Probleme bereitet hat die Fortschreibung des Landschaftsrahmenplanes (LRP) auch der Gemeinde Deutsch Evern. So hatte die Kommune diese Ackerfläche für die weitere gewerbliche Entwicklung vorgesehen. Doch der Kreis hatte das Areal im ersten Entwurf des LRP als schutzwürdig deklariert. Foto: be

Landschaftsrahmenplan: Brandbrief für Nahrstedt

Lüneburg. Es herrscht dicke Luft zwischen den Verwaltungsspitzen von Kreis und Kommunen. Streitpunkt ist der Landschaftsrahmenplan (LRP), der zurzeit fortgeschrieben wird. Dieser Plan soll die Entwicklung von Natur und Umwelt mit der Stadt- und Regionalplanung in Einklang bringen. In der Theorie, denn die Kommunen fühlen sich vom Kreis in ihren Entwicklungsinteressen massiv eingeengt. "Es kann nicht sein, dass mit dem Landschaftsrahmenplan kreisseitig eine einseitige Darstellung bestimmter Flächen vollzogen wird, ohne dass die Gemeinden in angemessener Art und Weise Einfluss nehmen können", fasst etwa Barendorfs Gemeindedirektor Dennis Neumann seinen Unmut in Worte.

Und er ist nicht der einzige, der mit dem Verfahren mehr als unzufrieden ist. Deshalb haben sich jetzt die Hauptverwaltungsbeamten im Kreis mit einem Brandbrief an Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) gewandt. Darin lehnen sie das Vorhaben des Kreises ab, den LRP zeitnah in Kraft zu setzen. Außerdem fordern sie eine Fristverlängerung, um ihre Einwendungen vorbringen zu können. Der Kreis hingegen kann die Aufregung nicht verstehen, verweist auf gesetz­liche Vorgaben und Vorabgespräche mit den Kommunen (siehe Info-Kasten).

Keine Diffenrenzierung im Landschaftsrahmenplan

Fest steht jedoch: Es gibt wohl keine Kommune im Kreis, die keine kritischen Anmerkungen hat. Sauer sind die Rathauschefs vor allem darüber, dass beim Landschaftsrahmenplan offenbar kein Unterschied gemacht wird, ob es sich bei den Flächen um Bereiche aus bestehenden F-Plänen, Bereiche mit einer in Arbeit befindlichen Bebauungsplanung, reine Ackerflächen, Friedhofsflächen oder Flächen im verdichtungsfähigen Innenbereich handelt: "Alle Flächen erhalten per se einen landschaftlichen Wert- und Schutzstatus oder sollen der Naherholung zugeführt werden", wundert sich der Ostheider Samtgemeindebürgermeister Norbert Meyer (SPD) über das Vorgehen der Kreisverwaltung und nennt Beispiele.

„Da wird ein weiteres, bürokratisches Monster geschaffen.“
Dennis Neumann, Gemeindedirektor

So hat die Gemeinde Barendorf eine Fläche südlich der Straße "Am Mühlenkamp" als potenzielle Erweiterungsfläche für Wohnbebauung vorgesehen. Doch dieses Areal ist im LRP-Entwuf plötzlich mit der Darstellung "Erhaltung von Böden mit hoher natürlicher Bodenfruchtbarkeit" belegt. Gleiches gelte für die Straße "Heidweg" ebenfalls eine Fläche, die Barendorf schon vor Jahren im Rahmen eines Dorfentwicklungsplans als mögliche Fläche für Wohnbauerweiterung vorgesehen hat. Jetzt heißt es, dass dieses Gebiet "die Voraussetzung zur Ausweisung eines Naturschutzgebietes" erfülle, staunen Neumann und Meyer.

Einwände auch aus anderen Kommunen

Dass dort ein Naturschutzgebiet entstehen könnte, weist der Landkreis zurück. Hier handle es sich allenfalls um ein Landschaftsschutzgebiet, ein Gebiet, das "wertvolle Substanz aufweist und damit die Kriterien zur Ausweisung eines Landschaftsschutzgebietes erfüllen würde", schreibt der Kreis. Und überhaupt bilde der LRP lediglich das naturschutzfachliche Potenzial einer Fläche ab und setze keinen Schutzgebietstatus fest. Neumann wundert sich trotzdem: "Wie kommt der Kreis zu dieser Einschätzung, wenn die Mitarbeiter die Fläche meines Wissens noch nicht einmal betreten haben?"

Einwände gibt es auch aus anderen Kommunen, die aber allesamt bis auf eine einzige Ausnahme "stereotyp" abgelehnt worden seien, kritisieren die Hauptverwaltungsbeamten.
Was die betroffenen Kommunen besonders ärgert, ist, dass der LRP die Ziele der Wohnungsbaukonferenz für Stadt und Kreis konterkariert. "Der Widerspruch zur Forderung nach neuem und bezahlbaren Wohnraum ist unübersehbar", sagt Ilmenaus Samtgemeindebürgermeister Peter Rowohlt, während Dennis Neumann mit diesen Worten seinen Unmut kundtut: "Da wird ein weiteres, bürokratisches Monster geschaffen."

Von Klaus Reschke

Das sagt der Kreis

„Wir sind zur Fortschreibung des Landschaftsrahmenplans gesetzlich verpflichtet“, sagt Stefan Bartscht vom Fachdienst Umwelt des Landkreises. Vorwürfe, dass der Plan am „grünen Tisch“ entstehe, weist er zurück: „Wir haben für viel Geld kartieren lassen, Luftbilder ebenso auswerten lassen wie Unterlagen der Forst und der Landwirtschaftskammer.“

Aber auch Kartierungen Dritter, etwa des avifaunistischen Arbeitskreises fließen in den LRP ein. Wichtig ist Bartscht festzustellen, dass es sich beim LRP nicht um „Festsetzungen“, sondern lediglich um „Darstellungen“ handele.

Auch die Kritik der Kommunen, dass der LRP quasi über ihre Köpfe hinweg entwickelt werde, weist der Kreis zurück: „Es hat drei Runden mit den Beteiligten gegeben, jetzt müssen wir auch mal zu einer Entscheidung kommen“, sagt Landrat Nahrstedt (SPD). Ende März soll der Plan im Umweltausschuss beraten werden.