Bevor die Lkw die Bauteile für die Windkraftanlagen bringen, muss die Baustraße hergestellt sein. So wie hier bei Melbeck. Foto: be

Windkraftanlagen sprießen in der Region

Lüneburg. Die Energiewende ist in vollem Gange: 45 Windkraftanlagen in zehn Windparks werden in den nächsten Wochen und Monaten auf Vorrangflächen im Landkreis Lüneburg errichtet zusätzlich zu den bereits existierenden 70 Windquirlen älterer Bauart. Alle Anlagen zusammen erzeugen dann eine elektrische Nennleistung von 245,55 Megawatt. In Wendhausen sind die Monteure bereits dabei, die Masten für sechs Windräder aufzustellen. Mit einer Nabenhöhe von 134 Metern und einem Rotordurchmesser von 131 Metern erreichen diese Giganten eine Gesamthöhe von knapp 200 Metern. Bereits im April sollen die Anlagen in Betrieb gehen und 45 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr liefern.

Wie ein großer Kühlturm sieht ein Mast der Windenergieanlage aus, die zurzeit bei Wendhausen errichtet wird. Ein ähnliches Bild zeigt sich derzeit bei Diersbüttel. Foto: be

Solche Riesen entstehen auch auf den anderen Vorrangflächen, die der Kreis ausgewiesen hat. Acht Gebiete mit insgesamt 751 Hektar wurden im Regionalen Raumordnungsprogramm als Vorrangfläche festgelegt. Dort dürfen die Windparks gebaut werden. Das entspricht 0,6 Prozent der Kreisfläche.

In der Gemarkung Oerzen ist es die Landwind-Gruppe, die zwei ebenfalls 200 Meter hohe Windenergieanlagen errichtet. Zurzeit sind Bauarbeiter dabei, die Zufahrten herzurichten. Die Erschließung erfolgt über die Oerzer Straße zwischen Oerzen und Südergellersen. Im Frühjahr sollen die Fundamentarbeiten beginnen, anschließend die Anlagen aufgestellt werden. Ab Herbst 2017, so die Planungen, werden alleine diese beiden Anlagen jährlich rund 16 Millionen Kilowattstunden elektrische Energie produzieren. Genug Strom, um rechnerisch circa 13000 Menschen mit Strom zu versorgen.

Die meisten Windräder entstehen bei Amelinghausen

Vorbereitende Wegearbeiten finden auch zwischen Häcklingen und Melbeck statt. Hier schaffen die Anbieter zurzeit die Voraussetzungen für das Aufstellen von insgesamt fünf ebenfalls 200 Meter hohen Anlagen: drei auf Melbecker, zwei auf Häcklinger Gebiet. Der Zeitplan ist auch auf dieser Baustelle ambitioniert schon im Juli sollen diese Anlagen den ersten Strom einspeisen. Auf Hochtouren laufen auch die Erdarbeiten südlich von Südergellersen.

Ziel des Landkreises bleibt, eine 100-Prozent-Erneuerbare-Energie-Region zu werden. Windkraft sei allerdings nur eine von vielen Möglichkeiten, die Energieautarkie zu erreichen. Rechnerisch reichen bereits 180 Megawatt, um 120000 bis 145000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Den größten Zuwachs innerhalb einer Kommune im Landkreis Lüneburg an Windenergie erfährt die Samtgemeinde Amelinghausen. Verteilt auf die Windparks Ehlbeck, Etzen, Tellmer/Diersbüttel und Wetzen entstehen 21 neue 200 Meter hohe Anlagen, bislang drehen sich nur drei bis zu 87 Meter hohe Anlagen bei Etzen. Die Vorbereitungen für den erweiterten Windpark Etzen hängen im Vergleich mit den anderen Amelinghausener Standorten noch etwas hinterher, da dort als letztes die Baugenehmigung erteilt wurde. Bei Ehlbeck laufen schon seit Wochen die Erdarbeiten (LZ berichtete), bei Tellmer und Diersbüttel wachsen bereits die Türme in den Himmel. Sie werden topographisch zu den höchsten Bauwerken im Landkreis zählen, denn dort beträgt schon die natürliche Erhebung der Landschaft rund 100 Meter.

Übrigens: Das erste Windrad im Landkreis Lüneburg, mit einer Höhe von 85 Metern, hatte die Firma Manzke 1997 auf ihrem Gelände in Volkstorf errichten lassen Nennleistung 0,5 Megawatt. Doch deren Flügel haben sich die längste Zeit gedreht die Anlage wird durch einen neuen Windquirl ersetzt, die dann eine Leistung von 2,3 Megawatt bringen soll.

Von Klaus Reschke und Dennis Thomas