Simone Feller steht zwei Mal in der Woche vor der Schule Im Roten Felde. Die zweifache Mutter wurde jetzt zusammen mit fünf anderen zum Schulweglotsen ausgebildet. Foto: t&w

Ehrenamtliche Lotsen sorgen für Sicherheit

Lüneburg. Sylvia Klass und Simone Feller treten dick eingepackt ihren Dienst an. Es ist 7.30 Uhr, ein frostiger Morgen. Beide haben gerade ihre Kinder in der Schule abgeliefert, müssen bald zur Arbeit. Ein Job steht ihnen jedoch vor Dienstbeginn noch bevor: Diese Aufgabe erfordert eine leuchtend gelbe Warnweste, eine gleichfarbige Schirmmütze und eine Verkehrskelle. Als sich ein Transporter dem Zebrastreifen vor der Schule Im Roten Felde nähert, Kinder die Straße überqueren wollen, sind die beiden Mütter schon auf Position. Mit ausgestrecktem Arm und der Kelle in der Hand signalisieren sie dem Autofahrer, dass er anhalten soll. Die beiden Frauen haben Routine, gemeinsam mit vier anderen haben sie die Ausbildung zu Verkehrshelfern als Schulweglotsen absolviert.

Je mehr mitmachen, desto seltener muss jeder ran

Seit Anfang Dezember gibt es die Helfer im Roten Feld die einzigen in der Stadt. Im Landkreis sind sie bisher auch nur vereinzelt anzutreffen, lediglich Handorf, Melbeck und Scharnebeck sind versorgt. Seit der dreistündigen Schulung haben die Mütter jeden Morgen den Zebrastreifen der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße "bewacht", wenn möglich sorgen sie immer zu zweit etwa 30 Minuten lang dafür, dass die Kinder ohne Probleme über die Straße kommen.

Über die Selbstständigkeit vieler Schüler freut sich Simone Feller täglich, für Überraschungen sorgen dafür stets die Mütter und Väter. "Die Eltern sind die Übeltäter im Verkehr, nicht die Kinder", sagt die Verkehrshelferin. Denn um den Nachwuchs so dicht wie möglich an der Schule abzusetzen, ihm den Ranzen noch ins Gebäude tragen zu können, halten die Eltern im absoluten oder eingeschränkten Halteverbot, verhindern so, dass der Bus passieren kann. "Dann kommt es hier schon mal zu brenzligen Situationen." Wenn Eltern dann mal angesprochen werden, kommen häufig die gleichen Ausreden: "Ich will doch nur schnell..." oder "Ich bin heute im Stress...". Auch seien häufig Eltern zu beobachten, die ihren Kindern fahrend noch zuwinken, sagt Feller. "Sie achten dann gar nicht auf den Zebrastreifen."

„Es gibt über 40 Grundschulen in Stadt und Landkreis und nur an vier Schulen Schulweglotsen – das ist ziemlich traurig.“
Martin Schwanitz, Verkehrssicherheitsberater

Eltern mit einem erhobenen Zeigefinger zurechtzuweisen, sei aber nicht ihr Ziel. "Aufklärung ist das Stichwort", sagt Kollegin Imke Zelaß. Dafür gibt es auch Anerkennung. "Wir werden bestimmt 30 Mal am Morgen dafür angelächelt und immer nett begrüßt." Es seien nur einige Eltern, die dafür aber sehr regelmäßig für Probleme am Morgen sorgen. So beispielsweise eine unbelehrbare Golf-Fahrerin, die stets direkt am Zebrastreifen parkt, manchmal sogar die schuleigene Auffahrt für einen "kurzen Halt" nutzt. "Was sollen wir da machen? Die Mutter beim dritten Vergehen aufschreiben?" Man habe sie schon oft höflich gebeten, nicht in der Nähe des Zebrastreifens zu parken. "Es hat noch keinem Kind geschadet, ein paar Meter zu Fuß zu gehen."

Auch Großeltern und Nachbarn können helfen

Sonja Renken, die die Dienstpläne der Elternlotsen koordiniert, weiß, dass die Verkehrssituation immer wieder Thema in Elternratssitzungen ist. "Die Straße ist schon seit Jahren ein Brennpunkt, sie ist eng, wird stark befahren und beparkt." Deshalb hätten sich auch einige Mütter sofort freiwillig gemeldet, als die Idee aufkam, durch Schulweglotsen Unfallprävention zu leisten.
Auf noch mehr Engagement hofft Verkehrssicherheitsberater Martin Schwanitz, der die sechs Mütter in Lüneburg ausgebildet hat. "Es gibt über 40 Grundschulen in Stadt und Landkreis und nur an vier Schulen Schulweglotsen das ist ziemlich traurig." Jeder könne diese Aufgabe übernehmen, und wenn sich genug Freiwillige finden würden, wäre jeder Einzelne auch nicht so häufig an der Reihe. "Wir möchten eigentlich auch gern zur Abholzeit an der Schule vertreten sein", sagt der Polizist, aber das könnten die sechs Vertreter der hiesigen Grundschule nicht auch noch leisten.

Es müssten nicht Eltern sein, die sich zu Verkehrshelfern ausbilden lassen. "Das können Großeltern oder freundliche Nachbarn sein, die an der Schule wohnen". Auch Jugendliche könnten diese Aufgabe übernehmen wenn sie 13 Jahre oder älter sind oder die 7. Klasse besuchen.
» Wer Interesse oder Fragen zur Ausbildung hat, kann sich unter %(04131)83062302 an Martin Schwanitz wenden.

Von Anna Paarmann

Befugnisse der Schulweglotsen

Ausgebildete Schülerlotsen haben nicht die gleiche Handhabe wie Polizisten, dürfen also nicht in den fließenden Verkehr eingreifen. Aber sie dürfen Eltern ansprechen, wenn ihnen unangemessenes Verhalten im Verkehr auffällt. Auch ist es ihre Aufgabe, Kinder sicher über die Straße zu bringen, dafür dürfen sie sich auch mal auf die Straße stellen, um für sie eine Lücke im Verkehr zu finden.

Das notwendige Fachwissen bringt ihnen ein Verkehrssicherheitsberater der Polizei bei. So lernen sie in der Ausbildung, wie gefährdet Kinder im Straßenverkehr sind. Auch wird die Straßenverkehrsordnung thematisiert, ebenso der Anhalte-Weg. Gemeinsam wird die Situation vor Ort eingeschätzt, der sicherste Weg für Kinder besprochen.