Freitag , 25. September 2020
Lüneburger Außenstelle des Weißen Rings erhält durchschnittlich drei Anrufe am Tag. Foto: nh

Weißer Ring Lüneburg bietet Hilfe in großer Not

Lüneburg. 14 100 geführte Gespräche verzeichnet das Opfer-Telefon des Weißen Rings, Deutschlands größter Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität, im Jahr 2016 bundesweit. Dies entspricht durchschnittlich 2232 Gesprächsminuten pro Woche oder 319 Minuten pro Tag. Umgerechnet haben die ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opfer-Telefonberater damit 80 Tage oder elf Wochen durchtelefoniert. 2015 hatten die Mitarbeiter 13 900 Gespräche geführt. Der Weiße Ring betreibt das bundesweite und kostenlose Opfer-Telefon mit der Rufnummer 116 006.

„Viele der Anrufer werden für eine intensivere Betreuung vom Not-Telefon an unsere Außenstelle überwiesen“, sagt Gerhard Hoene, Leiter der Außenstelle Lüneburg, die direkt unter der Rufnummer (0 41 31) 5 81 30 erreichbar ist. Der Weiße Ring in Lüneburg erhält werktags zwei bis drei Anrufe von Hilfesuchenden, am Wochenende weniger: „Nicht alle werden dann auch zu Fällen. Und dazu gehören auch diejenigen Opfer oder Angehörigen, die wir über längere Zeit betreuen.“ Die Ehrenamtlichen für die Region Lüneburg telefonieren laut Hoene rund drei Stunden täglich.

Schnelle unkomplizierte undanonyme Unterstützung

„Das Opfer-Telefon gibt Hilfesuchenden die Möglichkeit, sich schnell, unkompliziert und anonym Unterstützung zu holen“, sagt Gerhard Hoene. Laut Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des Weißen Rings, geht es vor allem um menschlichen Beistand. Zu den Aufgaben der aktuell 76 Opfer-Telefonberater gehöre es, zuzuhören und erste Orientierung nach einer Straftat zu geben. „Sie entwickeln zusammen mit den Anrufern Lösungswege, um aus einer Notlage herauszukommen.“ Opfer werden auch an Stellen weitervermittelt, bei denen sie dann persönliche Hilfe bekommen – beispielsweise an Traumaambulanzen, eine der bundesweit 420 Außenstellen des Rings oder eine andere Opferhilfeorganisation vor Ort.

Am häufigsten gesprochen wurde am Opfer-Telefon 2016 über Sexualdelikte wie Vergewaltigung und sexueller Kindesmissbrauch. Der Anteil dieser Deliktsgruppe an der Gesamtzahl aller geführten Gespräche beträgt 19 Prozent. Es folgt die Gruppe der Eigentums- und Vermögensdelikte wie Wohnungseinbruch, Trickdiebstahl und Betrug mit rund 17 Prozent. An dritter Stelle steht Körperverletzung mit rund 15 Prozent – die Hälfte davon häusliche Gewalt. Ebenfalls stark vertreten ist Nachstellung und Stalking mit rund zwölf Prozent. Gefordert waren die Opfer-Telefonberater auch nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016, als sich unmittelbar betroffene Opfer und traumatisierte Zeugen des Anschlags meldeten und telefonisch beraten wurden.

Die Opfer-Telefonberater sind an allen sieben Wochentagen in der Zeit von 7 bis 22 Uhr im Einsatz. Sie arbeiten in Drei-Stunden-Schichten von zu Hause aus, bis zu drei Berater sind gleichzeitig aktiv. rast