T-Frequenzen vor allem an Mobilfunkanbieter, um den Breitbandausbau via Funk fürs mobile Internet voranzutreiben.

Fernsehtechniker Kleiske erinnert sich an die erste DVB-T-Umstellung: „Manche haben die Technik benutzt, um Kinder- oder Gästezimmer mit einem Fernsehanschluss zu versorgen, weil sie keine Lust hatten, vom Kabel- oder Sat-Anschluss die Strippen durch die halbe Wohnung zu ziehen.“ Zumindest diese Nutzer stehen, wie ein weiterer kleiner Teil Antennengucker, nun vor einer Entscheidung.

„Manche haben die Technik benutzt,weil sie keine Lust hatten, vom Kabel- oder Sat-Anschluss die Strippen durch die halbe Wohnung zu ziehen.“
Heinz-Arthur Kleiske, Sachverständiger

Ab dem 29. März geht das neue DVB-T 2 in den ersten Ballungsräumen offiziell in Betrieb, wie im Raum Hamburg und in Schleswig-Holstein, abgeschlossen werden soll der bundesweite Ausbau bis Mitte 2019. Kleiske: „Die öffentlich-rechtlichen Sender werden ab Ende März mit dem neuen Signal vom Hamburger Fernsehturm gesendet.“ In Lüneburg müsste zum Empfang allerdings in der Regel eine Dachantenne eingesetzt werden. Die beiden Grundprogramme von ARD und ZDF seien bereits jetzt im Probebetrieb empfangbar.

Erst ab Herbst 2017 reicht zumindest im Bereich der Stadt Lüneburg eine einfachere Außenantenne, dann starte auch beim Lüneburger Fernsehturm in Sühlbeck der Betrieb der neuen DVB-T-Generation.

Digital-Fernsehen über Antenne wird teilweise kostenpflichtig

Kleiske: „Neue Antennen müssen Nutzer dafür nicht anschaffen: Den Antennen ist das neue Signal egal, nicht aber den alten Receivern und TV-Tunern. Die sind nachher Elektroschrott.“
Um das neue Signal fürs Fernsehgerät umzuwandeln, braucht es neue Receiver. Kleiske aber warnt: „Achten Sie beim Kauf, dass nicht nur DVB-T 2 HD auf dem Gerät steht, sondern auch das grüne Logo von Freenet TV.“ Denn: „Es gibt auch im europäischen Ausland DVB-T 2, die Geräte sind aber oft nicht mit unseren kompatibel.“ Das liege an den unterschiedlichen Videokodierungsverfahren, mit denen die Fernsehdaten übertragen werden in Deutschland wird dafür der Video-Codec H.265 verwandt. Und „Freenet TV“ ist gleichzeitig der neue Torwächter, der künftig zwischen dem Nutzer und den Privatsendern steht, die per DVB-T 2 senden.

Kostenlos sind künftig über den neuen digitalen Fernsehdienst nur noch die öffentlich-rechtlichen Sender zu empfangen. Wer auch Pro7, RTL und Co. in HD via Antenne sehen möchte, braucht zusätzlich zum Receiver eine passende Smart-Card, Kosten: 69 Euro im Jahr. Das einstmals kostenlose „Überall-Fernsehen“ (außer GEZ-Gebühr) wird also hochauflösend und teilweise kostenpflichtig. Manch Antennen-Nutzer wird deshalb möglicherweise doch umstellen: auf Kabel- oder Satelliten-Anschluss, IPTV, oder Online-Dienste wie die App „Zattoo“ oder Angebote wie das der Streaming-Seite „fernsehen-live-stream.org“.

Auf die Frage, ob er sich auch einen DVB-T 2 Receiver zulegen wolle, sagt Fernsehtechniker Kleiske mit einem Schmunzeln: „Ach, quatsch! Fernsehen ist für mich eh nicht mehr so wichtig.“

Weitere Infos unter www.dvb-t2hd.de.

Antennenfernsehen

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes verfügten im Jahr 2016 gut 98 Prozent aller deutschen Haushalte über einen Fernseher, 47,3 Prozent schauten per Satelliten-Anschluss in die Röhre, 46,2 Prozent über Kabel. 19,1 Prozent verfügten zusätzlich über einen Pay-TV-Receiver.

Und nur 15,8 Prozent der Haushalte nannten DVB-T-Geräte zum TV-Empfang ihr Eigen, fast zehn Prozentpunkte weniger als noch 2011 zuvor. Die DVB-T-Nutzung war also rückläufig und wurde offenbar immer seltener als alleiniger TV-Anschluss genutzt, sondern paralell zu bereits vorhandenen Anschlussmöglichkeiten. Zudem nimmt auch die TV-Nutzung via Internet (IPTV) zu.