Sonntag , 25. Oktober 2020
Die Silvesterknallerei am Markt möchte Stefan Lorenz sich nicht länger mitansehen. Der Ochtmisser würde sich freuen, wenn die Verwaltung die Innenstadt zu einer feuerwerksfreien Zone erklären würde. Foto: t&w

Böller-Verbot in der Innenstadt?

Lüneburg. Wenn Stefan Lorenz sich die alten Lüneburger Häuserfassaden anguckt, dann kommen ihm manchmal auch diese Bilder in den Sinn: Brennende Raketen, die sich unter Dachüberständen verhaken. Feuerwerksbatterien, die einmal angezündet das historische Rathaus im Viertelsekundentakt mit Böllern attackieren. Und ein Marktplatz, der ihm und seinem Bekanntenkreis in den vergangenen Jahren immer mehr wie ein Kriegsschauplatz vorkam. „Es ist ja nicht mehr so, dass man eine Sektflasche hinstellt, eine Rakete anzündet und es einmal puff macht“, erklärt der Ochtmisser. „Die Feuerwerkskörper haben sich so weiterentwickelt, dass das Gefährdungspotenzial deutlich höher ist als früher.“

Verbote sind schwer umzusetzen

Stefan Lorenz hat beschlossen, dass er dabei nicht länger zusehen möchte. Der 47-Jährige hat gleich zu Beginn des Jahres einen Antrag bei der Stadt eingereicht, über den nun in der kommenden Woche im Ausschuss für Feuerwehr und Gefahrenabwehr beraten werden soll. Die Verwaltung hat dafür bereits eine Beschlussvorlage erstellt, in der es heißt: „Die Stadtverwaltung selbst stellt seit einigen Jahren bereits auch Überlegungen für ein Feuerwerksverbot an, um die denkmalgeschützte Bausubstanz zu schützen.“ Problematisch sei allerdings die Durchsetzung eines solchen Verbotes, das nicht ohne die entsprechend personalstarke Unterstützung durch die Polizei möglich sei. „Der notwendige Kräfteeinsatz muss im Vorfeld sorgfältig geplant werden.“ Noch ist nicht geklärt, ob die überhaupt in der Lage ist, eigene Mitarbeiter auch noch mit dieser zusätzlichen Aufgabe zu betrauen.

Dass so ein Verbot schwer umzusetzen ist, zeigte sich erneut in der Silvester-Nacht am Kalkberg (LZ berichtete). Obwohl das Abfeuern von Raketen und das Zünden von Böllern rund um den Berg nicht erlaubt ist, halten sich viele nicht daran. „Inwieweit den Regeln und vor allem den Empfehlungen gefolgt wird, ist sehr unterschiedlich“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Verboten ist es laut bundesweiter Gesetzgebung auch, Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern abzubrennen. Für die historische Altstadt von Lüneburg besteht bislang lediglich eine Empfehlung, dort an Silvester nicht zu böllern.

Thema trifft einen Nerv

Bislang gab es dort in der Silvesternacht keine größeren Schäden. Anders als in anderen Städten wie Tübingen oder Goslar, wo vor einigen Jahren an Silvester Fachwerkhäuser in Brand gerieten und seitdem ein Böllerverbot herrscht. Für Stefan Lorenz ist es nur eine Frage der Zeit, bis es auch in Lüneburg zum Jahreswechsel ein Feuer gibt, „dem kann doch keiner länger zugucken. Ich denke, es ist großes Glück, dass bisher nichts passiert ist“, ist der Verwaltungsfachwirt überzeugt.

Die Verwaltung der Stadt will nun einen detaillierten Vorschlag in Abstimmung mit der Polizeiinspektion Lüneburg erarbeiten. „Geplant ist, den Gremien der Stadt Lüneburg im Herbst einen entsprechenden Regelungsvorschlag vorzulegen“, heißt es in der Beschlussvorlage. Auch Lorenz ist zu diesem Treffen eingeladen. Als normaler Bürger kann er eigentlich gar keine Anträge einreichen, mit seinem Thema hat er aber offenbar in der Verwaltung einen Nerv getroffen. Dadurch, dass die sich nun mit seinem Anliegen beschäftigt, hat er sein eigentliches Ziel schon erreicht: „Einer muss ja den Anfang machen.“

Von Manuela Gaedicke