Donnerstag , 24. September 2020
Ralf Scholze (unten) und Carsten Lübcke vom kreiseigenen Betrieb für Straßenbau und -unterhaltung montieren die Tempo-80-Schilder. Foto: t&w

Tempo 80 zwischen Wetzener Kreisel und Raven

Raven/Wetzen. 17 Unfälle in fünf Jahren, drei davon mit Schwerverletzten: So lautet die traurige Statistik eines etwa 1100 Meter langen Abschnitts an der Kreisstraße 20 zwischen Wetzener Kreisel und Raven. Damit es auf der Allee mit S-Kurve nicht noch mehr Verletzte oder gar Tote gibt, entschied sich der Landkreis Lüneburg jetzt für ein Tempo-Limit auf der Strecke: Künftig sind dort statt 100 Kilometer in der Stunde nur noch 80 erlaubt. Gestern wurden die neuen Verkehrsschilder an der Strecke angebracht.

Bei den meisten Unfällen seien die Autofahrer gegen einen Baum an der Strecke gefahren, berichtet Dirk Bonow, Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr beim Landkreis Lüneburg. „Die Leute fuhren zu schnell und zu unaufmerksam“, erläutert er. Viele hätten die Kurve nicht gekriegt und krachten gegen die nächste Eiche. Ungewöhnlich für Autounfälle: Es gibt sogar eine Dunkelziffer. „Manche Verunglückte ließen sich von einem benachbarten Landwirt abschleppen, meldeten es nicht der Polizei“, erklärt Andreas Dobslaw, Polizeihauptkommissar und Geschäftsführer der Lüneburger Unfallkommission.

Vieles für mehr Sicherheit versucht

Der Kommission war das Problem der Strecke durchaus bewusst: „Wir haben viel versucht, um die Strecke sicherer zu machen“, sagt Bonow. Seit 2008 gelte dort ein Überholverbot, Kurvenwarnschilder wurden montiert. „Anschließend wurde es erstmal etwas ruhiger, doch dann ging es wieder los“, berichtet Bonow: Eine Leitplanke wurde gebaut. Dennoch kam es weiter zu Unfällen. Bäume, die zu nah an der Straße oder im Graben standen, wurden daraufhin gefällt.

Als dies wieder nicht zum gewünschten Ergebnis führte, kam das Tempo-Limit ins Spiel. Die Entscheidung habe man sich aber nicht leicht gemacht: „Es ist immer eine Abwägung zwischen der Sicherheit und der Leichtigkeit des Verkehrs“, erläutert Dobslaw. „Verkehr sollte immer leicht fließen können.“

Nur fünf Sekunden langsamer

Um sich zu vergewissern, dass mit Tempo 80 die Autofahrer nicht zu viel Zeit verlieren, stieg Bonow selbst ins Auto: „Ich bin die Strecke in beide Richtungen zweimal gefahren einmal mit 80, einmal mit 100 Stundenkilometern.“ Jedes Mal stoppte er die Zeit. „Mit 80 war ich nur fünf Sekunden langsamer als mit 100“, berichtet er. „Ich denke, das kann jeder verkraften.“
Grundsätzlich kämen solche Tempo-Limits gut an, erläutert Dobslaw. „Der Überholdruck wird herausgenommen“, sagt er. „Wer in einer 80er-Zone hinter einem Lastwagen fährt, neigt weniger zu riskanten Manövern.“ In nächster Zeit sollten Autofahrer jedoch auf der K20 zwischen Wetzener Kreisel und Raven besonders aufpassen: In der Anfangsphase wird der Verkehr auf der Strecke verstärkt überwacht. „Das werden Radarkontrollen sein mit einem gut versteckten Gerät“, warnt Bonow.

So sollen die Fahrer lernen, dort vorsichtiger zu fahren. Dies sei keine Abzocke, das eingenommene Bußgeld decke noch nicht mal den Aufwand. „Gewinn macht der Landkreis damit nicht“, sagt Bonow. Ihm geht es vor allem um die Sicherheit und um die Akzeptanz des neuen Tempo-Limits.

Von Robin Williamson