30 Steuersünder zeigen Reue: Die Zahl der Selbstanzeigen beim Finanzamt Lüneburg ist aber wieder rückläufig. Foto: A/be

30 Selbstanzeigen beim Finanzamt Lüneburg

Lüneburg/Hannover. Die Deutung ist eine Frage der Sichtweise: 30 Steuersünder haben sich im Jahr 2016 selbst beim Finanzamt Lüneburg angezeigt. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren ein deutlicher Rückgang. 2015 wurden 49, im Jahr davor gar 92 Selbstanzeigen registriert. Der Trend könnte für einen Rückgang des Unrechtsbewusstseins sprechen, aber auch Zeichen sein, dass weniger Steuerzahler überhaupt versuchen, Geld am Fiskus vorbei auf die Seite zu legen.

Selbstanzeigen sind rückläufig

Landesweit haben die Finanzbehörden im vorigen Jahr 1077 Selbstanzeigen von Steuersündern verzeichnet. Damit liegt die Zahl der Selbstanzeigen nach drei Jahren mit außergewöhnlich vielen Selbstanzeigen wieder beim langjährigen Schnitt von rund 1200 Selbstanzeigen pro Jahr. "Viele Steuersünder haben aufgrund des hohen Entdeckungsrisikos und wegen der gesetzlichen Verschärfungen der strafbefreienden Selbstanzeige in den vergangenen Jahren ihre Chance genutzt, um reinen Tisch zu machen", wertet Finanzminister Peter-Jürgen Schneider. "Denjenigen, die die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt haben, rate ich, mit diesem Schritt nicht zu lange zu warten. Wir werden den Druck steigern."

Landesweit gibt es laut Finanzministerium 255 Steuerfahnder. 2002 hat Niedersachsen als erstes Bundesland eine Steuer-Task-Force ins Leben gerufen. In Oldenburg ist das 18-köpfige Team stationiert Steuerfahnder, Steuerprüfer, Juristen und Informatiker, die systematisch Steuerbetrug und Mogelmöglichkeiten aufspüren, aber auch potenzielle Schwachstellen in den Vorschriften aufzeigen.

Task-Force spürt Betrüger im Internet auf

Im Visier stehen ganze Branchen. Auf dem Schirm hat die Spezialtruppe zum Beispiel den Fahrzeughandel im Internet. 90 Prozent der 40000 Profihändler in Deutschland wickeln mittlerweile 39 Prozent ihrer Verkäufe online ab. Aber nicht jeder lässt alle Deals auch durch seine Bücher laufen.

Ein Abgleich der Auto-Angebotsseiten im Internet mit den dem Finanzamt gemeldeten An- und Verkaufszahlen spürt solche Unregelmäßigkeiten auf. Mehr als 3000 Verdachtsfälle haben die niedersächsischen Ämter geprüft; ein Drittel davon führte tatsächlich zu höheren Steuereinnahmen, insgesamt 35 Millionen Euro. "Das heißt, dass jeder dritte Kfz-Händler geschummelt hat", rechnete Minister Schneider vor.

Druck auf Steuersünder erzeugt auch nach wie vor die Auswertung von Datenträgern. Die Einnahmen Niedersachsens im Zusammenhang mit Ankäufen von Daten aus den Ländern Schweiz, Luxemburg sowie Liechtenstein betrugen seit 2008 bis Ende 2016 rund 345 Millionen Euro. Niedersachsen hat sich bisher mit rund 900000 Euro an den Datenankäufen beteiligt.
Als eher enttäuschend erwiesen sich für den heimischen Fiskus die "Panama Papers", also die Enthüllungen über Briefkastenfirmen in dem mittelamerikanischen Staat. 18 Verdachtsfälle gibt es in Niedersachsen, lediglich drei davon führten bislang zu einem Strafverfahren Ausgang offen. red/pm