A Stairway into the Light: Unter diesem Motto hat der Künstler Jan Balyon eine Treppe im obersten Stockwerk des neuen Lösecke-Hauses gestaltet. Die hellen Farben am oberen Ende stehen für den Wiederaufbau und den Blick in die Zukunft. Foto: t&w

Ein Kunstwerk für das Lösecke-Haus

Lüneburg. Am Anfang waren ständig Handwerker um ihn herum. Hämmern, bohren, klopfen das sind normalerweise nicht die Geräusche, die Jan Balyon kreativ werden lassen. Wenn der 67-Jährige malt, dann läuft im Radio klassische Musik. "Das gibt mir Bewegung. Mit lauten Beats im Hintergrund kann ich dagegen nicht viel anfangen", erzählt der Lüneburger Künstler, der seit vier Monaten fast jeden Tag auf der Baustelle im Lösecke-Haus verbringt.

Besondere Herausforderungen für die Treppenbaufirma

Mittlerweile ist es ruhig geworden im obersten Appartement des neu errichteten Gebäudes am Stintmarkt. Die Handwerker wirbeln jetzt in den unteren Etagen, schließen letzte Steckdosen an, bauen Duschwände ein, während Jan Balyon in Ruhe das genießen kann, was er in den vergangenen Monaten geschaffen hat: eine Treppe, so bunt und so besonders, dass sie sich von der eher puristischen und modernen Einrichtung, die sonst in der loftartigen Wohnung vorherrscht, deutlich abhebt.

Balyon war dabei, als ein schwerer Kran die 250 Kilogramm schwere Metallplatte in das oberste Stockwerk transportiert hat. Er hat für die anfangs noch weiße Fläche verschiedene Entwürfe gemacht und dabei eine Treppenbaufirma vor besondere Herausforderungen gestellt. "Am Anfang hatte ich fast 1000 solcher Löcher vorgesehen", erzählt der Holländer, während er auf die walnussgroßen Öffnungen zeigt, die sein Zusammenspiel aus Farben und Formen durchbrechen und einen besonderen Lichteinfall möglich machen. "Die wären fast wahnsinnig geworden, als sie das gesehen haben", verrät der Künstler mit einem Schmunzeln.

Dagegen stieß er beim Bauherren auf großes Verständnis.Michael von Hartz hatte ihn in seinem Atelier angesprochen. Er wollte etwas Besonderes, etwas Bleibendes in seinem Haus. Ein Kunstwerk. Bei einem gemeinsamen Treffen kam Künstler und Bauherr die Idee mit der Treppe. Balyon verbringt dafür nun ganz bewusst viel Zeit in dem Appartement, das sein Auftraggeber später auch für kulturelle Veranstaltungen nutzen möchte. Hier über den Dächern der Stadt, wo er das Wasser der Ilmenau rauschen hört, lässt er sich immer wieder neu inspirieren. "Ich finde es toll, dass Künstler bei den Bauarbeiten einbezogen werden. Die Weite, der Blick von hier oben, das ist himmlisch", schwärmt er.

Brand wird in dem Kunstwerk symbolisiert

Für Balyon war das Lösecke-Haus, seitdem er 2002 nach Lüneburg kam, immer etwas Besonderes. Er war gern zu Gast im Irish Pub, saß auch häufig auf einer Bank auf der anderen Seite, kannte einige der Bewohner. Der Brand im Dezember 2013 war auch für ihn ein großer Schock. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in den letzten Zügen, laut Michael von Hartz ist der 1. März für die Eröffnung weiterhin anvisiert. In der nächsten Woche werde sich zeigen, ob dieser Termin auch gehalten werden kann. "Einige Außenarbeiten kommen aufgrund des Wetters nur schleppend voran. Das ist alles noch eine große Wundertüte", erzählt der Bauherr.

Auch Jan Balyon hat in den nächsten Wochen noch einiges zu tun. Er will auf seinem Kunstwerk zusätzlich sogenannte fluoreszierende Farben auftragen, die leuchten, sobald Schwarzlicht den Raum erhellt. Immerhin lautet der Name des Kunstwerkes "A Stairway into the Light". Die Treppe führt von der Dunkelheit ins Licht, habe dieses Gebäude doch ein tragisches Geschehen hinter sich. "Der Brand wird auch symbolisiert, aber aus der Dunkelheit kommt das Positive. Und es geht darum, nach vorne zu schauen", beschreibt Balyon sein Kunstwerk. Zu sehen sein wird es für die Öffentlichkeit das erste Mal bei einem Tag der offenen Tür, der im Zuge der Eröffnung geplant ist.

Von Manuela Gaedicke