Dienstag , 22. September 2020
Die hiesige Industrie- und Handelskammer

IHK erwägt Fusion mit Braunschweig

Lüneburg. „Hat die IHK die Orientierung verloren?“ Mit deutlichen Worten haben die Landräte der Kreise Lüneburg, Stade und Harburg sowie Lüneburgs Oberbürgermeister Überlegungen der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg eine Absage erteilt, sich stärker in Richtung Braunschweig zu orientieren. Auch über eine mögliche Fusion der beiden Kammern werde gesprochen. Die IHK bestreitet derartige Überlegungen nicht, die Fusion sei eine von mehreren Optionen.

Angeblich sei die Landesregierung bereits über die Option informiert worden. Von dort wäre eine Genehmigung für die Fusion erforderlich. Gegen ein solches Ansinnen beziehen die Landräte Manfred Nahrstedt (Lüneburg), Rainer Rempe (Harburg) und Michael Roesberg (Stade) sowie Oberbürgermeister Ulrich Mädge (Lüneburg) Stellung: „Wir bilden in Nordniedersachsen zusammen mit Hamburg einen Wirtschaftsraum, den es zu stärken gilt. Die Unternehmen zwischen Stade und Lüneburg sind eindeutig Richtung Hamburg orientiert. Zur Unterstützung müssen die Kammern ihren Sitz hier vor Ort haben. Wir wollen keine Außenstelle für Wolfsburg oder Braunschweig sein.“

Nur enge Zusammenarbeitoder doch Zusammenschluss?

Wenn überhaupt eine Veränderung seitens der IHK erforderlich erscheine, sollte eher eine gemeinsame IHK, die den Wirtschaftsraum zwischen Stade und Lüneburg abbildet, angedacht werden. Eine Fusion mit Braunschweig wäre ein „riesiger Fehler für die wirtschaftliche Entwicklung und für die Struktur in Nordniedersachsen“.

Olaf Kahle, Präsident der IHK Lüneburg-Wolfsburg, stellt klar: „Richtig ist, dass wir bereits sehr eng mit der IHK Braunschweig zusammenarbeiten und diese Zusammenarbeit ausweiten möchten. In der Sache geht es uns darum, die Erreichbarkeit für unsere Mitgliedsunternehmen zu verbessern und die Nähe zu den ehrenamtlich Tätigen zu erhalten. Darüber hinaus gehört der Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg zu den wachstumsstärksten und zukunftsträchtigsten Regionen in Deutschland.“ Deshalb sei es wichtig, dass sich die Industrie- und Handelskammern über Fragen der Zukunftsentwicklung eng abstimmten und mit einer Stimme sprächen.

Kahle sagt aber auch: „Bisher hat kein Gremium überhaupt zu diesem Thema beraten oder gar ähnliches beschlossen.“ Im Dezember sei die Vollversammlung in Lüneburg über Gespräche bezüglich einer engeren Zusammenarbeit informiert worden. Auf einer gemeinsamen Sitzung am Donnerstag, 9. Februar, werden die Präsidien beider Kammern über den Stand der bisherigen Gespräche diskutieren. Ihre Aufgabe werde es sein, über die Themen und die Ziele der weiteren Gespräche zu entscheiden. Die Vollversammlung der IHK Lüneburg-Wolfsburg tritt dann am 9. März zusammen, die Vollversammlung der IHK Braunschweig am 8. Mai.

„Das in den Vollversammlungen zu diskutierende Spektrum reicht dabei von einer vertieften Zusammenarbeit in konkreten Projekten bis zu einer gegebenenfalls näher zu prüfenden Fusion“, sagt Kahle. red