Donnerstag , 29. Oktober 2020
Der Ehrenring der Stadt Lüneburg ist kunstvoll gefertigt, er hat laut Verwaltung einen materiellen Wert von 2700 Euro. Foto: sp

Erbe will Ring in Ehren halten

Lüneburg. Für die Fantasiesumme von 12345 Euro hatte Sören Hansen den einst an seine Großmutter Käthe Krüger verliehenen Ehrenring der Stadt Lüneburg bei Facebook angeboten. Jetzt hat er sich anders entschieden: „Ich werde den Ring behalten.“ Denn er habe keinen Käufer gefunden, der einen für ihn akzeptablen Preis zu zahlen bereit gewesen wäre. Eine Entscheidung, die von der Stadt begrüßt wird.

Wer den Ehrenring der Stadt Lüneburg trägt, zählt zu einem kleinen Kreis engagierter Bürger, die sich in außergewöhnlichem Maß um die Stadt verdient gemacht haben. Seit 1976 wurden erst 27 Bürger ausgezeichnet, Käthe Krüger war 1980 die fünfte Trägerin, 1984 starb sie im Alter von 82 Jahren, den Ring vermachte sie ihrem Enkel Sören (LZ berichtete).

Der Ehrenring hat laut Stadtpressesprecher Daniel Gritz einen materiellen Wert von 2700 Euro: „Der ideelle Wert ist aber unermesslich.“ Für den Verkauf hatte der 46-jährige Post-Mitarbeiter Sören Hansen eine Bedingung: Der Ring muss nach Lüneburg zurückkehren. Es gab tatsächlich zwei Angebote: „Eines von einer Kanzlei, die ihren Sitz an der nach meiner Oma benannten Käthe-Krüger-Straße hat. Geboten wurde der Materialwert plus X. Allerdings wurden Dokumente zum Ring gefordert, die ich nicht habe.“

Hansen fragte auch die Stadt, ob die den Ring nicht haben und ans Museum weitergeben wolle: „Die Stadt aber sagte, sie wolle den Ring nicht doppelt bezahlen also damals beim Ankauf und nun erneut.“ Die Stadt habe ihm aber einen anderen Vorschlag unterbreitet: „Sie könnte einen Spender suchen, der mich mit 500 Euro entschädigen würde. Der würde dann den Ring als Dauerleihgabe dem Museum zur Verfügung stellen.“ Der Besitzer verhehlt nicht, dass er sich für das Schmuckstück einen deutlich höheren Preis erhofft hatte: „Da könnte ich den Ring ja selbst dem Museum als Dauerleihgabe geben, dann stände auch noch mein Name auf einem Schild. Aber ich behalte den Ring lieber selbst in Ehren.“

Dass der Ring nun doch im Familienbesitz bleibt, begrüßt die Stadt, Pressesprecher Gritz sagt: „Ein Ehrenring ist eine Auszeichnung wie ein Orden. Einen Orden verkauft man ja auch nicht weiter. Hier stehen auch die Nachkommen in der Verantwortung, das Andenken ihrer Vorfahren zu wahren und zu ehren, die die Auszeichnung für außergewöhnliche Verdienste erhalten haben.“
Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass der Ehrenring eines Tages doch nach Lüneburg zurückkehrt, Sören Hansen sagt: „Vielleicht stelle ich ihn in ein paar Jahren doch dem Museum zur Verfügung.“ rast