Eine Situation, die viele schon mal so ähnlich erlebt haben: Gudrun Werner hat sich aus ihrer Wohnung ausgesperrt. Foto: t&w

Ausgesperrt: Einsatz von Schlüsseldiensten kann teuer werden

Lüneburg. Gudrun Werner erinnert sich noch genau an den Moment, in dem sie merkte, dass sie in dieser Nacht nicht wieder in ihre Wohnung kommen würde. Es war der Moment, in dem die 68-Jährige realisierte, dass sie mit dem Schlüsselbund in ihrer Hand wenig anfangen konnte weil sie den Zweitschlüssel versehentlich von innen hatte stecken lassen. "Ich war total außer mir. In der Küche brannten ja auch noch zwei Kerzen", erinnert sich Gudrun Werner, die nur kurz etwas aus dem Keller holen wollte. "Ich musste erstmal überlegen, was ich jetzt mache. Mitten in der Nacht. Ohne Handy. Und ohne Portemonnaie."

Immerhin: Den Autoschlüssel hatte die Neu Hagenerin dabei, also setzte sie sich ins Auto und fuhr zu einer guten Bekannten am Kreideberg. "Die musste ich aus dem Bett klingeln. Und wir haben dann zusammen im Telefonbuch nach einem Schlüsselnotdienst gesucht", erzählt Gu­drun Werner, die sich als selbstständige Unternehmerin um die Betreuung von Senioren kümmert und in diesem Job weiß, was es heißt, 24 Stunden erreichbar zu sein.

Beim Notdienst ging niemand ran

Dass das für den Schlüsselnotdienst nun nicht gelten sollte, war für sie unbegreiflich. "Da stand 24 Stunden. Wir haben es immer wieder versucht. Aber was tun in einem solchen Fall? Wir haben dann bei der Leitstelle der Feuerwehr angerufen. Da hieß es erst, dass man uns nicht helfen könne. Aber irgendwann müssen die gemerkt haben, wie verzweifelt wir waren", erinnert sich Gudrun Werner, die das Zeitgefühl für diese Nacht verloren hat. "Wir sind dann zurück zur Wohnung und dann waren auch schon alle da. Feuerwehr. Zwei von der Polizei. Alle waren total nett, sagten aber, dass ich mich auf eine saftige Rechnung einstellen muss."

Doch Geld sei ihr in dem Moment egal gewesen. Zu groß die Angst vor einem Brand und diesen zwei Kerzen, die sie seit einer gefühlten Ewigkeit so unruhig machten. "Ansonsten hätte ich ja einfach bei meiner Bekannten übernachten und mich am nächsten Tag um den Schlüsseldienst kümmern können", sagt sie, während sie über die ganze Geschichte selbst den Kopf schüttelt und heute zum Glück darüber lachen kann. Unruhig macht sie heute nur die noch offene Rechnung von der Feuerwehr. Wie hoch die tatsächlich ausfallen wird, ist noch unklar.

Von Manuela Gaedicke

Was tun in einem solchen Fall?

Es ist eine Geschichte, die viele schon mal in ähnlicher Form erlebt haben. Rausgegangen, Schlüssel vergessen, ausgesperrt. Zuständig ist in diesem Fall allerdings nicht die Feuerwehr. „Wir sind nur für den Notfall da und kein Schlüsseldienst“, stellt Stadtbrandmeister Thorsten Diesterhöft klar und verweist da­rauf, dass bei der Feuerwehr Lüneburg nur ehrenamtliche Kräfte tätig sind. Für die Rechnung eines Notfalleinsatzes wie in diesem Fall sei die Stadt zuständig.

Deren Pressesprecher Daniel Gritz sagt: „Die Frage, ob bei einem Feuerwehreinsatz Kosten oder nicht entstehen, wird durch das Niedersächsische Brandschutzgesetz und eine entsprechende Satzung der Stadt bestimmt. Grob lässt sich sagen: Unentgeltlich sind Einsätze bei Bränden oder Hilfeleistungen zur Rettung von Menschen aus akuter Lebensgefahr. Bei Einsätzen aus anderen Gründen können wir Kosten geltend machen.“

Laut städtischer Satzung kostet zum Beispiel jede ehrenamtliche Kraft pro Stunde 17 Euro, ein Rüstwagen 29 Euro stündlich eine Türöffnung pauschal nochmal 46 Euro zusätzlich. Aber auch der Einsatz eines Schlüsseldienstes kann teuer werden, liegt laut Auskunft eines Dienstleisters nachts bei 162 bis 180 Euro netto. Die Verbraucherzentrale rät, sich für Notfälle die Nummern von mehreren seriösen Schlüsseldiensten zu notieren.

Vorsicht geboten sei bei Anbietern, die im Branchenbuch unter -AAA auftauchen. „Oft verbergen sich dahinter Schlüsseldienste, die in ganz Deutschland tätig sind. Die kommen dann oft von sehr weit her angefahren, was natürlich richtig Geld kostet“, sagt Gabriele Peters von der Verbraucherzentrale Niedersachsen, die sehr häufig mit solchen Fällen zu tun hat.