Sonntag , 25. Oktober 2020
Die Grafik zeigt das Jahresmittel 2016 der Arbeitslosenquoten in den vier Landkreisen, die zum Arbeitsagenturbezirk Lüneburg-Uelzen gehören. In Stadt und Landkreis Lüneburg lag sie 2015 noch bei 6,0 Prozent. Grafik: Agentur für Arbeit

Arbeitslosenzahl sinkt weiter

Lüneburg. Zuversichtlich blickt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung auf den Lüneburger Arbeitsmarkt: Es ­prognostiziert für 2017 einen Rückgang der Arbeitslosigkeit für den Bezirk mit den Landkreisen Lüneburg, Uelzen, Lüchow-Dannenberg und Harburg um 706 Personen. „Ich teile diesen Optimismus trotz des zu erwartenden starken Familiennachzugs von Flüchtlingen“, sagt der Lüneburger Agentur-Chef Bernd Passier und prognostiziert: „In Stadt und Landkreis Lüneburg wird die Zahl der Arbeitslosen um etwa 200 Personen sinken, die Arbeitslosenquote im Jahresmittel von 5,8 auf 5,6 Prozent fallen.“ Zusammen mit Jobcenter-Geschäftsführerin Angelika Brauer stellte er jetzt die aktuelle Arbeitsmarktlage vor.

2000 neue Stellen in Winsen ziehen auch Lüneburger

Passier nennt zwei wichtige Faktoren für seine Prognose: „In Winsen entsteht das riesige Versandlager von Amazon, geschaffen werden dort rund 2000 Arbeitsplätze das wird auch Arbeitskräfte aus Lüneburg ziehen. Und weitere Flüchtlinge werden in Ausbildungen und Berufe gehen.“ Ein dritter Aspekt kommt hinzu: Die Lüneburger Agentur kann in diesem Jahr über ein Budget von 26,5 Millionen Euro verfügen zwei Millionen mehr als 2016. Das Jobcenter erhält für seine Eingliederungshilfen 7,5 Millionen Euro.

Auch der Blick zurück zaubert dem Agentur-Chef ein leichtes Lächeln ins Gesicht: „Die Arbeitslosigkeit in Stadt und Kreis Lüneburg war 2016 auf dem niedrigsten Stand seit 23 Jahren bei den absoluten Zahlen wie bei der Quote.“ Die Quote betrug 5,8 Prozent (2015: 6,0 Prozent), betroffen waren im Schnitt 5676 Frauen und Männer. „150 weniger gegenüber dem Vorjahr, das mag sich wenig anhören“, sagt Passier und macht klar, dass dies eigentlich viel sei: „Der Tiefkühlfischproduzent Pickenpack hat sein Lüneburger Werk geschlossen, rund 320 Arbeitnehmer waren betroffen. Und neue Flüchtlinge kamen in die Statistik, rund 500.“ Einen Rekord habe es auch bei den gemeldeten Stellen gegeben mit der Folge, dass Ältere über 50 Jahre und Langzeitarbeitslose lange Zeit nur schwer zu vermittelnde Gruppen wieder in den Markt integriert werden konnten: „Der Fachkräftemangel wirkt sich immer stärker aus.“

Jetzt folgen die Familien der ersten Flüchtlinge

2016 gab es insgesamt 65015 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Stadt und Kreis, 440 mehr gegenüber 2015. Und 54675 Einwohner des gesamten Landkreises inklusive der Stadt Lüneburg waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt, ein Plus von 751 Personen. Dass die Zahlen der Stellen und Beschäftigten nicht übereinstimmen, erklärt sich durch die Pendler.

„Kamen zunächst meist die männlichen Flüchtlinge nach Deutschland, haben wir in den vergangenen drei Monaten einen erheblichen Familiennachzug erlebt, der sich fortsetzen wird. Dabei sind Familien mit sechs bis acht Kindern keine Seltenheit“, sagt Angelika Brauer. Bei Agentur und Jobcenter Lüneburg waren Ende 2016 insgesamt 1311 Kunden aus den acht Herkunftsländern Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Afghanistan, Pakis­tan und Nigeria als Kunden registriert. Wer übrigens an Inte­grations- und anderen Kursen teilnimmt, fließt nicht in die Arbeitslosenstatistik ein.

„Die ersten Geflüchteten kommen jetzt auf dem Arbeitsmarkt an“, sagt Bernd Passier. Denn nach Abschluss der sechs bis neun Monate dauernden Integrationskurse können sie eine Ausbildung aufnehmen oder in einem Beruf anfangen. Die Mitarbeiter von Jobcenter und Agentur haben allerdings die Erfahrung gemacht, dass viele nicht oder nicht sofort in ihren Traumberufen arbeiten können, Angelika Brauer: „Akademiker brauchen hier Zusatzausbildungen oder Automechaniker sind überrascht, dass hier vieles digital läuft.“

Von Rainer Schubert

Digitalisierung der Arbeitswelt

Unter dem Stichwort „Indus-trie 4.0“ gingen Angelika Brauer und Bernd Passier auch auf die Digitalisierung der Arbeitswelt ein. Bereits jetzt können bestimmte Anteile von Tätigkeiten eines Berufs durch Computer oder computergesteuerte Maschinen ersetzt werden. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat Beschäftigungsverhältnisse untersucht, in denen mehr als 70 Prozent der menschlichen Tätigkeiten durch Computer oder Maschinen ersetzt werden könnten.

In Niedersachsen liegt der Anteil dieser Beschäftigungsverhältnisse bei 15,2 Prozent, in Stadt und Landkreis Lüneburg bei 13,2 Prozent. Bernd Passier erläutert: „Wir haben hier viele Beschäftigungsverhältnisse im Dienstleistungsgewerbe und im Gesundheitswesen, da lassen sich Menschen nicht ersetzen.“