Berufsfelder verändern sich: Robin Petersen, Auszubildender zum Berufskraftfahrer bei der Bockelmann Holz GmbH, führt die Funktionsweise des „virtuellen Krans“ vor.

Nächster Halt: Zukunft — Ausbildungsbörse mit Besucherrekord

Lüneburg. 83 Aussteller, 116 Ausbildungsberufe und etwa 1200 Besucher – das ist das Fazit der Ausbildungsbörse, die am Sonnabend im Haus der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen An den Reeperbahnen stattfand. Neben Job-Speed-Dating, Kran-Simulator und 3D-Drucker drehte sich einen Vormittag lang alles um Ausbildungs- und Studienangebote für Schüler der Region.

„Ich weiß noch nicht, ob ich eine Ausbildung machen oder doch studieren gehen möchte“, erzählt Lukas Best. Der 17-jährige Schüler aus Bleckede geht derzeit in die 12. Klasse und steht kurz vor seinem Abitur. Er besucht die Ausbildungsbörse mit seiner Mutter Kerstin und stellt mit Blick auf den 3D-Drucker der Ostfalia Hochschule fest: „So etwas zu programmieren, stelle ich mir echt spannend vor.“ Ganz unerfahren ist er allerdings nicht: „In der Schule war ich lange Mitglied der Roboter-AG, habe also schon erste Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt.“ Auch fachlich hat er schon eine Vorstellung: „Es soll Richtung Informatik oder Mathematik gehen.“ Das Angebot der Ausbildungsbörse sei ihm „auf jeden Fall“ eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung.

Worte, über die sich Mario Steinke freut. Er ist Teamleiter der Berufsberatung bei der Lüneburger Arbeitsagentur und mitverantwortlich für die Organisation der Börse: „Wir konnten uns mit 1200 Gästen dieses Jahr gegenüber den 1000 Gästen des vergangenen Jahres noch weiter steigern“, erzählt er. Mit 83 Ausstellern sei auch auf Seite der Aussteller ein neuer Rekord zu verzeichnen. Viele der Aussteller seien dabei aus der Region Lüneburg, „allerdings sind auch diverse überregionale Unternehmen auf dem Ausstellungsgelände präsent“, erzählt er.

„Wir konnten uns mit 1200 Gästen dieses Jahr gegenüber den 1000 Gästen des vergangenen Jahres noch weiter steigern.“
Mario Steinke, Teamleiter

Auch für Abiturienten würde von Jahr zu Jahr mehr geboten: „Unter den Angeboten finden sich immer mehr duale Studienangebote“, berichtet der Diplom-Handelslehrer, „da hierfür die Nachfrage unter den Schülern stetig steigt.“ Der Wettbewerb um die guten Köpfe werde dabei „immer größer“, verrät Steinke. Berufsbilder veränderten sich zunehmend und würden fachlich immer angereicherter. Robin Petersen kann davon ein Lied singen. Der 21-jährige Reinstorfer macht derzeit seine Ausbildung zum Berufskraftfahrer bei der Bockelmann Holz GmbH und sitzt auf einem Lkw-Sitz mit einer sogenannten Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf.

„Über diese Brille lassen sich Kräne zukünftig direkt vom Fahrersitz des Lkw bedienen“, erzählt Robins Ausbilder Philipp Kopp. In Skandinavien sei die Brille schon im Regelbetrieb angekommen, in Deutschland allerdings sei erst ein Lkw damit ausgestattet. „Die Brille liefert dem Träger ein 270-Grad-Bild, das sich direkt von Kameras am einstigen Fahrersitz des Kranführers speist“, erklärt Kopp. So ließen sich künftig Kräne steuern, ohne die Fahrerkabine des dazugehörigen Lkw dafür verlassen zu müssen. „Wir testen die Brille gerade und wenn sie uns zusagt, nutzen auch wir sie – beispielsweise für Schulungszwecke“, erzählt er.

Ganz ohne virtuelle Realität, dafür klassisch mit Stoppuhr und Glocke ging es währenddessen in der Kantine der Arbeitsagentur zu: 30 Ausbildungsbetriebe standen potenziellen Bewerbern hier für ein Speed-Dating zur Verfügung. Das Prinzip: Jeder Bewerber hat pro Ausbildungsbetrieb genau zehn Minuten Zeit für ein Gespräch, danach wird geklingelt und die Plätze werden getauscht. „Wie die Bewerber die Zeit nutzen, ist ihnen dabei selbst überlassen“, erzählt Beate Krebs vom Ausbildungsverbund Lüneburg. Zusammen mit ihrer Auszubildenden Wiebke Weber stand die 57-jährige Assistentin der Geschäftsführung des ALÜ im Laufe des Tages an ihrem Platz mehreren Schülern Rede und Antwort.

„Wir können beim Speed-Dating die Bewerber in kürzester Zeit kennenlernen und uns ein erstes Bild machen“, erzählt Krebs. Viele kämen auch schon direkt mit Bewerbungsmappen und interessieren sich für ein konkretes Berufsfeld, wirft Kollegin Weber ein. Gut 30 Ausbildungsplätze zum 1. August 2017 habe der ALÜ für seine Betriebe dieses Jahr noch im Angebot – vom Kaufmann für Büromanagement über Fachinformatiker-Ausbildungen bis zur Ausbildung zum Industriemechaniker ist alles dabei. Am Ende sind die beiden Mitarbeiterinnen des ALÜ mit dem Verlauf des Tages zufrieden und sich sicher: „Wir bekommen alle freien Ausbildungsplätze besetzt.“

Von Tjark Thönßen